Also Holding, Air Berlin, VW – der wöchentliche FINANCE-Ticker.

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11.09.17
Finanzierungen

Finanzierungen: Also Holding, Air Berlin, VW

Die Also Holding platziert einen Schuldschein, die EU-Kommission gibt grünes Licht für den Staatskredit an Air Berlin und VW verbrieft Autokredite in Großbritannien und China – der wöchentliche FINANCE-Ticker.

Also Holding platziert Schuldschein über 154 Millionen Euro

Der Schweizer Großhandels- und Logistikkonzern Also Holding hat ein Schuldscheindarlehen über 154 Millionen Euro abgeschlossen. Der Schuldschein setzt sich aus Tranchen mit Laufzeiten von fünf, sieben und zehn Jahren zusammen, die sowohl fest als auch variabel verzinst sind. Nach eigenen Angaben war die Transaktion deutlich überzeichnet. Ursprünglich hatte das Unternehmen nur 100 Millionen Euro angestrebt. Mit dem Geld beabsichtigt die Also Holding bestehende Verbindlichkeiten zu refinanzieren. Bayerische Landesbank und Deutsche Bank begleiteten die Transaktion, Allen & Overy stand der Also Holding beratend zur Seite.

EU-Kommission genehmigt Air-Berlin-Kredit

Die EU-Kommission hat ihre Zustimmung zu dem staatlichen 150-Millionen-Euro-Kredit für die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin ausgesprochen. Die Bundesregierung hat Air Berlin über die Staatsbank KfW einen Übergangskredit zur Verfügung gestellt, sodass der Flugverkehr aufrecht erhalten werden kann. Die Kommission erklärte in ihrer Begründung, dass durch das Darlehen die geordnete Abwicklung der Airline gewährleistet sei, ohne dass der Wettbewerb übermäßig gestört würde.

Sichergestellt würde dies dadurch, dass Air Berlin das Geld des Kredits nur in Tranchen erhalte. Dafür müsse das Unternehmen jede Woche seinen Finanzbedarf nachweisen und neue Kredittranchen könnten erst dann ausgezahlt werden, wenn sämtliche Mittel aufgebraucht seien. Darüber hinaus müsse Deutschland sicherstellen, dass das Geld vollumfänglich zurückgezahlt wird oder einen Abwicklungsplan für Air Berlin vorlegen. Derzeit bekunden immer neue Unternehmen Interesse an der Airline. 

VW verbrieft Autokredite in Großbritannien und China

Die Volkswagen Bank hat die Verbriefungstransaktion Driver UK Six über insgesamt rund 450 Millionen britische Pfund platziert. Sie ist mit Forderungen der Volkswagen Financial Services Limited besichert. Die Transaktion ist in zwei Tranchen aufgeteilt. Die erste Tranche umfasst 340,2 Millionen britische Pfund und wurde zu einem Preis von 1-Monats-Libor plus 48 Basispunkte platziert. Die zweite Tranche besitzt ein Volumen von 29,2 Millionen britische Pfund und wird mit 90 Basispunkte über dem Referenzzins verzinst. Bank of America Merrill Lynch und SEB waren die Joint Lead Manager der Transaktion.

Außerdem hat Volkswagen Financial Services zum siebten Mal chinesische Auto-Asset-Backed-Securities platziert. Die Verbriefung der chinesischen Autokredite hat ein Gesamtvolumen von rund 4 Milliarden Renminbi (knapp 514 Millionen Euro), und teilt sich in zwei Tranchen. Der Zins der Tranche A liegt bei 4,95 Prozent, während die Tranche B einen Kupon von 5,2 Prozent besitzt. Die Tranche A umfasst ein Volumen von 3,51 Milliarden Renminbi und die Tranche B 150 Millionen Renminbi. Citic Securities, Standard Chartered und die Bank of China begleiteten die Transaktion.

Die Volkswagen Financial Services Australia hat darüber hinaus zwei Anleihen mit einem Gesamtvolumen von 325 Millionen Australischen Dollar (rund 217 Millionen Euro) platziert. Die erste Anleihe umfasst 225 Millionen Australische Dollar und besitzt einen Kupon von 3,5 Prozent. Die zweite Anleihe hat ein Volumen von 100 Millionen Australische Dollar, der Zins liegt bei 1,3 Prozent über dem australischen 3-Monats-Referenzzins. Beide Anleihen haben eine Laufzeit von fünf Jahren. Citigroup und HSBC haben die Transaktion begleitet.

Tönnies platziert Schuldschein über 350 Millionen Euro

Der Fleischereikonzern Tönnies hat den Schuldscheinmarkt angezapft. 350 Millionen Euro sammelte das nordrhein-westfälische Unternehmen ein. Ursprünglich hatte Tönnies nur 100 Millionen Euro angestrebt, konnte das Volumen aber deutlich aufstocken. BayernLB und LBBW haben die Transaktion begleitet. Mit den neuen Mitteln will CFO Daniel Nottbrock den finanziellen Spielraum des Lebensmittelkonzerns erweitern.

Weitere Finanzierungen

Der Autokonzern Daimler hat eine Anleihe über 500 Millionen Euro platziert. Das Papier hat eine Laufzeit bis 2021 und wird mit 0,2 Prozent verzinst. Unicredit hat die Transaktion begleitet.

Der Forderungsmanager GFKL hat einen High-Yield-Bond über 415 Millionen Euro begeben. Die Anleihe läuft bis 2023 und wird mit 350 Basispunkten über dem Euribor verzinst. Die Emission wurde von JP Morgan und Credit Suisse begleitet.

Der Immobilienkonzern Vonovia hat am Bondmarkt 500 Millionen Euro eingesammelt. Das Papier wird mit 1,125 Prozent verzinst. Die Laufzeit endet im September 2025. Société Générale und JP Morgan haben das Unternehmen bei der Emission unterstützt.

Der bayerische Kunststoffhersteller Alfmeier Präzision hat wie angekündigt seine Schuldverschreibung 2013/2018 vorzeitig gekündigt. Am 30. Oktober soll diese zu 101,5 Prozent des Nennbetrags zuzüglich der noch nicht gezahlten Zinsen zurückgezahlt werden. Die Anleihe hatte ein Volumen von 30 Millionen Euro und wurde mit 7,5 Prozent verzinst. Alfmeier will sich mit der Transaktion auf der Passivseite neu strukturieren. Der Kunststoffhersteller hatte zuvor bereits ein Schuldscheindarlehen über 14 Millionen Euro sowie einen Konsortialkredit abgeschlossen.

Der Hamburger Solar- und Windparkbetreiber Capital Stage hat über ihre niederländische Tochtergesellschaft Capital Stage Finance hat eine unbefristete, nachrangige Hybrid-Wandelanleihe über 97,3 Millionen Euro platziert. Bis zum ersten Rückzahlungstag, dem 13. September 2023, liegt der Zinskupon bei 5,25 Prozent, danach bei 11 Prozent über dem 5-Jahres-Euro-Swapsatz. Der anfängliche Wandlungspreis beträgt 7,5943 Euro, was einer Prämie von 25 Prozent auf den volumengewichteten Durchschnittskurs. Mit dem Erlös soll das weitere Wachstum von Capital Stage finanziert werden. Latham & Watkins (Federführung: Roland Maaß, Oliver Seiler und Stefan Süß) stand Capital Stage bei der Transaktion beratend zur Seite.

Homann Holzwerkstoffe, ein Anbieter von Holzfaserplatten, will in einer Privatplatzierung seine Unternehmensanleihe aus diesem Jahr um bis zu 10 Millionen Euro aufstocken. Dadurch hätte der Bond dann ein Gesamtvolumen von 60 Millionen Euro. Das Papier läuft bis Juni 2022 und wird mit 5,25 Prozent verzinst. Der Emissionskurs liegt bei 101 Prozent. Die IKB Deutsche Industriebank agiert als Sole Lead Manager.

Das Münchener Start-up Lilium hat in einer Series-B-Finanzierungsrunde 90 Millionen Dollar eingesammelt. Zu den Investoren gehörten der chinesische Internet-Konzern Tencent, der Fonds Atomico von Skype-Gründer Niklas Zennström, die Investmentfirmen LGT, Obvious Ventures und Freigeist. Mit dem Geld soll die Entwicklung eines fünfsitzigen Elektroflugzeugs vorangetrieben sowie das Team auf mehr als 70 Mitarbeiter erweitert werden. Atomico wurde bei der Transaktion von Orrick (Federführung: Thomas Schmid, Jörg Ritter und Chris Grew) beraten.

Das Bioökonomie-Unternehmen Brain hat eine Kapitalerhöhung unter Ausschluss der Bezugsrechte beschlossen. Dabei soll das Grundkapital um rund 10 Prozent gegen Bareinlage erhöht werden. Rund 1,6 Millionen neue Aktien platzierte das Unternehmen im Rahmen einer Privatplatzierung bei der Dah Beteiligungs GmbH zu einem Preis von 18,055 Euro je Aktie. Laut Brain handelt es sich dabei um einen langfristig orientierten Investor. Brain fließt somit ein Bruttoemissionserlös von rund 28 Millionen Euro zu. Dieser soll zur Finanzierung zukünftiger Akquisitionen genutzt werden.

Der Wohnimmobilienbauträger Euroboden beabsichtigt, den Gläubigern seiner Anleihe 2013/2018 ein freiwilliges Umtauschangebot zu unterbreiten. In Zuge dessen soll eine neue Anleihe über 25 Millionen Euro begeben werden. Voraussichtlich ab Oktober können Gläubiger der Anleihe ihre Papiere gegen den neuen Bond eintauschen. Darüber hinaus ist für die Bondemission auch ein öffentliches Angebot sowie eine Privatplatzierung geplant. Die Mwb Fairtrade Wertpapierhandelsbank agiert bei der Transaktion als Sole Lead Manager und Bookrunner.

Das Molekulardiagnostik-Unternehmen Epigenomics hat Wandelschuldverschreibungen im Wert von 7,1 Millionen Euro an die chinesische Beteiligungsgesellschaft Cathay Fortune International Company ausgegeben. Das Bezugsrecht der Aktionäre war ausgeschlossen. Dabei fließen dem Unternehmen sofort rund 6,5 Millionen Euro zu. Epigenomics hat die Schuldverschreibungen zu 91 Prozent des Nominalbetrags ausgegeben. Sie sind nicht verzinst und besitzen eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2018. Die Wandelschuldverschreibungen können in bis zu 994.397 Epigenomics-Aktien gewandelt werden. Die Transaktion ist Teil der geplanten Übernahme von Epigenomics durch die Chinesen.

Das Offenburger IT-Start-up Sevenit hat eine Series-A-Finanzierungsrunde abgeschlossen. 3,1 Millionen Euro flossen dem Unternehmen zu. Zu den Kapitalgebern gehörten Lea Partners, Wecken & Cie., VC Fonds und MBG. Die neuen Mittel sollen unter anderem für das weitere internationale Wachstum genutzt werden.

Die Beteiligungsgesellschaft German Startups Group will einen Teil ihrer bisher erzielten Veräußerungserlöse dazu nutzen, zwei Drittel ihrer valutierenden Finanzverbindlichkeiten zu tilgen. Diese sollen 6,5 Millionen Euro umfassen.

Die Aktien der neuen Metro und des Immobilienunternehmens Grand City Properties werden ab dem 18. September im MDax der Deutschen Börse gelistet sein. Dort ersetzen sie die Papiere des Industriedienstleister Bilfinger und die des Dienstleisters Rational. Beide Unternehmen wechseln in den SDax. Außerdem werden dann auch Aroundtown Property Holdings und Delivery Hero in den SDax aufgenommen. Die Aktien der WCM Beteiligungs- und Grundbesitz-AG, Amadeus Fire und Baywa verlassen den SDax.

Das Münchener Start-up Reactive Robotics hat in einer weiteren Finanzierungsrunde eine siebenstellige Summe eingesammelt. Zu den Geldgebern gehörten Bayern Kapital, die TQ-Group, MTIP Medtech Innovation Partners und die Dr. Doll Holding. Der High-Tech Gründerfonds bleibt weiterhin Gesellschafter. Mit dem Geld will Reactive Robotics seinen Markteintritt und seine Internationalisierung vorantreiben.

Die Deutsche Bahn hat ihre Kapitalerhöhung über 1 Milliarde Euro umgesetzt.

Das Biotechnologieunternehmen Evotec erhält von der Europäischen Investitionsbank ein unbesichertes Darlehen über bis zu 75 Millionen Euro. Das Darlehen wird auch durch eine Garantie des Europäischen Fonds für strategische Investitionen besichert. Außerdem ist ein gewisser Vergütungsanteil erfolgsabhängig und soll über vier Jahre in Forschung und Entwicklung bei Evotec investiert werden. Auf diesem Weg soll die Innovate-Strategie des Hamburger Unternehmens vorangetrieben werden. Evotec muss das Darlehen sieben Jahre nach Inanspruchnahme zurückzahlen. 

Ratingmeldungen

Moody’s verschlechtert das langfristige Senior Debt Rating der mexikanischen Volkswagen Bank und der mexikanischen Volkswagen Leasing von A2 auf A3. Der Ausblick bleibt negativ. Die Ratingagentur begründet dies mit einem ähnlichen Ratingvorgehen bei der deutschen Volkswagen Financial Services, der Muttergesellschaft der beiden mexikanischen Unternehmen. Hintergrund ist die Umstrukturierung der Sparte, bei der die Volkswagen Bank aus der VWFS herausgelöst und direkt dem VW-Konzern unterstellt wurde.

Moody’s verbessert das Rating der Immobilienfirma Grand City Properties von Baa2 auf Baa1. Der Ausblick wurde von positiv auf stabil geändert. Die Ratingagentur wies in ihrer Begründung unter anderem auf die zurückhaltender gewordende Wachstumsstrategie und die reduzierten Leerstände des Unternehmens hin.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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