Sympatex

13.09.17
Finanzierungen

Sympatex-Mutter will Schuldenschnitt bei Mini-Bond

Der Outdoor-Ausrüster Sympatex schockt seine Anleihegläubiger, sie müssen auf mindestens 90 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Viele Bondholder werden jetzt wehmütig an eine Deal-Opportunität von vor zwei Jahren denken.

Schock für die Gläubiger der 13 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe des Outdoor-Ausrüsters Sympatex: Wollen sie eine Insolvenz der Münchener abwenden, müssen sie auf mindestens 90 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Das teilte Sympatex‘ Mutterkonzern Smart Solutions am heutigen Mittwoch mit.

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Sympatex-Anleihe stürzt ab

Nach Darstellung des Managements befindet sich der Mittelständler in einer „wirtschaftlichen Krise“. Um das Aus abzuwenden, hat Smart Solutions ein Konzept für die Restrukturierung des Mini-Bonds vorgelegt, über das die Gläubiger nun am 4. Oktober auf einer Gläubigerversammlung abstimmen sollen. Dem Konzept zufolge soll ein nicht näher genannter Investor Sympatex übernehmen. Der Kaufpreis für die Geschäftsanteile liegt bei 1 Euro. Zusätzlich verpflichtet sich der Käufer, 1,3 Millionen Euro an die Bondholder auszuzahlen.

Um Zugriff auf diesen Betrag zu erhalten, müssen die Bondholder vorab auf 90 Prozent ihres eingesetzten Kapitals sowie die Auszahlung des seit Dezember 2016 laufenden Zinskupons verzichten. Dann würde der Mini-Bond vorzeitig zurückgezahlt werden. Die Vorgehensweise ist laut Smart Solutions mit dem Gläubigervertreter One Square Advisors abgestimmt, das Konzept selbst laut One Square allerdings nicht. Dieses verspreche eine höhere Rückzahlung als in „einem hypothetischen Insolvenzszenario der Emittentin“, schreibt das Unternehmen. One Square will die Bondholder nächste Woche über ihre Handlungsmöglichkeiten informieren.

Die Folgen für den Anleihekurs der Sympatex-Muttergesellschaft Smart Solution sind erwartungsgemäß. Notierte das Papier am gestrigen Dienstagabend noch bei 30 Prozent, steht es mittlerweile bei 7,5 Prozent.

Sympatex schreibt tiefrote Zahlen

Die heute präsentierten Geschäftszahlen für 2016 zeigen, wie groß die Schieflage von Smart Solutions ist. Demnach ist der Umsatz von 40,3 auf 26,1 Millionen Euro eingebrochen. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich der Verlust von 3,6 auf 5,1 Millionen Euro. Im Gegensatz zum Umsatzeinbruch überrascht die weitere Verschlechterung der Ertragslage, schließlich war im April 2016 der Verkauf der Problemsparte Ploucquet gelungen. Dies hatte das Management damals zuversichtlich gestimmt, die Anleihe wie geplant bedienen zu können.

Sympatex galt aber spätestens seitdem als einer der Wackelkandidaten unter den Mini-Bond-Emittenten. Zuletzt hatte es schon für Argwohn gesorgt, dass das sonst vergleichsweise kommunikationsfreudige Unternehmen kaum noch Mitteilungen verschickte. Auch die Geschäftszahlen für 2016 hätten eigentlich schon vor Wochen vorgelegt werden sollen.

Besonders bitter für die Bondholder, deren Forderungen nun größtenteils verloren zu sein scheinen: Sympatex hatte bereits im Herbst 2015 versucht, umzuschulden. Seinerzeit wollte das Unternehmen eine Call-Option für die bis 2018 laufende Anleihe einbauen, die eine vorzeitige Rückzahlung ermöglicht hätte. Doch bei beiden Gläubigerversammlungen wurde die Mindestanwesenheitsquote nicht erreicht.

An diese verpasste Möglichkeit dürften viele Bondholder zurückdenken. Das Angebot damals: Sympatex wollte die Anleihe Ende 2016 zu 101 Prozent zurückzahlen oder danach zu einem Kurs von 100 Prozent.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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