Capital Markets
06.08.12 11:55

06.08.2012 - Ökonom John Greenwood: "Wir werden dieses Jahr einen weiteren Bail-Out sehen" (in Englisch)

Die Eurozonenkrise geht in ihr fünftes Jahr - doch anstatt zu schwinden, breitet sie sich weiter aus. Erst kürzlich ist Spanien ins Fadenkreuz der Investoren geraten, und bald könnte Italien das nächste Opfer werden. Trotzdem geht John Greenwood, Chefvolkswirt der Asset-Management-Firma Invesco, nicht von einem Komplett-Zusammenbruch der Währungsunion aus. „Ich glaube nicht, dass sich die Eurozone vollständig auflösen wird“, sagt er. „Jedoch ist es wahrscheinlich, dass aber eines oder mehr Ländern in den nächsten zwei oder drei Jahren austreten werden.“ Griechenland und Portugal sind zwei mögliche Kandidaten. „In beiden Fällen sind die Volkswirtschaften in einer schweren Rezession“, erklärt er. „Das bedeutet, dass das Verhältnis ihrer Schulden zum BIP sich weiter verschlechtert, selbst wenn sie keine weiteren Schulden machen.“

Die jüngste Verschärfung der Krise in der Eurozone hat wieder einmal die Politiker kreuz und quer über den Kontinent auf der verzweifelten Suche nach Lösungen getrieben. Keiner ihrer Beschlüsse hat jedoch ausgereicht, um den Investoren ihre Sorgen zu nehmen. „Die jüngsten Schritte [der Politiker] in Richtung einer Banken-Union sind Baby-Schritte“, sagt John Greenwood. „Deshalb wird die Krise weitergehen, bis wir eine umfassende Lösung bekommen.“

Tatsächlich glaubt Greenwood, dass ein weiterer Bail-out kurz bevorsteht: seine  Vorhersage lautet, dass ein weiteres europäisches Land in diesem Jahr von den anderen heraugehauen wird.

Die durch die Krise geschaffene Unsicherheit hat sich auch für Deutschland inzwischen zu einer großen Bedrohung entwickelt. „Die deutschen Exporte nach Griechenland, Portugal und den anderen Peripherieländern sind gesunken“, verweist er auf einen Transmissionsriemen der Krise. Allerdings bedeutet dies nicht unbedingt, dass Deutschland deswegen auch in eine Rezession schlittern wird: „Auf der anderen Seite ist der Euro schwächer geworden, was deutsche Firmen konkurrenzfähiger macht. Es ist also nicht klar, ob Deutschland einen echten Abschwung erleiden wird.“

Hinsichtlich des wirtschaftlichen Schicksals der übrigen Eurozone ist sich Greenwood nicht nur sicherer. Er ist auch sehr viel pessimistischer. „Klar ist, dass es innerhalb der Eurozone als Ganzes gesehen keinerlei Anzeichen einer Erholung gibt“, sagt er. „Und ehrlich gesagt, sehe ich auch keine Chance, bis die Fiskal-und Geldpolitik der Eurozone neu strukturiert worden ist.“ Deshalb glaubt er auch nicht, dass Europa innerhalb der nächsten zwei Jahre zu solidem Wachstum zurückkehren wird.

Auch auf das Vereinigte Königreich wirkt sich die Krise sehr negativ aus. „Die britische Wirtschaft wird durch das, was in der Eurozone beschädigt los ist, stark in Mitleidenschaft gezogen", sagt Greenwood. „40 Prozent unserer Exporte gehen in dorthin. Um eine Wiederbelebung in Großbritannien zu sehen, müssten wir erst eine Wiederbelebung in anderen Volkswirtschaften sehen. Die Möglichkeit einer von der Eurozone unabhängigen Erholung der britischen Wirtschaft, sehe ich nicht.“

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