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Structured Finance
17.07.17

Finanzierungsberater Gladiator: „Das Leverage Cap wird für die Banken ein echtes Problem"

Die EZB will die Finanzierung von Private-Equity-Deals mit einem Verschuldungsgrad von über 6x Ebitda künftig stärker regulieren. Der Finanzierungsprofi Thorsten Gladiator von dem Beratungshaus Capitalmind warnt, dass das Ausmaß dieses Schrittes unterschätzt wird: „Die Definition der EZB, was alles unter Fremdkapital fällt, ist sehr weit. Die EZB zählt auch offene Kreditlinien und Gesellschafterdarlehen dazu. Das ist für die Banken sehr problematisch“, sagt der langjährige Leveraged-Finance-Chef der Commerzbank. Warum das die Banken trifft und wie diese seiner Erwartung nach darauf reagieren werden, verrät er bei FINANCE-TV.

Leverage Cap der EZB: Vollbremsung für den Private-Equity-Markt?

Die EZB will Private-Equity-Finanzierungen in der Eurozone stärker regulieren. Sie hat eine Höchstgrenze bei den Verschuldungsquoten in Kraft gesetzt, das so genannte Leverage Cap. Fortan müssen Banken, die für eine Private-Equity-Finanzierung einen Kredit in Höhe von mehr als 6x Ebitda (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) zur Verfügung stellen, die Eckdaten der Finanzierung gegenüber der EZB darlegen. Außerdem muss das Kreditkomitee der Bank im Vorstand den Deal explizit genehmigen. Im Extremfall droht besonders risikobereiten Banken sogar eine EZB-Auflage, die Finanzierung mit einer zusätzlichen Portion Eigenkapital zu unterlegen, um das Risiko zu dämpfen. „Die Banken müssen eine große Extra-Bürokratie aufbauen. Das macht sie langsamer am Markt“, erwartet der Finanzierungsberater Thorsten Gladiator.

 

Derart hohe Leverages sind tendenziell eher bei Großübernahme verbreitet („Large Cap“). Dort erreichen sie einen Anteil von etwa 20 Prozent an allen Buy-out-Finanzierungen. Bei mittelgroßen Leveraged Loans dürfte der Anteil eher 10 bis 15 Prozent betragen. Das ist nicht viel. Doch die weite Definition der EZB für Fremdkapital wird laut Gladiator dazu führen, dass viel mehr Leveraged Loans als gedacht vom EZB Leverage Cap betroffen sein werden.

 

Für die Private-Debt-Anbieter ist die neue Regulierungsrunde eine Steilvorlage, denn sie können weiterhin so agieren wie in der Vergangenheit: schnell, agil und risikobereit. „Kurzfristig werden die Banken noch versuchen, ihren Marktanteil zu verteidigen“, glaubt Gladiator, der nach vielen Jahren als Leveraged-Finance-Chef der Commerzbank vor kurzem zum Beratungshaus Capitalmind gewechselt ist. „Aber mittelfristig werden sie Marktanteile verlieren und sich zum Teil aus dem Leveraged-Finance-Geschäft zurückziehen.“ Das komplette Interview mit Thorsten Gladiator sehen Sie hier bei FINANCE-TV.

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