Biogasanlage von KTG Energie im brandenburgischen Schöllnitz: Der Fallout der Finanzierungskrise von KTG Agrar legt sich auch auf die Biogastochter.

KTG

13.06.16
Finanzierungen

KTG Energie im Sog von KTG Agrar

Wegen der Finanzierungskrise bei KTG Agrar brechen nun auch die Aktien und Bonds der Biogastochter KTG Energie immer weiter ein. Zu Recht? Die FINANCE-Analyse.

Der Betreiber von Biogasanlagen KTG Energie gerät immer stärker in den Sog des strauchelnden Mutterkonzerns KTG Agrar. Der Agrarkonzern hält 52 Prozent an KTG Energie und musste vor einer Woche eingestehen, dass er die fälligen Zinsen seiner Unternehmensanleihe nicht pünktlich zahlen kann.  

Während KTG Agrar am Kapitalmarkt immer mehr an Rückhalt verliert – die Aktie notiert inzwischen 60 Prozent unter dem Stand von Ende Mai – gerät nun auch KTG Energie stark unter Druck. Seit der Hiobsbotschaft der Konzernmutter vergangene Woche hat die Aktie von KTG Energie knapp 40 Prozent an Wert verloren. Die 50 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe mit Fälligkeit im Jahr 2018 ist auf rund 60 Prozent ihres Nennwerts eingebrochen. Die Ablaufrendite ist auf über 30 Prozent explodiert. Auch die Ratingagentur Creditreform reagierte: Am vergangenen Mittwoch setzte sie das Rating von KTG Energie (BB+) mit Verweis auf die prekäre Lage des Mutterkonzerns auf „watch“.

KTG Agrar kann Kredit angeblich nicht fällig stellen

Creditreform sorgt sich um „die Finanzierungsbeziehungen zwischen den beiden Unternehmen, ebenso die Corporate-Governance-Risiken“. Die Sorge scheint berechtigt, denn KTG Agrar ist ein wichtiger Darlehensgeber von KTG Energie. Die Biogastochter steht aktuell laut eines Unternehmenssprechers noch „mit einem Betrag zwischen 30 und 31 Millionen Euro“ bei KTG Agrar in der Kreide.

Die Schulden stammen aus der Aufbauphase von KTG Energie. Damals hatte das Energieunternehmen noch keine eigene Anleihe begeben. Der Ankauf von Biogasanlagen wurde vornehmlich über die Gesellschafterdarlehen der Mutter finanziert. KTG Agrar schuf sich auf diese Weise einen Absatzkanal für die hauseigenen Feldfrüchte und Ernteabfälle. Diese werden in Biogasanlagen verfeuert und bringen über diese Umwandlung in subventionierte Energie einen deutlich höheren Ertrag.

Diese Symbiose könnte nun beiden Unternehmen zum Verhängnis werden, auch wenn die Ausgangslage unterschiedlich ist. Die Finanzlage von KTG Agrar ist hochgradig prekär und gibt großen Anlass zur Besorgnis. Bei KTG Energie zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Das Unternehmen ist operativ auf Kurs: Im abgelaufenen Geschäftsjahr stiegen der Umsatz um 26 Prozent auf 88,9 Millionen Euro und das Ebitda um 13,6 Prozent auf 25 Millionen Euro.

Der Biogasproduzent hat bereits damit begonnen, die finanzierungsseitigen Bande zu KTG Agrar zu lockern. So summierten sich die Außenstände gegenüber der Konzernmutter vor einem dreiviertel Jahr noch auf über 35 Millionen Euro. Mit der Finanzierung fühlt sich KTG Energie offenbar sicher: „Der verbleibende Kredit kann von KTG Agrar frühestens im Jahr 2021 fällig gestellt werden“, erklärte ein Unternehmenssprecher gegenüber FINANCE.

KTG Energie ist mit 6,7x Ebitda verschuldet

Die Investoren beunruhigt jedoch, dass die Schieflage der Konzernmutter für KTG Energie vermutlich trotzdem zu früh kommt. CEO Thomas Berger ist gerade erst dabei, die Finanzrisiken von KTG Energie einzudämmen, die der Aufbau des Anlagenparks erzeugt hat. Da ist zum einen der Schuldenstand: Inklusive des Darlehens von KTG Agrar war KTG Energie zum jüngsten Bilanzstichtag (31. Oktober 2015) netto mit 186,9 Millionen Euro verschuldet. Das entspricht einem Leverage von 7,5x Ebitda des vergangenen Jahres und von 6,7x auf Basis der Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr von 28 Millionen Euro.

Auch Bergers strategischer Masterplan im Finanzierungsbereich nimmt nur langsam Gestalt an. Er will die Passivseite nach und nach auf Projektfinanzierungen auf Ebene der einzelnen Biogasanlagen umstellen. Für diese besicherten Bankkredite gibt es KfW-Förderungen, der Zinssatz liegt laut Unternehmensangaben bei unter 3 Prozent. Die so zufließenden Mittel sollen in die Tilgung des KTG-Darlehens und der Mittelstandsanleihe fließen.  

Kann KTG Energie die Expansion noch rechtzeitig stoppen?

Das funktioniert tatsächlich, aber nur langsam: Die Bankschulden von KTG Energie stiegen im zurückliegenden Geschäftsjahr von 100,7 auf 110,6 Millionen Euro. Die Schulden gegenüber KTG Agrar sind im gleichen Zeitraum um 9,5 Millionen Euro zurückgegangen. Berger nutzt die aus den Projektfinanzierungen zufließenden Mittel also erkennbar für Tilgungen gegenüber KTG Agrar.

Den operativen Cashflow von zuletzt 20 Millionen Euro setzte er allerdings nicht ein, um die Finanzrisiken weiter zu senken, sondern investierte den Cashflow zum größten Teil in den Zukauf und die Aufrüstung weiterer Biogasanlagen. Dies droht sich nun zu rächen. Zwar verspricht auch KTG Energie, dass die Investitionsphase jetzt abgeschlossen sei. Aber das hat auch KTG-Agrar-Chef Siegfried Hofreiter seit Jahren angekündigt, ohne dass er den gefährlichen Expansionskurs gestoppt hätte. Die Schwierigkeiten, in die sich sein Geschäftspartner Hofreiter damit gebracht hat, dürften Berger eine Warnung sein.

Die große Frage ist, ob Berger noch umsteuern kann. Auch seine Bankpartner werden jetzt wohl zunächst abwarten, wie es mit KTG Agrar weitergeht. Schließlich hätte eine Insolvenz von KTG Agrar auch für die Bonität der Mehrheitsbeteiligung KTG Energie negative Folgen. Außerdem ist Hofreiters Konzern der mit Abstand wichtigste Lieferant von KTG Energie. Ebenso kursiert am Kapitalmarkt die Frage, wie sicher die Biogastochter tatsächlich vor einer frühzeitigen Zahlungsaufforderung durch KTG Agrar ist. Ein Insolvenzverwalter – sollte er bei KTG Agrar nötig werden – würde diese potentielle Liquiditätsquelle zumindest prüfen. 

KTG Energie mit deutlich besserer Prognose als KTG Agrar

Der zweite Unsicherheitsfaktor ist die Mittelstandsanleihe, die in 27 Monaten fällig wird. Wie viel Geld könnte Berger in der verbleibenden Zeit über die Aufnahme von Projektdarlehen noch auftreiben, um die Anleiheschulden notfalls ohne Refinanzierung tilgen zu können? Das ist die entscheidende Frage.

Immerhin bekäme er Rückenwind vom freien Cashflow. Dieser lag zuletzt bei 5 Millionen Euro und dürfte deutlich anziehen, wenn es Berger gelingen sollte, die Biogasanlagen weiterhin auszulasten und er gleichzeitig auf Investitionen in zusätzliche Anlagen verzichtet.

Weil die operativen Finanzkennzahlen von KTG Energie um Längen besser sind als die von KTG Agrar, könnte es dem Unternehmen tatsächlich gelingen, sich operativ und finanziell von der Mutter zu lösen. Dies ist zumindest eine reelle Möglichkeit. Doch solange sich das weitere Schicksal von KTG Agrar nicht geklärt hat, dürften die Investoren zunächst weiter auch auf Abstand zu KTG Energie bleiben.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Mehr Berichte zu KTG Agrar gibt es auf der FINANCE-Themenseite zu KTG Agrar. Eine ausführliche Analyse zur Lage und den Finanzierungsoptionen von KTG Agrar finden Sie in der FINANCE-Ausgabe 4/2015, die als epaper hier erhältlich ist.