Die Deutsche Börse will das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Insiderhandel schnell ad acta legen und ist bereit, 10,5 Millionen Euro an Strafe zu zahlen.

Deutsche Börse

14.09.17
Finanzabteilung

Deutsche Börse will Millionen-Bußgeld zahlen

Die Deutsche Börse ist bereit, eine Millionenstrafe zu zahlen, damit die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Insiderhandel eingestellt werden. Auch CEO Carsten Kengeter muss offenbar eine hohe Summe zahlen – und weiterhin um seinen Job bangen.

Die Deutsche Börse hat in der Affäre um mutmaßliche Insidergeschäfte ihres Vorstandschefs Carsten Kengeter einer Einigung mit der Staatsanwaltschaft zugestimmt. Sie sei bereit, ein Bußgeld von 10,5 Millionen Euro zu zahlen, damit die Staatsanwaltschaft Frankfurt weitere Ermittlungen gegen den CEO und damit auch gegen die Deutsche Börse einstellt, teilte der Börsenbetreiber jetzt mit.

Das Amtsgericht Frankfurt muss dem Deal noch abschließend zustimmen. Die Börse gehe davon aus, dass das Verfahren gegen Carsten Kengeter gegen Auflagen eingestellt werde. Wie hoch die Summe, die Kengeter zahlen müsste, ist, ist nicht offiziell bekannt. Dem Vernehmen nach handelt es sich aber um einen mittleren sechsstelligen Betrag.

Kengeter hätte damit einen Etappensieg errungen. Bereits vor zwei Monaten zeichnete sich ab, dass das Verfahren durch die Zahlung eines Bußgeldes eingestellt werden könnte. Allerdings war noch unklar, ob damit neben den Ermittlungen gegen die Deutsche Börse auch die gegen Kengeter selbst eingestellt werden würden.

Deutsche-Börse-CEO Kengeter wird Insiderhandel vorgeworfen

Bei dem Verfahren geht es um die im Frühjahr gescheiterte Fusion zwischen der Deutschen Börse und der Londoner Stock Exchange (LSE). Kengeter wurde Insiderhandel vorgeworfen. Der CEO hatte im Dezember 2015 Anteile an seinem Unternehmen im Wert von 4,5 Millionen Euro gekauft, zwei Monate später wurden die Fusionspläne publik gemacht, was den Aktienkurs in die Höhe trieb.

Die Ankläger argumentierten damit, dass es bereits zum Zeitpunkt des Aktienkaufs Gespräche über eine Fusion gegeben haben solle. Dadurch sei Kengeters Transaktion gesetzeswidrig gewesen, außerdem wäre der M&A-Deal bereits zu diesem Zeitpunkt mitteilungspflichtig gewesen. Kengeter hatte die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen.

Deutsche Börse hält Vorwürfe für unbegründet

Die Staatsanwaltschaft hatte von der Börse 5,5 Millionen Euro wegen des Verdachts auf Insiderhandel und 5 Millionen Euro wegen der angeblich verspäteten Börsenpflichtmitteilung gefordert. Der Konzern sei weiterhin der Auffassung, dass „die erhobenen Vorwürfe in jeder Hinsicht unbegründet sind“.

Doch Vorstand und Aufsichtsrat hätten entschieden, „dass eine schnelle, einvernehmliche Beendigung des Ermittlungsverfahrens gegen den Vorstandsvorsitzenden, an dem die Gesellschaft formell beteiligt werden würde, dem Wohle der Gesellschaft entspricht und angemessen ist und so weitere schwerwiegende Belastungen durch das Ermittlungsverfahren vermieden werden können“, heißt es in der Pressemitteilung. Der Dax-Konzern dürfte Interesse daran haben, den Fall schnell zu den Akten zu legen, denn eine juristische Auseinandersetzung kann einige Jahre in Anspruch nehmen.

Carsten Kengeters Stuhl wackelt

Für Kengeter ist das allerdings nur eine kurze Atempause. Ob er weiterhin Konzernchef bleibt, ist unklar. Schon aufgrund der geplatzten Fusion wackelte sein Stuhl, der gescheiterte Deal hat die Eschborner immerhin fast 77 Millionen Euro gekostet.

Kengeters Vertrag geht bis März 2018. Sowohl die hessische Börsenaufsicht als auch die Finanzaufsicht Bafin prüfen, ob Kengeter noch als zuverlässig gilt. Der Aufsichtsrat werde die Entscheidung über die Verlängerung erst nach Abschluss des Ermittlungsverfahrens und der Prüfung der beiden Behörden treffen, teilte die Deutsche Börse mit.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de