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28.06.17

IFRS 15: Unternehmen riskieren Ärger mit Investoren und Bilanzpolizei

IFRS 15, der neue Standard zur Umsatzbilanzierung, wird die Kennzahlen vieler Unternehmen gehörig durcheinanderbringen – und das schon ab 2018. Trotzdem scheinen die Unternehmen die aufwendige Umstellung ruhig anzugehen: „Eine Vielzahl von Unternehmen ist noch mitten im Umsetzungsprojekt und nicht ready to start“, beobachtet Jens Freiberg, Leiter der Accounting Advisory Group von BDO. Warum das gefährlich ist, erfahren Sie bei FINANCE-TV.

Umstellung auf neue Umsatzbilanzierung: Unternehmen sind viel zu spät dran

Viele Jahre wurde darüber diskutiert, 2014 schließlich wurden die Details des Bilanzierungsstandards IFRS 15 veröffentlicht. Schon damals war die Aufregung groß, denn es war klar, dass der Umstellungsaufwand sehr hoch sein wird. Immerhin regelt der Standard, in welcher Höhe und zu welchem Zeitpunkt Unternehmen künftig ihre Umsätze ausweisen müssen. Somit verändert IFRS 15 eine der zentralsten Kennzahlen der Unternehmen. 2018 muss die neue Regel zum ersten Mal angewendet werden.

Damit Investoren und Analysten sich rechtzeitig auf die veränderten Kennzahlen einstellen können, sind die Unternehmen dazu angehalten, im Anhang ihrer Geschäftsberichte über die Auswirkungen zu informieren. Doch davon sieht man bisher wenig, kritisert Jens Freiberg, Wirtschaftsprüfer und Leiter der Accounting Advisory Group von BDO, im Interview mit FINANCE-TV. Er und sein Team haben die Geschäftsberichte von 88 Unternehmen aus der Dax-Familie analysiert und festgestellt: „10 Prozent der Unternehmen haben noch gar keine Angaben über die Auswirkungen gemacht.“

Und selbst bei denen, die das gemacht haben, kann man nicht von einer großen Transparenz sprechen: Die Allermeisten haben nur allgemeine qualitative Angaben gemacht, über konkrete quantitative Auswirkungen hat bisher kaum jemand berichtet. „Das lässt Rückschlüsse darauf zu, dass man entweder die Information nicht geben möchte oder – weil man noch mitten im Umsetzungsprojekt steckt – sie noch gar nicht hat“, vermutet Freiberg. Die Folgen davon sind nicht zu unterschätzen, denn Aufsichtsbehörden wie die Esma und die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) haben dieses Thema ganz oben auf ihrer Agenda.

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