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Capital Markets
09.08.12

09.08.2012 - Alexander Börsch, Deloitte: „Es wird Zeit, dass die Währungssysteme die realwirtschaftlichen Gewichte besser darstellen.“

Alexander Börsch, Leiter Research Deutschland bei Deloitte, stellt zwei Studien zur Zukunft des Euro und des globalen Währungssystems vor. Drei mögliche Szenarien sollten Unternehmen sich vor allem vor Augen halten: eine Re-Regionalisierung mit Handels- und Währungsschranken, eine Marginalisierung des Euro und eine Verdrängung des Dollar durch Euro und Renminbi. „Dabei muss eine Umstellung auf eine neue globale Währungsordnung nicht unbedingt negativ sein. Schließlich stellen neue Währungssysteme meist nur eine überfällige finanzwirtschaftliche Anpassung an realwirtschaftliche Kräfteverhältnisse dar.“ So sieht Börsch ein künftiges multipolares Währungssystem als Chance, die Weltwirtschaft zu stabilisieren.

Das globale Währungssystem vor dem Umbruch

Die multipolare Währungswelt

Das globale Währungssystem steht von vielen Seiten unter Druck: der Euro steht womöglich kurz vor dem Auseinanderbrechen, die Vereinigten Staaten stehen vor einem „fiskalischen Kliff“, das den Dollar in noch viel größere Nöte stürzen könnte als die Eurozone, und der Renminbi nimmt als de-facto-Ankerwährung in Asien und als Handelswährung vieler Schwellenländer längst eine weltpolitische Rolle ein, die weit über das hinausgeht, was die chinesische Regierung sich und der Welt eingestehen will. Doch wohin die Reise des globalen Währungssystems von hier aus gehen wird, ist unklar. Alexander Börsch, Leiter Research Deutschland bei Deloitte, stellt aber fest: „Klar ist, dass das System sich an einem Scheideweg befindet.“

Drei mögliche Szenarien sollten CFOs sich vor allem vor Augen halten und regelmäßig deren mögliche Auswirkungen auf ihre Unternehmen prüfen: Sollten die fiskalpolitischen Probleme in Europa und den USA gleichermaßen nicht gelöst, sondern durch Abschottungsversuche nur oberflächlich eingedämmt werden, drohe eine nachhaltige Reduktion des globalen Güterhandels und eine verstärkte Re-Regionalisierung von Wirtschafts- und Währungsräumen mit negativen Folgen vor allem für die deutsche Exportwirtschaft. Sollte die politischen Probleme in Europa nicht gelöst werden, drohe ein Scheitern oder eine Marginalisierung der Eurozone, mit entsprechend höheren Finanzierungskosten für europäische Unternehmen, auch wenn die USA und China in einem neuen Währungsduopol ihre Ungleichgewichte reduzierten. Löst Europa seine Probleme, die USA aber nicht, könnte eine Währungswelt der zwei Geschwindigkeiten entstehen, mit dem Euro als Anker der langsam wachsenden Industrienationen und dem Renminbi als Leitwährung der Emerging Markets.

Jedes der Extremszenarien wäre mit erheblichen Kosten für die Weltwirtschaft verbunden. Verlässt man jedoch die Extremfälle, sieht Börsch ein künftiges multipolares Währungssystem durchaus als Chance, die Weltwirtschaft zu stabilisieren. „Die Umstellung auf eine neue globale Währungsordnung muss nicht unbedingt negativ sein“, so Börsch. Als Beispiele diene die Ablösung des britischen Pfunds durch den US-Dollar. „Neue Währungssysteme stellen meist nur eine überfällige finanzwirtschaftliche Anpassung an realwirtschaftliche Kräfteverhältnisse dar – und das ist an sich begrüßenswert.“

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