Berater: „Say on Pay“ kommt auch in Deutschland

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19.09.12
Finanzabteilung

Berater: „Say on Pay“ kommt auch in Deutschland

Aktionäre werden auch in Deutschland künftig stärker und bindend bei Fragen der Vorstandsvergütung eingebunden. Davon ist zumindest Michael H. Kramarsch von der Unternehmensberatung hkp überzeugt. Gehaltssprünge dürften für CFOs künftig kleiner ausfallen.

Eine bindende Abstimmung der Vergütungspakete auf den Hauptversammlungen wird auch in Deutschland bald kommen. „Diese Welle wird von UK auf Deutschland überschwappen“, ist Michael H. Kramarsch, Managing Partner der Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch & Partner (hkp) überzeugt. Die Regierung in London treibt derzeit Pläne voran, wonach das jährlich abgehaltene Votum der Anteilseigner zu den Gehaltspaketen, „Say on Pay“ genannt, künftig verbindlich sein soll.

Auch in Deutschland sei es wichtig, die Aktionäre verstärkt und verbindlich bei dem Thema Vorstandsvergütung einzubinden, so Kramarsch im Rahmen eines Presegesprächs am Mittwoch in Franfurt am Main. Der Grund: Die Transparenz und Kommunikation der DAX-30-Unternehmen zum Thema Managementvergütung wird in der öffentlichen Meinung als ungenügend bewertet. Das ist das Ergebnis einer Bevölkerungsumfrage im Auftrag der Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch & Partner (hkp) und einer von der Beratung selbst durchgeführten Analyse zur Marktpraxis in den Dax-Unternehmen. „Bei der Transparenz und der Kommunikation bekommen die Unternehmen eine glatte sechs“, sagt Kramarsch. „In der öffentlichen Meinung sind zwar die grundlegenden Vorteile einer variablen Vergütung verankert, aber das Thema Managementvergütung ist dort eindeutig negativ besetzt.“

81 Prozent der rund 1.000 Befragten aus Deutschland stellen den Unternehmen kein gutes Zeugnis in Sachen Kommunikationsstrategie aus, wenn es um die Vergütung ihrer Vorstände geht. 69 Prozent der Studienteilnehmer sehen die überzogenen Bonuszahlungen der Vorstände als „Systemproblem“ an. Fast zwei Drittel halten die bestehenden politischen Regelungen und Gesetzesvorgaben als unzureichend und ungeeignet. Hinzu kommt, dass sich drei Viertel der Befragten für definierte Obergrenzen bei Managementvergütungen aussprechen, auch wenn weitgehend Unklarheit über deren Ausgestaltung besteht. Allerdings geben schon heute 24 Dax-Unternehmen freiwillig eine betragsmäßige Begrenzung in ihren Geschäftsberichten an.

Sollte diese „Say on pay“-Klausel tatsächlich kommen, dürften sich die Finanzchefs in Großbritannien und Deutschland seltener über Gehaltsteigerungen freuen. Denn damit würde die Vergütung der CFOs nicht nur von den vereinbarten Zielen, sondern auch vom Gerechtigkeitsempfinden der Aktionäre abhängen. 

sabine.paulus[at]finance-magazin.de