FINANCE-TV - Suche & Filter
Finanzierung
04.12.13

Euler Hermes-Chef Ralf Garrn: „Unerklärlich viele Investmentgrade-Insolvenzen“

Der Markt für Mittelstandsanleihen ist in Aufruhr: Die Insolvenzen von Unternehmen auch außerhalb der Solarbranche wie FFK und Get goods haben das Vertrauen von Investoren in das junge Marktsegment zuletzt erschüttert. In beiden Fällen ging der Insolvenz beim Folgerating zwar jeweils kurzfristig ein Downgrade voraus, jedoch kündigte sich im Rating Summary nicht die unmittelbar bevorstehende Zahlungsunfähigkeit an. Ralf Garrn, Geschäftsführer von Euler Hermes Rating, „hat dafür keine Erklärung“. „Analysten müssten eigentlich sehen, wenn es finanziell sehr knapp war“, sagt er zu FINANCE-TV. Mit welchen Ausfallraten Garrn rechnet, sehen Sie im Interview bei FINANCE-TV.

Mittelstandsanleihen: Bislang sind 9 Anleihen mit Investmentgrade-Rating ausgefallen

Erstaunlich sei weniger die absolute Anzahl von Insolvenzen im Mittelstandsanleihenbereich, sagt Ralf Garrn. Unverständlich sei insbesondere die hohe Zahl der Insolvenzen von Anleihen aus dem Investmentgrade-Bereich. Neun Insolvenzen von Mittelstandsanleihen, die bei ihrer Emission noch mit Investmentgrade bewertet worden waren, stehen nur bescheidene drei Insolvenzen von Non-Investmentgrade-Unternehmen gegenüber, sagt Garrn, Chef der Ratingsparte der Agentur im Verbund des Allianz-Konzerns.

 Insgesamt rechnet Garrn mit einer steigenden Anzahl von Insolvenzen, wie er gegenüber FINANCE-TV bestätigt. Allerdings rechnet er nicht damit, dass diese über fünf Jahre 25 Prozent der Emissionen ausmachen werden, ein Wert, der den Ausfallraten von B-gerateten Anleihen bei S&P entspricht.
Den Ausweg zu mehr Vertrauen in dem jungen Marktsegment sieht Garrn in einer Stärkung der Gläubigerschutzrechte etwa in den Fragen der pari passu-Besicherung und des Cross-Default-Schutzes. Welche Recoveryrate die Investoren der meisten insolventen Mittelstandsanleihen im Durchschnitt erwartet, erfahren Sie im Interview bei FINANCE-TV.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

Ähnliche Sendungen

Ähnliche Sendungen

Viel zu hohe Ausfallraten, viel zu gute Ratings. Die Diskrepanz zwischen der Einschätzung der Ratingagenturen und der tatsächlichen Ausfallrate bei Mittelstandsanleihen ist groß. Im Interview mit FINANCE-TV nimmt Michael Munsch, der Chef der Ratingagentur Creditreform, nur eine Teilschuld auf sich. „Viele Minibond-Emittenten haben sich schlechter entwickelt als der breite Mittelstand. Das ist der Hauptgrund für die Diskrepanz zwischen Ratings und Ausfallraten.“ Doch auch ihr eigenes Handeln stellt die Creditreform kritisch auf den Prüfstand, wie Munsch weiter berichtet. Wie genau, dazu stellt er sich den Fragen von FINANCE-TV.

Gerade ist die Refinanzierung des Lkw-Zulieferers SAF Holland in trockenen Tüchern, da kündigt sich der Auftritt des Achsenherstellers am Bondmarkt an. „Wir planen einen Bond zu platzieren“, bestätigte CEO Borghardt gegenüber FINANCE-TV die Marktgerüchte. Die Größenordnung wird bei 75 Millionen Euro liegen. Für die Emission hat sich der Konzern ein Rating von Euler Hermes besorgt, das mit BBB- ausfiel. Die Laufzeit wird bei über 5 Jahren liegen.

 

Im Frühjahr musste SAF Holland seine High Yield-Pläne über 150 Millionen Euro zweimal begraben. „Timingprobleme“, bestätigt Borghardt. Beide Male hätten sich die Märkte unmittelbar nach dem Emissionsversuch geschlossen. „Aber wir hatten ja keine Eile.“ Der Headroom liege mit über 20 Millionen Euro nun höher als zuvor.

 

Die aktuelle Bankenfinanzierung gibt SAF Holland größere Spielräume: „Die hohe Schuldensicherung ist vom Tisch“, sagt Borghardt. „Die Covenants greifen erst, wenn die Eigenkapitalquote unter 30 Prozent sinkt.“ Derzeit liegt diese bei rund 36 Prozent.

 

Der Faktor liege bei >3. Das sei „sehr auskömmlich“. Der Bond könnte indes noch deutlich flexibler machen. „Wir wollen unsere Diversifikation erhöhen“, sagt Borghardt. Wie das SDax-Unternehmen seine schwächelnden Wachstumsmärkte China und Brasilien einschätzt, erfahren Sie im Gespräch bei FINANCE-TV.

 

Bis zu 20 Millionen Euro will der eben erst sanierte Bootshersteller Hanse Yachts über eine Mittelstandsanleihe an Bord holen: „Wir brauchen die Anleihegelder nicht, um uns zu restrukturieren, sondern um zu wachsen und uns den Motorbootmarkt zu erschließen“, erklärt Hanse-Yachts-CEO Jens Gerhardt im Gespräch mit FINANCE-TV. Die Kennzahlen des Unternehmens sind schwach, die Covenants und Sicherheiten dafür für Minibond-Verhältnisse üppig. Dennoch tritt Hanse Yachts ohne ein externes Rating an: „Wir sind börsennotiert und transparent. Es gibt für uns keinerlei Notwendigkeit, uns raten zu lassen“, verteidigt Gerhardt diesen Entschluss. Wie der Bond die Finanzierungsstruktur verändern soll, was die Schwächen des Papiers sind und welche Rolle der Turnaround-Investor Aurelius bei Hanse Yachts spielt – die Antworten hier im FINANCE-TV-Interview mit Jens Gerhardt.

Die Börse Stuttgart ist mit ihrem Segment BondM vorgeprescht, die Deutsche Börse hat den Boom bei Mittelstandsanleihen anfangs verschlafen. Jetzt bläst der Platzhirsch im Börsengeschäft zur Aufholjagd: „In einem Jahr werden wir Stuttgart überholt haben und Marktführer bei Mittelstandsanleihen sein“, kündigt Joachim von Preysing, Leiter des Primärmarktgeschäfts der Deutschen Börse, bei FINANCE-TV an. Helfen soll dabei ein neues Segment für Anleihen großer Mittelständler, das in wenigen Wochen an den Start gehen soll. Was sich dahinter verbirgt und was Preysing Emittenten bieten will – die Antworten hier bei FINANCE-TV.

Kampfansage an die drei großen Ratingagenturen: „Wir wollen die europäische Alternative zu Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch werden, der europäische Player in diesem Oligopol“, kündigte Scope-Chef Torsten Hinrichs im Interview mit FINANCE-TV an. Mittelfristig strebt Scope im deutschen Corporate-Rating-Markt einen zweistelligen Marktanteil an. Wie genau Scope-Chef Hinrichs den großen Drei das Fürchten lehren will und was für CFOs dabei herausspringt – die Antworten nur hier im heutigen Talk von FINANCE-TV.

Die Ratingagentur Scope nimmt unaufgefordert alle Emittenten von Mittelstandsanleihen unter die Lupe. Nach den ersten 17 Bewertungen ist die Richtung schon klar: Die Scope-Ratings liegen zum Teil viele Notches schlechter als die bestehenden Ratings: „Qualitative Aspekte wie ein gutes Controlling oder funktionierende Prozesse können über wenig Eigenkapital und schwankende Liquidität nicht hinwegtäuschen“, verteidigt Scope-Chef Thomas Morgenstern bei FINANCE-TV seinen quantitativen Ratingansatz und seine schlechteren Bewertungen. „Insofern muss man auch nicht überrascht sein, dass wir bei Mittelstandsanleihen auch schon erste Ausfälle gesehen haben.“ Was er mit seinem Massen-Rating bezweckt und was er zu dem Vorwurf sagt, er wolle die Emittenten nur erpressen – hier bei FINANCE-TV.