Die Luft für den Waffenhersteller Heckler & Koch wird immer dünner.

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09.09.14
Finanzierungen

Heckler & Koch immer stärker unter Druck

Eine „unhaltbare“ finanzielle Lage attestiert Moody’s Heckler & Koch: Der Waffenhersteller steht mit dem Rücken zur Wand. Die nächste Kuponzahlung rückt näher, der Konzern hat derzeit nicht genug Cash in der Kasse. Ein Investor wird dringend benötigt.

Heckler & Koch gerät immer stärker unter Druck. Die Exportbeschränkungen machen dem Unternehmen schwer zu schaffen. Nun hat Moody’s das Rating des Waffenherstellers weiter gesenkt: Die Ratingagentur hat sowohl das Beurteilung für die gesamte Unternehmensgruppe als auch für die ausstehende High-Yield-Anleihe und die Ausfallwahrscheinlichkeit um eine Stufe von Caa2 auf Caa3 heruntergestuft – mit einem negativen Ausblick in allen Bereichen.

Moody’s Bestandsaufnahme liest sich dramatisch: Die freien Barreserven hätten Ende Juni mit nur noch 8,3 Millionen Euro betragen. Angesichts dieses historischen Tiefstands in der Kasse zweifelt die Agentur daran, dass Heckler & Koch die Mitte November fälligen Halbjahreszinsen für den bis 2018 laufenden High-Yield-Bond im Volumen von 295 Millionen Euro zahlen kann – diese dürften sich dem Bericht zufolge auf etwa 14 Millionen Euro summieren.

Ob die Zinszahlung des Herstellers von Handfeuerwaffen ausfällt, dürfte demnach entscheidend davon abhängen, ob es bis dahin positive Veränderungen im Working Capital gibt, darunter eine die noch ausstehende Zahlung von 8 Millionen Euro eines Kunden, schreibt die Agentur.

Heckler & Koch: Kaum Spielraum für CFO Reinhold Müller

Der knappe Kassenbestand lässt dem Management um den seit April amtierenden CFO Reinhold Müller kaum noch Luft, um weitere Gewinneinbußen oder negative Veränderungen im Working Capital zu verkraften. Die finanzielle Flexibilität sei nur noch „minimal“, so Moody’s.
 
Selbst wenn Heckler & Koch den Kupon im November noch stemmen sollte, könnten ungeklärte Ausfuhrgenehmigungen weitere Zinszahlungen im nächsten Jahr gefährden, heißt es weiter. Ende Juni beliefen sich die noch nicht erteilten Exportlizenzen der Regierung auf einen Wert von 50 Millionen Euro. Das Unternehmen hofft nun auf eine Klärung durch den Bundessicherheitsrat bis Ende dieses Monats.

Angesichts der aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten könnte sich diese Entscheidung aber weiter verschieben. Aufgrund der zunehmenden rechtlichen und regulatorischen Risiken im Waffengeschäft bezeichnet Moody’s die aktuelle Kapitalstruktur ohne eine zusätzliche Finanzspritze als „unhaltbar“.

Investorensuche bei Heckler & Koch läuft

Im Frühjahr hatte das Unternehmen bereits angekündigt, mit Unterstützung neuer Investoren die Verschuldung verringern zu wollen. „Wir streben ein Single-B-Rating an“, hatte Mehrheitsgesellschafter Andreas Heeschen damals erklärt. Zu diesem Zeitpunkt deuteten die Zeichen auf Entspannung.

Zusätzliche Restriktionen bei Waffenlieferungen hatten die Aussichten seitdem aber zunichte gemacht: Wie die Zeitung „Welt“ berichtete, soll der Umsatz im ersten Halbjahr 2014 um gut ein Drittel auf rund 64 Millionen Euro eingebrochen sein – ebenso der Kurs der Anleihe: Notierte sie im April noch bei 105 Prozent, steht sie aktuell bei 75.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de