Werner Kuhnle Fotojournalist/MANN+HUMMEL

04.10.17
Finanzierungen

Mann+Hummel platziert Green Schuldschein

CFO Emese Weissenbacher hat Mann+Hummel als einen der ersten Automobilzulieferer weltweit an den Markt für grüne Finanzierungen gebracht. Mit einem Green Schuldschein sammeln die Ludwigsburger 400 Millionen Euro ein.

Der Automobilzulieferer Mann+Hummel ist in den Markt für grüne Finanzierungen eingestiegen. Das Ludwigsburger Unternehmen platzierte einen Green Schuldschein über 400 Millionen Euro und ist damit laut eigener Aussage der erste Automobilzulieferer weltweit, der sich durch ein grünes Instrument finanziert hat. Ursprünglich waren nur 250 Millionen Euro angestrebt, aufgrund einer mehrfachen Überzeichnung wurde das Volumen aber aufgestockt. Der Schuldschein ist in Tranchen mit Laufzeiten zwischen sechs und zehn Jahren unterteilt, die variabel oder fix verzinst werden.

Mit den neuen Mitteln refinanziert der Filterspezialist einige nachhaltige Projekte, die zuvor aus anderen Mitteln finanziert wurden. Dazu zählen Produkte wie Luft- und Wasserfiltration sowie Projekte aus dem Bereich erneuerbare Energien, Nachhaltigkeit und Umweltschutz, teilt der Konzern mit.

Laut Finanzchefin Emese Weissenbacher kann Mann+Hummel durch den Schuldschein die Tilgungsstruktur verbessern, die Investorenbasis verbreitern und den finanziellen Spielraum erhöhen. Außerdem sei der Schuldschein ein Instrument, um „die Finanzierung eng mit der Unternehmensstrategie Leadership in Filtration verknüpfen zu können“, erklärt die Finanzchefin. Dazu gehört, die Auswirkungen der Unternehmensaktivitäten auf die Umwelt zu vermindern und im gesamten Produktzyklus nachhaltig zu handeln.

Mann+Hummel nutzt junges Segment im Schuldscheinmarkt

Als Arrangeure des grünen Papiers fungierten BNP Paribas, ING und LBBW. Einen genauen Standard für Green Schuldscheine gibt es zwar nicht, doch hat es sich als Marktstandard etabliert, das Votum einer Nachhaltigkeitsagentur hinzuzuziehen. Bei Mann+Hummel zertifizierte der Dienstleister Sustainalytics den Schuldschein. Agenturen wie Sustainalytics prüfen, ob der Schuldschein die unverbindlichen Green Bond Principles der International Capital Market Association erfüllt.

Mit der Transaktion steigt der Automobilkonzern in ein noch sehr junges Marktsegment ein. Insgesamt sind ausgewiesen grüne Finanzierungen in der Corporate-Finance-Welt noch die Ausnahme. Während es jedoch bereits eine Reihe von Beispielen für sogenannte Green Bonds gibt, wurde der erste Green Schuldschein erst im April vergangenen Jahres vom Windturbinenhersteller Nordex platziert.

Seitdem hat es nur eine Handvoll Transaktionen dieser Art gegeben, jüngst auch von dem Milchverarbeiter Meggle, der über ein solches Papier 50 Millionen Euro einsammelte, wie die FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer berichtete.

Zweite Premiere von CFO Emese Weissenbacher für Mann+Hummel

Mit der Transaktion sorgt Finanzchefin Weissenbacher für die zweite Schuldscheinpremiere bei Mann+Hummel. Kurz nachdem sie den CFO-Posten im Sommer 2015 angetreten hatte, führte sie den Automobilzulieferer zum ersten Mal an den Schuldscheinmarkt. Mit der Debüttransaktion reihte sie sich damals gleich in die Liste der Jumbo-Emittenten ein: 1,1 Milliarden Euro flossen den Ludwigsburgern zu.

Mit der aktuellen, deutlich kleineren Transaktion schafft es Mann+Hummel in diesem Jahr allerdings nicht an die Spitze der größten Transaktionen. Den Titel hält nach Ende des ersten Halbjahres laut Informationen des Datenanbieters Thomson Reuters LPC der Gabelstaplerhersteller Kion mit einem Schuldschein von über rund 1 Milliarde Euro.

Auch wenn in diesem Jahr insgesamt weniger Transaktionen mit extrem großen Volumina platziert wurden – der Boom am Schuldscheinmarkt hält weiterhin an. Laut einer Analyse der DZ Bank wurden bis Ende August 103 Schuldscheine mit einem Gesamtvolumen von 21 Milliarden Euro platziert. Der Markt nimmt damit Kurs auf einen neuen Rekord. Die Experten der DZ Bank rechnen mit einem Jahresvolumen von 28 Milliarden Euro. Der bisherige Höchstwert wurde im vergangenen Jahr erreicht und lag bei 25,4 Milliarden Euro.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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