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Capital Markets
28.01.16

Öl-Analyst Sebastian Sachs: „30 Dollar sind nicht gerechtfertigt“

Die Talfahrt des Ölpreises lässt sich fundamental nicht rechtfertigen, behauptet der Öl-Analyst Sebastian Sachs von Metzler Capital Markets gegenüber FINANCE-TV: „Saudi-Arabien will unbedingt die Vormachtstellung am Ölmarkt behaupten. Dieses Spiel treibt die Ölpreise in den Keller.“ Weshalb er davon überzeugt ist, dass die Saudis nicht mehr lange durchhalten können, wie zäh die US-Fracking-Industrie wirklich ist und wo der Ölpreis am Jahresende stehen wird – Sebastian Sachs im Marktgespräch von FINANCE-TV.

Tumult am Ölmarkt: Die Welt ertrinkt im Öl

Der Ölpreis fährt Achterbahn – wenngleich mit klar fallender Tendenz. Notierte der Ölpreis der Sorte Brent im Juni 2014 noch bei rund 115 Dollar pro Barrel, ging es seitdem – von einer kurzen Erholungsphase im vergangenen Frühjahr abgesehen – rasant und stetig bergab. Anfang Dezember durchbrach der Preis die Marke von 40 Dollar, Mitte Januar fiel er sogar kurzzeitig unter 30 Dollar. Gegenüber dem viele Jahre stabilen Preisniveau entspricht dies einem Rückgang von rund 70 Prozent in nur eineinhalb Jahren. „30 Dollar ist jetzt eine kritische Marke“, sagt der Öl-Analyst Sebastian Sachs von Metzler Capital Markets im Interview bei FINANCE-TV. „Der Markt ist sehr nervös.“ 

Die Gründe der Panik sind vielfältig, aber sie alle haben den gleichen Kern – die Angebotsschwemme. „Die Welt ertrinkt im Öl“, warnte vor kurzem die Internationale Energieagentur (IEA). Saudi-Arabien produziert auf Hochtouren, um schwächere Konkurrenten aus dem Markt zu drücken. Zunächst richtete sich die Strategie der Saudis vor allem gegen die US-Fracking-Industrie, inzwischen rückt aber wohl eher der Erzfeind Iran ins Visier, der nach der weitgehenden Aufhebung der Sanktionen zurück an den Weltmarkt drängt. Allein dadurch könnte sich das tägliche Ölangebot von derzeit gut 30 Millionen Barrel um 1 Million erhöhen. Folge: „Die Öllager sind randvoll“, berichtet Sachs.

Russland, gemeinsam mit Saudi-Arabien der größte Ölproduzent der Welt, fördert derweil Öl auf einem Niveau wie seit dem Untergang der Sowjetunion nicht mehr. Der schwache Rubel ermöglicht den russischen Ölexporteuren auch in dem aktuellen Niedrigpreisumfeld noch hohe Gewinne. Sachs glaubt, dass sich die Opec – angeführt von Saudi-Arabien – und Russland noch in diesem Jahr zusammensetzen werden, um die Ölschwemme zu beenden. Auch aktuell kursieren wieder Gerüchte, dass es in Kürze dazu kommen könnte. Dann stünde eine merkliche Kurserholung ins Haus, meint Sachs. Auf welche Preisniveaus diese hinführen könnte, und was langfristig vom Ölmarkt zu erwarten ist – Sebastian Sachs‘ Antworten hier bei FINANCE-TV.  

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Von mehr als 100 Dollar auf weniger als 70 Dollar pro Barrel – binnen weniger Monate hat der Ölmarkt einen enormen Preisrutsch erlebt. „Die Saudis zeigen den anderen Opec-Mitgliedern die Folterwerkzeuge“, sagt Ölanalyst Axel Herlinghaus von der DZ Bank. Seine Vermutung: Bis zum nächsten Opec-Treffen im Juni 2015 werde der Ölpreis ähnlich niedrig bleiben wie zurzeit. Was die Saudis genau im Schilde führen, warum die US-Schieferölbranche böse unterschätzt wurde und warum das alles langfristig keine gute Entwicklung für Ölverbraucher ist – bei FINANCE-TV blickt Herlinghaus hinter die Kulissen der Ränkespiele am Ölmarkt.

Obwohl in vielen Förderregionen Unruhe herrscht, fällt der Ölpreis. Für den Ölbohrausrüster Schoeller-Bleckmann (SBO) ist das kein gutes Umfeld, und dennoch rechnet SBO-Chef Gerald Grohmann nicht damit, dass das weltweite Ölangebot und damit auch das Auftragspolster seines Unternehmens abschmilzt: „Auch beim aktuellen Ölpreis rechnen sich alle aktuellen Bohrprojekte noch“, erklärt Grohmann bei FINANCE-TV. Die Sanktionen gegen die russische Ölindustrie könnten dem österreichischen Vorzeigeunternehmen schon mehr zu schaffen machen. Ob Schoeller-Bleckmann die Auswirkungen schon spürt und wie große Zukäufe dem Konzern bald dabei helfen könnten, dem Gegenwind auszuweichen – mehr zur aktuellen Lage und Strategie von Schoeller-Bleckmann hier bei FINANCE-TV.

Nur zwei Jahre nach der BP-Ölkatastrophe im Golf von Mexiko kämpft der Ölkonzern Total in der Nordsee seit Monaten mit einem großen Gasleck. „BP war es schon nicht, und jetzt ist Total nicht in der Lage, das Leck schnell zu schließen“, kritisiert Christoph von Lieven von Greenpeace die Ölkonzerne bei FINANCE-TV. Deshalb hält er es für unverantwortlich, dass Shell und Gazprom jetzt damit beginnen, in der Arktis nach Öl zu bohren. Welche Gefahren er sieht und wieso die Öl- und Gasförderung in Grenzbereichen für ihn keine Zukunft hat – hier im Gespräch bei FINANCE-TV.

Die Deutsche Rohstoff AG begibt eine Anleihe über bis zu 100 Millionen Euro, um ein Ölfeld in Colorado auszubeuten, wo gerade erst umfangreiche Öl- und Gasreserven entdeckt worden sind. „Unsere Bohrungen sind extrem renditestark“, verspricht CFO Thomas Gutschlag bei FINANCE-TV den Investoren. „Das Gewicht unserer Gruppe verlagert sich damit nach Amerika.“ Wie viel Cashflow die Bohrlöcher in Colorado schon jetzt abwerfen und was mit den Bergbauprojekten des Unternehmens im Erzgebirge passiert, erklärt CFO Thomas Gutschlag hier im Talk bei FINANCE-TV.

Der sinkende Ölpreis und der Euro-Verfall prägen aktuell die Geschäfte des Familienunternehmens Fuchs Petrolub – nicht zum Nachteil des MDax-Konzerns, wie CEO Stefan Fuchs im Interview mit FINANCE-TV erklärt: „Im Zeitverlauf werden wir dank des Ölpreisrückgangs Kosteneinsparungen haben.“ Das könnte das Gewinnwachstum neu entfachen – und Raum für zusätzliche Investitionen schaffen. „Vor allem in Asien hat Fuchs Petrolub noch viel Potential“, erwartet Fuchs. Wo er genau investieren möchte und welche Rolle dabei der gesunkene Euro-Kurs und Zukäufe spielen, davon berichtet Stefan Fuchs hier bei FINANCE-TV.

Iran, Irak, Syrien: Die politischen Unruhen im Nahen Osten treiben den Ölpreis in Richtung des Rekordhochs vom Frühjahr 2008. „Am Ölmarkt dominiert die Angst vor Angebotsengpässen“, berichtet Energieexpertin Claudia Kemfert, Professorin vom DIW in Berlin. Die politischen Risikoprämien seien jedoch nur ein Grund für die Teuerung, die Zeiten billigen Öls sind aus Kemferts Sicht vorbei: „An Ölpreise über 100 Dollar je Barrel werden wir uns gewöhnen müssen“, erklärt Kemfert im FINANCE-Talk. Was das für die deutsche Wirtschaft bedeutet und auf welche Höhen der Ölpreis im Falle eines Iran-Krieges springen würde – die Antworten hier bei FINANCE-TV.