Alno muss sich vorerst geschlagen geben. Der Küchenhersteller meldet Insolvenz an.

Alno

12.07.17
Finanzierungen

Alno ist pleite

Der Versuch, Alno zu restrukturieren, ist gescheitert: Der Küchenhersteller hat Insolvenz angemeldet. Großaktionär Tahoe will trotzdem noch nicht das Handtuch werfen.

Seit mehr als zehn Jahren schon kämpft Alno um einen erfolgreichen Turnaround – jetzt ist der Küchenhersteller aus Pfullendorf pleite. Das Unternehmen hat beim Amtsgericht Hechingen einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt, wie Alno am späten Dienstagabend verkündete.

Der Antrag wurde auch für die Tochtergesellschaften Gustav Wellmann und Alno Logistik & Service gestellt. Alle übrigen in- und ausländischen Tochtergesellschaften einschließlich Pino Küchen seien nicht betroffen.

Als Grund führt Alno an, dass zuletzt die Verhandlungen mit potenziellen Investoren und Gläubigern gescheitert sind. Mit dem Insolvenzverfahren will Alno nun „die zum Jahresbeginn eingeleitete Sanierung fortsetzen und den Turnaround absichern“, heißt es. Der Aktienkurs fiel seit heute morgen um über 50 Prozent auf 0,12 Euro. 

Alno verschob Geschäftsbericht mehrfach

Den Gläubigern der Mittelstandsanleihe, die nur noch bis Mai 2018 läuft, drohen damit schwere Verluste. Der Bond hat ein Volumen von 45 Millionen Euro und ist mit 8,5 Prozent zum Nennwert verzinst. Die SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger hat bereits die eigenen Dienste als Gläubigervertreter angeboten, ebenso die Deutsche Investoren-Union (DIU) und das Beratungshaus One Square Advisory.

Alnos Insolvenz kommt nicht überraschend: Erst vor wenigen Tagen gab das Unternehmen bekannt, die Vorlage der Geschäftszahlen für 2016 erneut verschieben zu müssen. Eigentlich wollte der Küchenhersteller diese schon am 28. April präsentieren, verschob sie dann aber auf den 9. Juni und danach auf den 30. Juni. Als Grund nannte Alno den Wechsel des Vorstandschefs Max Müller, für den Christian Brenner, der zuvor CFO bei Alno war, aufrückte. Zuletzt hieß es, die Zahlen würden am 14. August vorgelegt.

Immerhin präsentierte Alno vorläufige Zahlen für die ersten fünf Monate 2017: Demnach fiel der Umsatz von 124,5 auf 122,5 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Restrukturierungsaufwendungen lag mit minus 1,3 Millionen Euro weiterhin im negativen Bereich, verbesserte sich aber im Vergleich zum Vorjahr, wo es noch bei minus 10 Millionen Euro gelegen hatte.

Tahoe hat Alno fest im Griff

Diese leichte Verbesserung führt Alno auf die seit Anfang des Jahres eingeleiteten Sanierungsschritte zurück. Die Insolvenz in Eigenverwaltung wird unter der Regie von Christian Brenner stattfinden, der als Vertreter des Großaktionärs Tahoe Investors gilt. Dahinter steht die bosnische Unternehmerfamilie Hastor, die derzeit auch versucht, ihren Einfluss auf den Autozulieferer Grammer zu vergrößern.
 
Alno holte sich Tahoe im vergangen Jahr über ein Darlehen an Bord, das dem Unternehmen kurzfristig die Liquidität sicherte. Seitdem hat Tahoe seine Macht bei den Pfullendorfern sukzessive ausgebaut: Der Großaktionär hält inzwischen direkt und indirekt 43,1 Prozent an Alno und hat die Mehrheit im Aufsichtsrat. Tahoe ließ heute verlauten, dass man dazu bereit sei, „im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten einen Beitrag zum Fortbestehen des Unternehmens zu leisten“. Die Insolvenz schiebt Tahoe auf „den Sanierungsstau und die finanzielle Belastung aus den Altlasten der vergangenen zehn Jahre“, die das jüngste Restrukturierungsprogramm nicht habe kompensieren können. 

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Über den seit Jahren andauernden Überlebenskampf von Alno können Sie auf unserer Themenseite nachlesen. Wie sich der Markt für Mini-Bonds entwickelt hat und welche Emittenten bereits Insolvenz anmelden müssen, können Sie auf unserer Themenseite zu Mittelstandsanleihen nachverfolgen.