Allianz Global Investors

19.04.16
Finanzabteilung

Unternehmen setzen verstärkt auf deutsche Investoren

Investor-Relations-Profis buhlen immer stärker um Geldgeber aus Deutschland. Eine Gruppe von institutionellen Investoren gewinnt besonders stark an Stellenwert.

Deutsche Investoren sind derzeit weltweit gefragt: Bei internationalen Unternehmen gilt Deutschland derzeit als der viertwichtigste Standort zum Anwerben von Kapital, hinter den USA, Großbritannien und China. Allerdings ist die Spannweite groß: Während 91 Prozent der befragten Investor-Relations-Profis die USA als strategisch wichtigen Standort für mögliche neue Investments nannten, wurde Deutschland nur von 45 Prozent genannt.

Dennoch ist dies ein großer Schritt nach vorn: 2013 hatte Deutschland noch auf Rang sieben gelegen, inzwischen ist es an Singapur und Japan vorbeigezogen. Besonders gesucht sind deutsche Investoren bei US-Unternehmen. Sie setzen sie auf Fünfjahressicht sogar auf den dritten Platz der Rangliste. Für die Investor-Relations-Umfrage im Auftrag von BNY Mellon haben 550 Teilnehmer, mehrheitlich Investor-Relations-Entscheider, aus 54 Ländern ihre Stimme abgegeben.

CFOs konzentrieren sich auf institutionelle Investoren

CEOs und CFOs bringen sich in den meisten Unternehmen aktiv in die Kontaktpflege zu Investoren ein, setzen allerdings Prioritäten. CFOs verbrachten 2015 rund 23,3 Prozent ihrer IR-bezogenen Zeit damit, die Kontakte zu potentiellen institutionellen Investoren zu pflegen. 2010 waren dafür noch 24,6 Prozent der Zeit vorgesehen. Deutlich weniger im Fokus des obersten Managements stehen Retail-Investoren. Verbrachten CFOs 2010 noch 6,8 Prozent ihrer Investor-Relations-Zeit mit dieser Zielgruppe, waren es zuletzt nur noch 2,5 Prozent. Die Studienautoren machen dafür die begrenzten Ressourcen verantwortlich: Das Management beschränkt sich auf die größten und einflussreichsten Investorengruppen.

Auch Investorenkonferenzen erfreuen sich wieder größerer Beliebtheit. 2010 erhielt ein Unternehmen den Daten zufolge durchschnittlich 11,5 Konferenzeinladungen und akzeptierte 5,9. In den folgenden Jahren sanken diese Zahlen rapide, 2012 stellten sich Unternehmen im Durchschnitt nur auf 3,6 Konferenzen vor. Doch in den vergangenen Jahren hat sich der Trend umgekehrt: 2015 bekamen die Investor-Relations-Verantwortlichen im Mittel wieder 10,1 Einladungen auf den Tisch und nahmen an durchschnittlich 4,5 Konferenzen teil.

CFOs sind wichtigste Ansprechpartner für Investor Relations

Innerhalb des Unternehmens sind die CFOs die wichtigsten Ansprechpartner für die Investor-Relations-Verantwortlichen. 64 Prozent der Investor-Relations-Bereiche berichten an den CFO, 2010 waren es erst 57 Prozent.

Ein Drittel der IR-Verantwortlichen ist der Studie zufolge täglich mit dem CFO in Kontakt und stellt aktuelle Informationen zur Verfügung. 28 Prozent der IR-Chefs sprechen den Finanzvorstand wöchentlich, weitere 18 Prozent informieren je nach Notwendigkeit. Mit dem CEO stehen nur 22 Prozent der IR-Verantwortlichen täglich in Kontakt. Am häufigsten informieren die Investor-Relations-Chefs das Management über Feedback aus der Investorenschaft, über Analysteneinschätzungen und die Aktienkursentwicklung.

Staatsfonds werden für Investor-Relations-Chefs wichtiger

Als potentielle Investoren werden Staatsfonds für die Investor-Relations-Profis immer wichtiger. 65 Prozent bestätigten, in den vergangenen zwölf Monaten Beziehungen zu Staatsfonds gehabt zu haben (2013: 57 Prozent).

Am häufigsten genannt wurden von 42 Prozent der IR-Manager Kontakte zur Norges Bank, die in Deutschland auch zu den größten MDax-Investoren zählt. Ebenfalls stark frequentiert sind die Government of Singapore Investment Corporation (38 Prozent) und die Abu Dhabi Investment Authority (30 Prozent).

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de