Bittere Pille für die Aktionäre von SKW Stahl: Der US-Finanzinvestor Speyside will sie aus dem Unternehmen drängen.

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25.08.17
Finanzierungen

SKW-Aktionäre müssen 95 Prozent abschreiben

SKW Stahl macht den Weg für den Private-Equity-Investor Speyside frei, die Firma zu übernehmen. Die Aktionäre würden dabei fast alles verlieren. SKW-Chef Michel hält das für „unumgänglich“.

Der Finanzinvestor Speyside Capital ist bei der Übernahme von SKW Stahl einen Schritt weiter. Speyside hatte im Juli einen Großteil der Finanzschulden des börsennotierten Stahlzulieferers gekauft. Jetzt sind Speyside und der Vorstand des überschuldeten Unternehmens sich über einen Plan einig geworden, das Fremdkapital zu einem großen Teil in Eigenkapital zu wandeln, wie das Unternehmen am heutigen frühen Freitagnachmittag mitteilte.

Speyside hatte den Banken von SKW Kredite mit einem Nominalwert von 74 Millionen Euro abgekauft. Wie hoch genau der dabei vereinbarte Abschlag ausfiel, gaben beide Seiten nicht bekannt. SKW teilt dazu lediglich mit, dass die Banken Zugeständnisse in zweistelliger Millionenhöhe gemacht hätten.

SKW-Stahl-Aktionäre werden auf 5 Prozent verwässert

Jetzt haben Speyside und SKW vereinbart, dass der auf die Chemiebranche spezialisierte US-Finanzinvestor 45 Millionen Euro aus dem erworbenen Kreditvolumen als Eigenkapital in SKW einbringt. Die übrigen Schulden sollen refinanziert werden. Aller Voraussicht nach wird dies mit Hilfe eines neuen Bankkredits geschehen. 

Für Speyside sieht das nach einem guten Geschäft aus – nicht nur, weil der Finanzinvestor den großen US-Wettbewerber von SKW, Opta, besitzt, was mögliche Synergien verspricht. Zum einen sollte SKW nach den inzwischen erreichten Kostensenkungen den zur Refinanzierung anstehenden Kreditbetrag von maximal rund 30 Millionen Euro schultern können. Zum anderen fällt Speyside im Zuge des angestrebten Schuldenschnitts mittelfristig die gesamte Firma in die Hände.

Die Kredite bringen die Amerikaner im Zuge einer Sachkapitalerhöhung ohne Bezugsrecht der Altaktionäre ein. Deren Anteile würden durch den Kapitalschnitt auf 5 Prozent verwässert. Anschließend plant Speyside, sie über einen Squeeze-out ganz aus dem Kapital zu drängen. Die Aktie von SKW – zuletzt an der Börse mit einer Marktkapitalisierung von rund 15 Millionen Euro bewertet – brach um 30 Prozent ein, nachdem SKW den Restrukturierungsplan präsentierte.  

„Bei den Investorengesprächen bis zur Hauptversammlung am 10. Oktober wird uns noch ein harter Wind entgegenschlagen“, bekannte SKW-Chef Kay Michel gegenüber FINANCE. „Aber wir stehen hinter der gefundenen Lösung.“ 

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SKW-Chef Kay Michel: „Restrukturierung existentiell notwendig“

Eine normale Refinanzierung des Unternehmens bezeichnet Michel als „aussichtslos“. Die Finanzrestrukturierung sei „unumgänglich und existentiell notwendig“. Durch die Streichung von 45 Millionen Euro Finanzschulden könnte SKW in der maßgeblichen Bilanz der Holding nicht nur seine negative Eigenkapitalposition bereinigen, sondern auch noch einen Eigenkapitalpuffer von rund 25 Millionen Euro bilden, sagte Michel gegenüber FINANCE.

Damit das Vorhaben gelingt, müssen bei der HV Mitte Oktober mindestens 75 Prozent des anwesenden Aktionärskapitals zustimmen, und zwar sowohl der geplanten Kapitalherabsetzung als auch der anschließenden Sachkapitalerhöhung durch Speyside. Sollten die Aktionäre den Rettungsplan vereiteln, droht ihnen nach Einschätzung von SKW der Totalverlust, weil die insolvenzrechtliche Fortführungsprognose entfallen würde. „Dies ist eine sehr harte, aber dennoch alternativlose Forderung an die Altaktionäre“, lässt sich Aufsichtsratschef Volker Stegmann in der Pressemitteilung zitieren.
 
Zu den betroffenen Aktionären gehört auch der Münchener Turnaround-Investor Olaf Marx, dessen Investorenallianz zuletzt fast 21 Prozent der SKW-Aktien zugerechnet wurden. Marx hatte zwischenzeitlich signalisiert, selbst ein Sanierungskonzept vorlegen zu wollen – inklusive einer millionenschweren Kapitalspritze durch sein Vehikel MCGM. Andere Finanzinvestoren hingegen hatten im Frühsommer ihr Engagement bei SKW beendet.

Alternativkonzept lag auf dem Tisch

Ob Marx tatsächlich ein alternatives Refinanzierungskonzept vorgelegt hat, ist nicht bekannt. SKW spricht lediglich davon, dass ein weiterer Interessent Bereitschaft gezeigt habe, eine Barkapitalerhöhung mit Beteiligungsmöglichkeit der Altaktionäre zu unterstützen. „Dieser Interessent konnte sich allerdings nicht mit den Kreditgebern der SKW verständigen“, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens. Einseitig verhandelt habe man nicht, versichert Michel: „Jeder interessierte Investor hat eine faire Chance bekommen.“

SKW erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatz von mindestens 230 Millionen Euro und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von über 9 Millionen Euro. Nach Aussage von Alleinvorstand Michel hat sich das Geschäftsumfeld aufgehellt. Sogar eine nennenswerte Planübererfüllung deutete er zuletzt an.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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