Im vergangenen Jahr zog Varta seine Börsenpläne zurück. Mit verändertem Bankenkreis soll nun der IPO gelingen.

Varta/Maiwolf

28.09.17
Finanzierungen

Mittelständler Varta und Mynaric eröffnen den IPO-Herbst

Das dritte Quartal verlief mit Blick auf Börsengänge enttäuschend. Doch für den Herbst gibt es Hoffnung: Varta und Mynaric wagen den Sprung aufs Parkett.

Die Herbstmonate gelten unter Kapitalmarktspezialisten als günstiges Börsenfenster. Dies lockt nun einen Kandidaten, der im vergangenen Jahr noch mit seinem Börsengang gescheitert war: Der Batteriehersteller Varta wagt einen neuen Anlauf und strebt noch in diesem Jahr ein Listing im Prime Standard der Deutschen Börse an.

Das  Unternehmen hatte im vergangenen Jahr noch seine Pläne für einen 150 Millionen Euro schweren Börsengang abgeblasen. Das Börsenumfeld sei zu ungünstig, hieß es damals – was häufig eine andere Formulierung dafür ist, dass ein Unternehmen seine Preisvorstellungen nicht erreichen konnte. Nun liegen die Pläne wieder auf dem Tisch.

Berenberg übernimmt Varta-IPO

Die Details zum erneuten IPO-Anlauf sind noch offen. Voraussichtlich sollen neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung mit einem Bruttogesamterlös von rund 150 Millionen Euro sowie bestehende Aktien aus dem Besitz des bisherigen Alleinaktionärs Montana Tech Components angeboten werden, hinter dem der österreichische Investor Michael Tojner steht.

Neben dem öffentlichen Angebot ist auch eine Privatplatzierung an institutionelle Anleger in den USA geplant. Die endgültige Größe der Platzierung steht noch nicht fest, derzeit strebt Varta einen Streubesitz von rund 40 Prozent nach dem Börsengang an. Die Berenberg Bank ist Sole Global Coordinator und agiert zusammen mit der UniCredit Bank AG als Joint Bookrunner der Transaktion. Im Vorjahr durften sich noch Jefferies, HSBC, Unicredit und die Erste Bank als Konsortialbanken versuchen.

Varta will IPO-Erlös in Produktionsstätten investieren

Die frischen Mittel benötigt Varta dringend, um weiteres Wachstum zu ermöglichen. Das Unternehmen, das nach eigenen Angaben an der Grenze seiner Fertigungskapazitäten operiert, möchte mit dem IPO-Erlös in die Produktion von Mikrobatterien für kleine Geräte wie Kopfhörer oder Hörgeräte investieren.

Im Segment Microbatteries erwirtschaftet Varta den größten Teil seines Umsatzes, im ersten Halbjahr 2017 waren es rund 101 Millionen Euro. In diesen Bereich sollen insgesamt rund 110 Millionen Euro des IPO-Erlöses fließen, um die Produktionskapazitäten zu erweitern – 80 Millionen davon in die Fertigung von Lithium-Ionen-Mikrobatterien, 30 Millionen in das Stammgeschäft mit Hörgerätebatterien.

Das zweite Unternehmenssegment Power & Energy hat kabellose Energielösungen im Angebot und erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2017 einen Umsatz von etwa 19 Millionen Euro. In diesen Bereich will Varta gut 20 Millionen Euro aus dem Börsengang stecken.

Insgesamt lag Vartas Umsatz im ersten Halbjahr mit 120 Millionen Euro deutlich über dem Vorjahreszeitraum (106 Millionen Euro). Im Gesamtjahr 2016 erreichte der Umsatz 214 Millionen Euro. Die Ebitda-Marge von Varta liegt derzeit bei 16,2 Prozent (Vorjahreshalbjahr: 9,6 Prozent).

Mynaric strebt Listing im Segment Scale an

Auch am neuen Börsensegment Scale tut sich was: Dort wagt sich der Spezialist für Laserkommunikation Mynaric (ehemals Vialight Communications) aus der Deckung. Das noch junge Segment Scale, in dem unter anderem auch der Oberflächenspezialist Nanogate gelistet ist, richtet sich speziell an Mittelständler. Es gab dort zwar bereits einige Börsengänge, die erhoffte große Welle von Tech-IPOs blieb bislang jedoch aus. Der von Mynaric angestrebte Emissionserlös hat ein für Scale übliches, eher kleines Volumen von 20 Millionen Euro. Der Erlös soll dem Tech-Unternehmen den Einstieg in die Serienproduktion ermöglichen.

Mynaric steht noch am Anfang seiner Unternehmensentwicklung: Die Umsätze, die Mynaric in seiner IPO-Ankündigung nicht näher beziffert, stammen dem Unternehmen zufolge derzeit „im Wesentlichen aus Produkttests und Demonstrationen für internationale Unternehmen“. Diese sollen die Basis für künftige Großaufträge zum Aufbau kompletter Kommunikationsnetzwerke mit Hilfe der Lasertechnologie bilden. Anwendungsfelder dafür sieht Mynaric in entlegenen Gebieten der Erde, aber auch im Weltraum.

Das komplette Platzierungsvolumen soll aus einer Barkapitalerhöhung kommen. Die Altaktionäre geben keine Aktien ab. Dem Fachportal Gründerszene zufolge wurde Mynaric bei einem Investment eines Family Offices zu Beginn dieses Jahres mit einer Post-Money-Bewertung von 33 Millionen Euro bewertet. Hauck & Aufhäuser begleitet den geplanten Börsengang als Sole Global Coordinator und Bookrunner.

IPO-Markt im Jahresverlauf durchwachsen

Die beiden Börsengänge könnten dem vierten Quartal am Kapitalmarkt frischen Schwung verleihen, nachdem im dritten Quartal nur drei Unternehmen in Deutschland den Sprung an die Börse wagten. Einer Analyse des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshauses PwC zufolge erzielte der Börsengang der Jost-Werke im Rahmen einer Privatplatzierung den Großteil des Börsenerlöses von 204 Millionen Euro. Auch Jost hatte bereits einen gescheiterten IPO-Anlauf vor zwei Jahren hinter sich.

Die Notierung des Hamburger Fintechs Naga Group im Segment Scale erzielte einen Erlös von rund 3 Millionen Euro, löste allerdings kurzzeitig einen zwiespältig gesehenen Hype aus, der einige Betrachter an Neue-Markt-Zeiten erinnerte. Hinzu kam noch die Aufspaltung der Metro AG, die allerdings nicht mit einem öffentlichen Angebot an Aktien einherging.

Ein schwaches drittes Quartal ist angesichts der traditionellen Sommerflaute am Kapitalmarkt nicht ungewöhnlich. Insgesamt schwankte die Kapitalmarktaktivität in diesem Jahr bislang stark: „Nach einem verhaltenen ersten Quartal 2017 mit zwei IPOs von geringem Volumen und einem erfolgreichen zweiten Quartal mit fast 1 Milliarde Euro an Erlösen zeigte sich der Markt im dritten Quartal wieder überraschend ruhig“, kommentiert PwC-Partnerin Nadja Picard den bisherigen Jahresverlauf. Die Hoffnungen der Banken und Berater ruhen nun auf einem lukrativeren Geschäft im vierten Quartal.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de


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