Der Schokoladenhersteller Halloren hat ein Schuldscheindarlehen begeben – trotz zuletzt durchwachsener Zahlen.

Halloren

21.11.14
Finanzierungen

Halloren platziert Schuldscheindarlehen

Der traditionsreiche Schokoladenhersteller Halloren hat zwei seiner drei Anleihen abgelöst und ein Schuldscheindarlehen platziert. Das hohe Vertrauen der Geldgeber überrascht, denn gestern vorgelegte Zahlen weisen Verluste aus.

Die Schokoladenfabrik Halloren aus Halle/Saale hat erneut den Kapitalmarkt angezapft: Nachdem das Unternehmen in den vergangenen Jahren bereits drei Anleihen im Gesamtvolumen von 30 Millionen Euro begeben hat, konnte es diesmal ein Schuldscheindarlehen in Höhe von 23,5 Millionen Euro platzieren. Das Papier wurde von institutionellen Investoren aus dem Landesbanken-, Sparkassen- und Genossenschaftsbankenbereich aus Deutschland und Österreich gezeichnet. Der Schuldschein ist in zwei Tranchen unterteilt, eine hat eine Laufzeit von drei Jahren, eine von fünf Jahren. Beide werden variabel verzinst. Die Platzierung wurde von dem Corporate-Finance-Haus Equinet arrangiert, das vor rund einem Jahr auch schon den kleinvolumigen Schuldschein des Technologieunternehmens First Sensor an den Markt gebracht hatte.

Mit dem Schuldscheindarlehen sollen nun die Anleihen aus den Jahren 2009 und 2012 vollständig abgelöst werden. Die beiden Papiere haben jeweils einen Nennwert von 10 Millionen Euro und einen Kupon von 6,25 Prozent. Die 2009 begebene Anleihe ist vergangene Woche ausgelaufen und wurde planmäßig getilgt. Die Anleihe aus dem Jahr 2012 wurde bereits im Juni vorzeitig abgelöst und ebenfalls zurückbezahlt – aufgrund der „derzeitig niedrigen Zinsen im Kapitalmarkt“, wie Halloren CFO Andreas Stuhl gegenüber FINANCE erklärt. Die für beide Tilgungen abgeflossenen Mittel hat Halloren nun durch den Schuldschein wieder kompensiert. Im Markt befindet sich jetzt noch eine letzte Anleihe im Wert von 10 Millionen Euro, die ebenfalls einen Kupon von 6,25 Prozent trägt.

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Halloren rutscht ins Minus

Mit dem nun platzierten Schuldscheindarlehen bewegt sich Halloren im Bereich einer höheren Bonität, denn die Anforderungen an Darlehensnehmer sind in der Regel höher als bei Anleihen: So muss idealtypischerweise unter anderem die Eigenkapitalquote höher als 20 Prozent sein, während die Nettofinanzschulden im Verhältnis zum Ebitda in der Regel niedriger als 3,5x sind. Die Kapitalgeber sprechen dem traditionsreiche Schokoladenhersteller damit ein hohes Vertrauen aus.

Und das, obwohl der Halloren sich derzeit in einem schwierigen Umfeld bewegt: Erst gestern legte das Unternehmen aktuelle Quartalszahlen vor, die ein durchwachsenes Bild zeichnen. Zwar erhöhte sich der Konzernumsatz in den ersten neuen Monaten um 11,3 Prozent auf 71 Millionen Euro.  Doch das Ebitda ist um 1,6 Millionen auf 1,7 Millionen Euro gesunken und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern ist mit minus 0,9 Millionen Euro sogar ins Minus gerutscht (Vorjahr: 1 Million Euro).  

Auch die aktuelle Eigenkapitalquote liegt mit 19,7 Prozent an der unteren Grenze dessen, was am  Schuldscheinmarkt üblich ist. Im Vorjahreszeitraum lag sie noch bei 22 Prozent. Die Nettofinanzschulden von aktuell 39,2 Prozent entsprechen in etwa dem fünffachen Ebitda des abgelaufenen Jahres, das sich in diesem Jahr nicht nennenswert verändern soll. Auch dieser Wert liegt außerhalb des schuldscheinüblichen Rahmens.

Gestiegene Rohstoffpreise belasten

Die derzeit negative Entwicklung führt das Unternehmen zum einen auf die Konsolidierung des jüngst akquirierten Unternehmens Bouchard zurück. Im Juni 2013 war Halloren eine strategische Partnerschaft mit dem belgischen Pralinen- und Schokoladenhersteller eingegangen. In den Zahlen der vergangenen neun Monate schlägt sich auch nieder, dass Januar bis August die „Sauregurkenzeit“ der Schokoladenhersteller ist, wie Halloren-CFO Andreas Stuhl sagt: „Dass wir Verluste in diesen Monaten machen würden, war abzusehen, damit haben wir gerechnet“. Die „Schokoladenzeit“ von September bis Dezember werde die Verluste wieder gutmachen, erwartet der CFO.

Zu schaffen machen Halloren aber auch die gestiegenen Rohstoffpreise, die sich zunehmend auf die Ertragssituation auswirken, sagt Halloren-Chef Klaus Lellé. So lägen die Preise für Kakaobohnen und Kakaobutter deutlich über dem Preisniveau der vergangenen zwei Jahre. Dennoch zeigt sich Lellé optimistisch: „Wir halten an unseren mittel- bis langfristigen Erfolgszielen fest und planen für das Gesamtjahr ein Umsatzwachstum von 6 Prozent auf voraussichtlich 125 Millionen Euro“. Im Geschäftsjahr 2013 lag der Umsatz bei knapp 118 Millionen Euro. Die vor wenigen Wochen geschlossene Partnerschaft mit dem US-Unternehmen Charlie Investors soll dabei ein Wachstumstreiber sein.

julia.becker[at]finance-magazin.de