Hedgefonds versus Private-Equity-Investor – und Aktionäre und Vorstand mittendrin: Der Machtkampf um den bayerischen Stahlwerkszulieferer SKW spitzt sich zu.

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21.09.17
Finanzierungen

Hedgefonds will PE-Investor Speyside bei SKW ausbooten

Mit aller Macht versucht der Hedgefonds MCGM, die Übernahme von SKW Stahl durch den US-Investor Speyside zu vereiteln. Die Münchener wollen dafür über 70 Millionen Euro in die Hand nehmen – und drohen, SKW-Chef Kay Michel vor Gericht zu bringen.

Der Hedgefonds MCGM hat sein Alternativkonzept für die Rettung des bayerischen Spezialchemiekonzerns SKW Stahl präzisiert. Demnach ist MCGM bereit, eine Kapitalerhöhung über 25 Millionen Euro zu garantieren und falls nötig den Gläubigerbanken ihre Kredite abzukaufen.

Damit stellt MCGM sich gegen das Vorhaben des US-Private-Equity-Investors Speyside, der auf einem ähnlichen Weg die Macht über SKW zu erlangen versucht. Speyside hatte sich im Juli mit den kreditgebenden Banken darauf verständigt, ihnen zum Preis von 48 Millionen Euro Kreditforderungen im Nennwert von 74 Millionen Euro abzukaufen. Nun wollen die Amerikaner die Kreditforderungen in Eigenkapital tauschen und sich so 95 Prozent der SKW-Anteile sichern. Die SKW-Aktionäre würden fast ihren gesamten Einsatz verlieren. Darüber abstimmen sollen sie auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 10. Oktober. 

Investor MCGM droht, SKW-Chef Kay Michel zu verklagen

Nach Darstellung von MCGM, einem Vehikel des Münchener Turnaround-Investors Olaf Marx, ist der Kreditverkauf an Speyside jedoch noch nicht vollzogen worden. Dies will Marx nun nutzen, um die Bilanzsanierung von SKW unter der Regie einer Investorengruppe zu stemmen, zu der neben MCGM noch diverse weitere Investmentfonds zählen, die zusammen rund 20 Prozent der SKW-Aktien besitzen.

Marx‘ Vorstoß könnte einen erbitterten Rechtsstreit zur Folge haben. SKW-Alleinvorstand Kay Michel bezeichnet das Refinanzierungskonzept von Speyside als „alternativlos“ und deutet an, noch vor der Hauptversammlung für SKW Insolvenz beantragen zu müssen, da aufgrund von Marx‘ Widerstand gegen den Speyside-Deal die positive Fortführungsprognose entfallen sei

Sollte Michel das tatsächlich tun, droht MCGM Michel und den Aufsichtsräten von SKW rechtliche Schritte „wegen möglicher Pflichtverletzungen“ an. Marx wirbt um die freien Aktionäre, sich hinter seinem Refinanzierungsplan zu versammeln: „Über die Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht hätten die SKW-Aktionäre die Möglichkeit, am Upside-Potential des Unternehmens zu partizipieren“,  behauptet MCGM. 

MCGM: „SKW-Chef Michel spielt auf Zeit“

Das Vorgehen von MCGM wirft zwei Fragen auf. Die erste dreht sich um die Finanzierbarkeit des Ansinnens. Nach Darstellung von SKW gibt es bislang keine finanziell belastbare Alternative zu dem Speyside-Deal. Das Unternehmen nährt damit die Vermutung, dass Marx den Gläubigerbanken bislang nicht nachweisen konnte, über die nötigen Mittel für ein Underwriting der Kapitalerhöhung und/oder den Ankauf der Kreditforderungen zu verfügen. Insgesamt müsste die Gruppe um MCGM dafür über 70 Millionen Euro aufbringen – 48 Millionen Euro für den Ankauf der Kredite, 25 Millionen zur Stärkung des Eigenkapitals.

Das zweite Problem ist der hohe Zeitdruck. Nach Darstellung von SKW reicht die Zeit für die Beantragung, Prüfung und Durchführung einer Kapitalerhöhung in der geplanten Dimension nicht aus, da Ende Januar nächsten Jahres Kredite im Volumen von mindestens 74 Millionen Euro fällig würden.

Der rebellierende Aktionär MCGM nimmt in seinem Gegenantrag zwar keine Stellung zur Finanzierbarkeit seines Vorschlags. Den von SKW-Chef Michel in den Raum gestellten Zeitdruck weist MCGM aber scharf zurück: „Dieser Behauptung tritt MCGM entschieden entgegen“, heißt es in einer Mitteilung. Und weiter: „Michel hat den Zeitdruck selbst erzeugt. Es macht den Eindruck, als ob er auf Zeit spielt, um die Alternativlosigkeit zu untermauern.“      

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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