Mehr Arbeit, gleicher Lohn: In Österreich stagnieren die Gehälter in der Finanzabteilung.

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28.10.13
Finanzabteilung

Gehälter in Österreich: CFOs verlieren, Controller gewinnen

Im österreichischen Finanz- und Rechnungswesen hat die Arbeitsbelastung in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Zugleich stagnieren die Gehälter – nur Controller zählen zu den Gewinnern.

Die Arbeitsbelastung in Österreichs Finanzabteilungen hat stark zugelegt: In den Top 800 Unternehmen des Landes arbeiten rund 4 von 10 Befragten mehr als 50 Stunden pro Woche. Das ergab eine Studie des österreichischen Controller Instituts gemeinsam mit der Schulmeister Management Consulting: „Die Kapazitätsgrenze ist erreicht“, schreiben die Autoren.

Gegenüber der Befragung von 2010 gab ein Drittel an, dass die Anzahl der Überstunden gestiegen ist. In nur 10 Prozent der Unternehmen werden demnach heute weniger Überstunden gemacht. Führungskräfte und Mitarbeiter im Finanzbereich leisten damit überdurchschnittlich viel Mehrarbeit, so die Autoren: „Man hat es bei dieser Berufsgruppe in der Tat mit Workaholics zu tun. 60 Stunden und mehr in Spitzenzeiten sind kein Einzelfall“, meint Rita Niedermayr, Geschäftsführerin des Controller Instituts. Trotzdem geht die große Mehrheit der Befragten (77 Prozent) nicht von Neueinstellungen in ihrem Bereich aus. Nur 16 Prozent der Unternehmen plant eine Erweiterung des Teams im laufenden Geschäftsjahr.

CFO-Gehälter stagnieren – wegen wirtschaftlicher Lage

Beim Gehalt spiegelt sich dieser Zuwachs in der Arbeitsbelastung nicht wider: Während sich in Deutschlands Finanzabteilungen ein leichter Trend nach oben abzeichnet, stagnieren die Gehälter in Österreich. Die Studienautoren erklären dies mit der wirtschaftlichen Lage: Unter Einrechnung der Inflation stagnierte der Umsatz der befragten Top 800 Unternehmen. Für ein Gehaltsplus sei eine Verbesserung des wirtschaftlichen Umfeldes notwendig.

Es gibt jedoch zum Teil große Unterschiede je nach Funktion und Position. Die größten Verlierer gegenüber 2010 finden sich auf der höchsten Führungsebene: CFOs müssen laut der Studie im Durchschnitt ein Gehaltsminus von 7 Prozent hinnehmen und verdienen 2013 185.000 Euro. Über ein deutliches Plus können sich dagegen die Controller ohne Führungsfunktion freuen: Ihr Jahreseinkommen legte durchschnittlich um 10 Prozent zu und liegt heute bei 55.000 Euro. Der Leiter Controlling verdient dagegen mit 90.000 Euro im Mittel genauso viel wie vor drei Jahren. Weitere Gewinner sind die Buchhalter (+8% auf 40.000 Euro) sowie Leiter Rechnungswesen (+6% auf 85.000 Euro). Die Gehaltsangaben beziehen sich auf den Median (statistischer Mittelwert) und beruhen auf Befragungen leitender Angestellter im Finanz- und Rechnungswesen.

Auffällig ist die Gehaltsdifferenz bei den Geschlechtern. Sie unterscheidet sich je nach Position gravierend: Auf Geschäftsführerebene verdienen Frauen im Mittel 77.000 Euro weniger, das entspricht 93 Prozent. Auf der Ebene Leiter Controlling erhalten Frauen dasselbe Gehalt wie ihre männlichen Kollegen.

Aufgrund der unterschiedlichen Methodik sind die Zahlen des österreichischen Controller Instituts mit den Zahlen von Robert Half für die deutschen Finanzabteilungen kaum zu vergleichen. Insgesamt scheint das Vergütungsniveau jedoch ähnlich zu sein. Wie in Deutschland, lassen sich jedoch auch im Nachbarland starke regionale Unterschiede in der Bezahlung erkennen: Am meisten verdienen Finanzer in Wien, insgesamt ist die Vergütung in Ostösterreich allerdings geringer als im Westen des Landes.

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