12.07.2012 - Treasury-Experte Bellin: „In vielen Finanzabteilungen regieren die Buchhalter“
Viele deutsche Unternehmen – insbesondere im Mittelstand – vernachlässigen das Thema Treasury, meint der Ex-Treasurer und heutige IT-Unternehmer Martin Bellin: „In vielen Finanzabteilungen regieren die Buchhalter.“ Weshalb er ein gutes Treasury für existentiell wichtig hält, was ein Finanzvorstand davon erwarten kann und warum das gar nicht viel kosten muss – Bellins Einschätzung hier bei FINANCE-TV.
Schlecker zeigt: Schwächen im Treasury können sich bitter rächen
Wenn Unternehmen von Zins- und Devisenschwankungen oder Liquiditätsabflüssen auf dem falschen Fuß erwischt werden, hat das meistens einen Grund, meint Ex-Treasurer Martin Bellin, Inhaber und Chef eines Anbieters von Treasury-Software und -Beratung: gravierende Schwächen im Treasury, dem Herzstück einer jeden professionellen Finanzabteilung. „Liquidität ist eine wichtige und knappe Ressource – das ist doch die Lehre aus der Krise von 2008“, sagt Bellin gegenüber FINANCE-TV.
Für „existentiell wichtig“ hält Bellin ein gutes Treasury gerade in der jetzigen Zeit mit all den politischen und wirtschaftlichen Bedrohungen: „Wir diskutieren über den Grexit, das Ende des Euros. Währungsschwankungen und Zinsveränderungen sind in diesem Umfeld nur noch schwer zu prognostizieren. Auch die Bonität der Banken ist ein Thema geworden. Jeder CFO sollte sich dringend fragen: ‚Was ist mir die Transparenz über diese Risiken und ihren Einfluss auf die Liquidität wert‘?“
Bellin moniert, dass viele Unternehmen sich in ihrem Finanzmanagement auf das interne und externe Berichtswesen konzentrieren und dafür Liquiditäts- und Risikomanagement vernachlässigen: „In vielen Finanzabteilungen regieren die Buchhalter.“ Die Ereignisse der vergangenen Monate geben ihm Recht: Immer wieder kommen im Nachgang spektakulärer Pleiten große Versäumnisse im Finanzmanagement ans Licht, zuletzt im Fall Schlecker. „Größe schützt vor Torheit nicht“, warnt Bellin mit Blick auf Großkonzerne, die auch an einem fehlenden oder einem zu schlechten Treasury gescheitert sind.
Der Aufbau eines Treasurys muss Bellin zufolge gar nicht viel kosten: „Dafür kann man Leute auch ausbilden. 20.000 Euro, 100.000 Euro, in komplexen Fällen auch mal 250.000 Euro reichen meistens schon aus, um vernünftiges Treasury aufzubauen.“ Das seien die Summen, die ein CFO auch dann mobilisieren könnte, wenn er innerhalb des Unternehmens als Sparkommissar auftrete: „Das Wissen um die Risiken sollte einem Finanzvorstand diese Investition wert sein“, findet der frühere Treasurer.
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Angst vor Kontrollverlust, Misstrauen gegenüber den Outsourcing-Partnern, nicht gemachte Hausaufgaben: Es gibt viele Gründe dafür, dass deutsche CFOs deutlich seltener auf Outsourcing in der Finanzabteilung setzen als ihre Kollegen in den USA. „Aber die Prozesse müssen standardisierter, günstiger werden“, mahnt Michael Eberhardt, der das deutsche Enterprise-Geschäft bei HP leitet. „CFOs unterliegen dem gleichen Zwang wie die CIOs und die HR-Leute vor fünf oder zehn Jahren.“ Wie weit man das Business Process Outsourcing theoretisch treiben könnte, welche Rolle dabei Shared Service Center spielen und warum CFOs ihre Komfortzone verlassen sollten, sagt Eberhardt im Interview bei FINANCE-TV.
Finanzabteilungen verschlingen immer mehr Geld. Dies ist das Kernergebnis einer aktuellen Benchmarkstudie von PwC. Doch angesichts der immens steigenden Anforderungen an die CFOs und ihre Mitarbeiter sei der Kostenanstieg moderat, findet Thomas Weber, Partner im Finance-Consulting-Bereich bei PwC: „Die Finanzabteilungen werden effizienter.“ Doch auch die Schwächen, die die Untersuchung zu Tage gefördert hat, stechen ins Auge: Reporting, Forecasting, Risikomanagement – in all diesen Feldern schätzen viele Finanzabteilungen ihre Leistungen selbst als ungenügend ein. Wo genau die Probleme liegen und wie CFOs die Performance ihrer Teams verbessern können – die Antworten hier bei FINANCE-TV.
Viele CFOs klagen über den stockenden Nachschub an Top-Talenten für die Finanzabteilung. Oft wird die Schuld beim HR-Team gesucht. Aber für die Teamqualität ist auch der CFO zuständig, meint Michael Schnetzer, Deutschland-Chef der Hackett Group: „CFOs müssen eine klare Bedarfsanalyse liefern, damit Human Resources die richtigen Leute rekrutieren kann.“ Wie man aus den Talenten anschließend wirkliche Top-Performer macht, welche Rolle Direct Reports dabei spielen und was manche Mittelständler den Großkonzernen in Sachen Talentmanagement voraus haben, verrät Schnetzer bei FINANCE-TV.
Das Treasury hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert, sagt Michael Spiegel, Global Head of Trade Finance and Corporate Cash Management bei der Deutschen Bank. Treasurer hätten sich in Zeiten vor der inzwischen fünf Jahre dauernden Finanzkrise stärker auf ihr Unternehmen selbst fokussiert und sich mit Zinsänderungen, Währungs- und Finanzierungsrisiken beschäftigt. Heute rücke auch die Nachhaltigkeit der Supply Chain mit in den Fokus.
Treasurer würden ihre Aufgabe im weiteren Sinne als ein umfassendes Unternehmensrisiko-management auffassen, das auch Zulieferfinanzierungen umfasst. „Die Frage ist doch: Wie gesund und solvent sind die Zulieferer und wie gesund die Kunden?“ Wie sich die Eurokrise auf die Wahl der Bankpartner auswirkt, erfahren Sie im Interview bei FINANCE-TV.
Hemdsärmelig, unternehmerisch, keine festen Strukturen: Junge Wachstumsunternehmen gelten gemeinhin nicht als das klassische Betätigungsfeld für CFOs. Doch das ist ein Fehler, meint der erfahrene Venture-Capital-Investor Bernhard Schirmers bei FINANCE-TV: „Jedes Start-up braucht einen CFO. Wenn wir einsteigen, installieren wir immer einen – am liebsten erfahrene Industrie-CFOs von außen.“ Auf was sich CFOs, die vom Konzernleben genug haben, bei Start-ups einstellen müssen, was genau ihre Aufgaben sind und an welchem Punkt die meisten Unternehmensgründer spätestens bereuen, keinen guten CFO berufen zu haben, verrät Schirmers im Interview bei FINANCE-TV.
Wer sich gern mit Zahlen beschäftigt, sich über Zahlen mitteilt und lieber über Zahlen als über Menschen spricht, der ist nach der Definition der Autorin und Managementberaterin Angelika Leder ein Zahlenmensch. Ein Großteil der Mitarbeiter in Finanzabteilungen und Banken dürfte sich in dieser Beschreibung wiederfinden. Das Faible für Fakten und Zahlen heißt allerdings nicht, dass Zahlenmenschen automatisch im zwischenmenschlichen Bereich Probleme haben: „Zahlenmenschen haben auch Beziehungskompetenz“, sagt Leder. Dennoch gebe es häufig Missverständnisse mit Nicht-Zahlenmenschen. Wie sich diese verhindern lassen, worauf Zahlenmenschen in Führungspositionen achten müssen und in welchen Branchen sie ihre Talente besonders gut einsetzen können, das erklärt Angelika Leder im Gespräch mit FINANCE-TV.
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Viele CFOs klagen über den stockenden Nachschub an Top-Talenten für die Finanzabteilung. Oft wird die Schuld beim HR-Team gesucht. Aber für die Teamqualität ist auch der CFO zuständig, meint Michael Schnetzer, Deutschland-Chef der Hackett Group: „CFOs müssen eine klare Bedarfsanalyse liefern, damit Human Resources die richtigen Leute rekrutieren kann.“ Wie man aus den Talenten anschließend wirkliche Top-Performer macht, welche Rolle Direct Reports dabei spielen und was manche Mittelständler den Großkonzernen in Sachen Talentmanagement voraus haben, verrät Schnetzer bei FINANCE-TV.
Selten hat der Bondmarkt aus Sicht deutscher Emittenten einen so starken Jahresstart hingelegt wie in diesem Jahr: Eine Transaktion jagt die nächste, und die Stimmung ist gut. „Die Orderbücher sind voll“, berichtet Christoph Zender, Leiter Corporate Debt Origination bei der LBBW. Welche Corporate-Papiere die Investoren im Moment besonders stark nachfragen, ob der Markt über das Jahr gesehen so aufnahmefähig bleiben wird und wie manche CFOs und Treasurer ihre Funding-Strategie zuletzt umgestellt haben – Zenders Antworten hier im Interview bei FINANCE-TV.
Es gibt Unternehmen, die haben eine vollintegrierte, einheitliche IT- und Steuerungsplattform als entscheidende Waffe im Kampf gegen ihre Wettbewerber für sich entdeckt. Sie investieren zig Millionen Euro, um ihre Prozesskette komplett zu digitalisieren und auf eine weltweit einheitliche Basis zu stellen: „Das senkt Prozesskosten, verbessert für das Top-Management die Steuerungsfähigkeit und eröffnet großes Wachstumspotential für die Topline“, beschreibt Reinhold Pfeiffer, der die Finance Transformation Group bei Capgemini Consulting leitet, die Vorzüge dieser Mammutprojekte im Interview bei FINANCE-TV. Wie lange sie dauern, was sie kosten und welche deutschen Unternehmen dabei besonders glänzen – die Antworten hier bei FINANCE-TV.
25 Übernahmen in nicht einmal 18 Monaten – das ist der Zwischenstand von Bilfingers M&A-Agenda, durch die sich der frühere Baukonzern zum Dienstleistungskonzern transformiert. Bilfinger-CFO Joachim Müller hat für die bisherigen Übernahmen, darunter Tebodin, Johnson Screens und Envicon – aber auch eine Reihe kleinerer Unternehmen bislang rund 700 Millionen Euro Enterprise Value bezahlt und rund 1 Milliarde Euro an Leistung eingekauft. 850 Millionen Euro hat Bilfinger-CFO Müller derzeit noch für Zukäufe in der Kasse. 1,7 Milliarden Euro muss der Konzern bis 2016 noch zukaufen, um die selbstgesteckten Ziele zu erreichen. „Wir gehen davon aus, dass wir genug Mittel haben“, sagt Müller im Interview mit FINANCE-TV und verweist auf die steigende Profitabilität auch durch die Zukäufe. Eine nochmalige Anleiheplatzierung – etwa einer Wandelanleihe – in 2013 oder 2014 hält er deshalb für unwahrscheinlich.
Hemdsärmelig, unternehmerisch, keine festen Strukturen: Junge Wachstumsunternehmen gelten gemeinhin nicht als das klassische Betätigungsfeld für CFOs. Doch das ist ein Fehler, meint der erfahrene Venture-Capital-Investor Bernhard Schirmers bei FINANCE-TV: „Jedes Start-up braucht einen CFO. Wenn wir einsteigen, installieren wir immer einen – am liebsten erfahrene Industrie-CFOs von außen.“ Auf was sich CFOs, die vom Konzernleben genug haben, bei Start-ups einstellen müssen, was genau ihre Aufgaben sind und an welchem Punkt die meisten Unternehmensgründer spätestens bereuen, keinen guten CFO berufen zu haben, verrät Schirmers im Interview bei FINANCE-TV.
