SAP will für 500 Millionen Euro Aktien zurückkaufen. Grund hierfür ist der starke Cashflow des Softwaregiganten. Der Gewinn ist im zweiten Quartal jedoch eingebrochen.

SAP

20.07.17
Finanzabteilung

SAP kauft Aktien für eine halbe Milliarde zurück

Der Softwarekonzern SAP will für 500 Millionen Euro eigene Aktien aufkaufen. Finanzchef Luka Mucic fehlt es offenbar an anderen Verwendungsmöglichkeiten für das Geld.

Die weiterhin starke Performance der Flaggschiff-Software S/4 Hana spült dem Softwarekonzern viel Geld in die Kasse – zu viel. Wie die Walldörfer im Zuge der Quartalszahlen bekanntgaben, will der Konzern eigene Aktien im Wert von bis zu einer halbe Milliarde Euro in mehreren Tranchen aufkaufen.

SAPs liquide Mittel legen um ein Fünftel zu

Grund für das Rückkaufprogramm ist ein starker Anstieg der liquiden Mittel im ersten Halbjahr. Diese haben um ein Fünftel zugelegt. „Aufgrund unseres starken Wachstums und unseres starken Cashflows möchten wir unsere Aktionäre durch einen Aktienrückkauf in Höhe von bis zu 500 Millionen Euro in der zweiten Jahreshälfte am Erfolg der SAP teilhaben lassen", sagte CFO Luka Mucic am Donnerstag in Walldorf.

SAP hatte zuvor bereits mehrfach angedeutet, dass der Schuldenabbau nach der Übernahme des Konkurrenten Concur im Jahr 2014 abgeschlossen sei. Auch große Zukäufe will der Softwaregigant sich derzeit nicht leisten.

Zu viel Cash ist für Konzerne im derzeitigen Negativzinsumfeld jedoch ein teurer Luxus. Wenn Konzerne die von den Banken erhobenen Einlagengebühr nicht umgehen können, beispielsweise durch die geschickte Verteilung auf mehrere Konten, müssen sie für das Bunkern bei der Bank Geld zahlen. Bei Konzernen wie SAP (Konzernliquidität: 4,9 Milliarden Euro) kann das schnell mehrere Millionen Euro Extrakosten verursachen. 

Gea, Münchener Rück und Nestlé kaufen auch Aktien zurück

Entsprechend beliebt sind Aktienrückkäufe derzeit – nicht nur bei SAP. So hat auch der Maschinenkonzern Gea vor kurzem ein Rückkaufprogramm über 350 Millionen Euro angekündigt, der im Dax notierte Rückversicherer Münchener Rück will sogar bis zu 1 Milliarde Euro in eigene Anteilsscheine stecken.

Die Programme von SAP, Gea und Münchener Rück sind jedoch kleine Fische im Vergleich zu dem des Lebensmittelriesen Nestlé. Dieser will eigene Wertpapiere im Wert von 18,3 Milliarden Euro zurückkaufen.

Steigender SAP-Aktienkurs lässt Gewinn einbrechen

Für gewöhnlich steigern solche Rückkaufprogramme den Aktienkurs der Unternehmen. Bei SAP ist das zumindest kurzfristig nicht geschehen, denn die Quartalszahlen wurden vom Markt gemischt aufgenommen. Die Aktie sackte am Donnerstagmorgen von 91,30 auf 90,60 Euro ab.

Der Rückgang des Kurses hat operative Gründe. SAP hat zwar die Umsatzprognose für das Jahr 2017 um 100 Millionen auf 23,3 bis 23,7 Milliarden Euro erhöht. Der Gewinn nach Steuern ist aber auf 666 Millionen Euro um 18 Prozent zurückgegangen. SAP begründet den Gewinneinbruch damit, dass der im vergangenen Jahr steigende Aktienkurs die stark aktienbasierte Vergütung der SAP-Mitarbeiter teurer macht.

jakob.eich[at]finance-magazin.de