Der US-Rüstungskonzern Orbital ATK verklagt den deutschen Waffenhersteller Heckler & Koch.

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03.02.17
Finanzabteilung

Millionenklage gegen Heckler & Koch

Bei einem gemeinsamen Projekt haben sich Heckler & Koch und der US-Rüstungskonzern Orbital ATK schwer zerstritten. Das könnte Heckler & Koch viel Geld kosten – und Ansehen im Pentagon.

Die Rüstungsfirma Orbital ATK hat den Waffenhersteller Heckler & Koch verklagt. Das US-Unternehmen fordert Schadenersatz in Höhe von 27 Millionen Dollar (25 Millionen Euro), teilte Heckler & Koch am gestrigen Donnerstag Abend in einer knappen Ad-hoc-Mitteilung mit. Heckler & Koch erklärt, dass die Klage noch nicht formal zugestellt worden sei, weist aber „auf Basis der vorliegenden Informationen“ alle Vorwürfe zurück.

Der Nachrichtenagentur dpa zufolge hat ATK bereits am 26. Januar eine Klageschrift wegen Vertragsbruchs bei einem US-Gericht in Minnesota eingereicht. Hintergrund der Anklage ist offenbar eine Kooperation, die Heckler & Koch und ATK geschlossen haben. Die beiden Rüstungskonzerne arbeiten seit einigen Jahren für das US-Verteidigungsministerium an einem neuen Hightech-Gewehr mit dem Namen XM25. Heckler & Koch agiert dabei als Subunternehmer von ATK.

Heckler & Koch und ATK laufen die Projektkosten aus dem Ruder

Zuletzt soll es bei dem Megaprojekt vermehrt zu Problemen und Verzögerungen gekommen sein. Bereits im September vergangenen Jahres berichteten Medien, dass das Projekt vor dem Aus stehen soll. Jetzt will die US-Firma von Heckler & Koch die Rechte an der Waffe, um den Auftrag mit einem anderen Partner doch noch fertigzustellen, so dpa. Laut „N24“ lagen die Entwicklungskosten Projekts bei 185 Millionen Dollar und die Gesamtkosten bei 835 Millionen Dollar.

Wenn Heckler & Koch das Projekt wirklich abgeben muss, drohen dem Unternehmen nicht nur finanzielle Einbußen. Dies würde auch einen hohen Prestigeverlust bedeuten, denn das als „Wunderwaffe“ bezeichnete Gewehr hat beim US-Verteidigungsministerium – dem größten Einkäufer von Rüstungsgütern weltweit – einen hohen Stellenwert.

Heckler & Koch: High-Yield-Bond bleibt stabil

Die  Anleger der 2011 platzierten High-Yield-Anleihe in Höhe von 295 Millionen Euro und einem Kupon von 9,5 Prozent zeigen sich bisher aber unbeeindruckt von der drohenden Millionenklage: Das Papier notiert stabil bei 101 Prozent. Der Bond war vor eineinhalb Jahren stark unter Druck geraten, als das deutsche Verteidigungsministerium das von Heckler & Koch entwickelte Sturmgewehr G36 hart kritisiert hatte:  Bei hoher Außentemperatur und im heißgeschossenen Zustand soll das G36 Defizite bei der Treffgenauigkeit haben.

Parallel kam bei dem hoch verschuldeten Waffenhersteller noch ein starker Umsatzrückgang hinzu, die Cash-Reserven sanken auf einen historischen Tiefstand. Daraufhin fiel die Anleihe zeitweise auf unter 70 Prozent. Nachdem der Eigentümer Andreas Heeschen frisches Geld nachschoss und selbst die Führung übernahm, konnte sich der Bond im vergangenen Jahr aber wieder komplett erholen. Heckler & Koch muss die Anleihe im Mai 2018 zurückzahlen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de