Corporate Bonds
23.07.12 11:55

23.07.2012 - Centrosolar-CEO Dr. Alexander Kirsch: „Unter einer neuen Regierung wird sich die Regulierung wieder verbessern“

Der deutschen Solarbranche steht das Wasser bis zum Hals: Insolvenz folgt auf Insolvenz. Nach Q-Cells und Solon, traf es zuletzt Centrotherm, weder verwandt noch sonstwie verbunden mit dem Münchner Solaranlagenbauer Centrosolar. Die schlägt sich zwar besser als der Markt, steht aber dennoch tief in den roten Zahlen.

 

CEO Dr. Alexander Kirsch sagt im Interview mit FINANCE-TV:„Noch sinken die Marktpreise schneller als die Kosten. Deshalb ist es nicht möglich, Gewinne zu machen.“ Gerüchten über Finanzierungsengpässen tritt Kirsch entschieden entgegen. Er verweist auf die Eigenkapitalquote von 33 Prozent im Q1/2012(2011: 33 Prozent) sowie auf Cash und freie Kreditlinien in Höhe von insgesamt 35 Millionen Euro (Q1/12). „Anders als Konkurrenten müssen wir keine Maßnahmen ergreifen, um unsere Liquidität zu verbessern“, sagt Kirsch. Gleichwohl kann das Unternehmen den 2016 fälligen Bond nur aus Schulden bedienen. Die 3,5-Millionen-Kuponzahlung im Februar gepaart mit Steuerzahlungen führte zu einem entsprechenden Schuldenanstieg. Zurückzahlen könnte Centrosolar, das auf ein Unternehmensrating verzichtet, den Bond derzeit also nicht. URA ratet die Emission mit 5,5. Kirsch macht den Anlegern aber Mut: „Es wäre höchst ungewöhnlich, dass eine Branche vier Jahre lang in der Krise bleibt.“

 

Ob Centrosolar an den beiden Sparten Komponenten- und Anlagenbau festhält, und wie die Münchner vom Ausleseprozess der Branche profitieren wollen, erfahren Sie im Interview bei FINANCE-TV.

 

Centrosolar: Komponenten- und Anlagenbauer

Centrosolar hat in die Erschließung des amerikanischen Marktes hat Centrosolar viel investiert. Dort soll das europäische konsumentenbezogene Geschäftsmodell ausgerollt werden. Das Geschäft sei inzwischen profitabel. Zugleich setzt Kirsch explizit auf eine Erholung des europäischen Solarmarktes. Dabei hat er die deutsche Regulierung im Auge und preist schon einen Regierungswechsel mit ein, der die Kürzung der Einspeiseregelungen wieder rückgängig machen könnte. „Die Regulierung ist deutlich über das Ziel hinaus geschossen“, findet Kirsch. „Die Diskussion wird unfair geführt.“ Es werde stets nur mit den steigenden Kosten für die Endverbraucher argumentiert. Dabei werde unterschlagen, dass die Großverbraucher seit Jahren günstigere Strompreise an den Energiebörsen erhielten. Durch Überproduktion und fehlende Speicherbarkeit in sonnenstarken Zeiten entstehen bekanntlich immer wieder Momente negativer Preise für CFOs.

 Gegenüber FINANCE-TV bekannte sich Kirsch nochmals explizit zur Komponentenproduktion. Einerseits liefere diese Synergien zum Anlagenbau etwa bei der Produktneuentwicklung. Zugleich senke der Komponentenbau in Eigenregie gegenüber deren Import das Working Capital: „Wir haben Durchlaufzeiten vom Einkauf bis zum Endkunden von vier bis sechs Wochen“, sagt Kirsch. China-Importe belasteten die Vorräte in etwa doppelt so lange – angesichts des Preisverfalls in der Branche ein klarer Vorteil durch die eigene Wertschöpfung.

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Alexander Börsch, Leiter Research Deutschland bei Deloitte, stellt zwei Studien zur Zukunft des Euro und des globalen Währungssystems vor. Drei mögliche Szenarien sollten Unternehmen sich vor allem vor Augen halten: eine Re-Regionalisierung mit Handels- und Währungsschranken, eine Marginalisierung des Euro und eine Verdrängung des Dollar durch Euro und Renminbi. „Dabei muss eine Umstellung auf eine neue globale Währungsordnung nicht unbedingt negativ sein. Schließlich stellen neue Währungssysteme meist nur eine überfällige finanzwirtschaftliche Anpassung an realwirtschaftliche Kräfteverhältnisse dar.“ So sieht Börsch ein künftiges multipolares Währungssystem als Chance, die Weltwirtschaft zu stabilisieren.

Nach einem historisch schlechten Jahr 2011 ist der Markt für Wandelanleihen im ersten Quartal 2012 wieder angesprungen. Mit 62 Milliarden Dollar wurde fast schon das gesamte Wandlervolumen wie 2011 (73 Milliarden Dollar) erreicht. 2012 könnte der weltweite Convertible-Markt 100 bis 120 Milliarden Dollar erreichen. Das wäre noch ein ganzes Stück weg von den Rekordzahlen der Jahre 2006 und 2007, als das Volumen rund 200 Milliarden Dollar erreichte. DWS-Fondsmanager Marc-Alexander Knieß rechnet mit einem anhaltenden Trend. „CFOs bieten sich spektakulär niedrige Zinscoupons“, so Knieß. Renteninvestoren dagegen suchten einen Renditekick für ihre Portfolios und seien deshalb positiv auf Convertibles zu sprechen.

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