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06.03.15
Finanzierungen

Neue FINANCE-Studie: Der Schuldschein im Aufwind

Der Schuldschein ist das Finanzinstrument der Stunde. Irgendwo zwischen Kredit und Anleihe angesiedelt, erfreut er sich bei kleinen und großen Unternehmen großer Beliebtheit. Woran das liegt und warum ihn sowohl CFOs als auch Investoren schätzen, zeigt eine neue Studie.

2,2 Milliarden Euro – im Januar hat ZF Friedrichshafen das bis dato größte Schuldscheindarlehen überhaupt in Deutschland platziert. Der Erfolg kam überraschend, denn als das ZF-Finanzteam Ende des vergangenen Jahres die Transaktion vorbereitete, ging es zunächst lediglich darum, ein auslaufendes Schuldscheindarlehen über 400 Millionen Euro zu refinanzieren.

Der Boom des Schuldscheins zeichnete sich bereits seit dem zweiten Halbjahr 2014 ab. So platzierte der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport Ende Oktober ein Papier über 350 Millionen Euro, und United Internet emittierte Ende November ein Schuldscheindarlehen über 600 Millionen Euro. Bereits zur Jahresmitte hatte Steag ein Schuldscheindarlehen über 400 Millionen Euro platziert, ursprünglich hatte der Essener Stromerzeuger lediglich 150 Millionen Euro bei den Investoren einnehmen wollen. „Aufgrund der großen Resonanz aus dem Kapitalmarkt haben wir das Emissionsvolumen aber fast verdreifacht“, sagt Alexander Fromme, Head of Finance bei der Steag, gegenüber FINANCE. Der Deal erleichterte den Verkauf an das Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr (KSBG).

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Image als Qualitätssegment

Warum erfreut sich der Schuldschein mittlerweile so großer Beliebtheit? Was schätzen Anleger und Investoren? Eine neue Studie von FINANCE in Kooperation mit der IKB Deutsche Industriebank zeigt nun erstmals, welche Erfahrungen Emittenten von Schuldscheinen machen, und was Investoren von ihnen verlangen. Insgesamt 193 Unternehmen und 218 Investoren haben die Fragen ganz oder teilweise beantwortet. In Tiefeninterviews kamen Finanzentscheider des Energieerzeugers Steag (Essen), des Logistikers Hoyer (Hamburg) und der Immobiliengesellschaft Zech Group (Bremen) zu Wort.

Die meisten Emittenten nutzen ihren Schuldschein dazu, ihre Finanzierung zu diversifizieren. Der Kostenaspekt hat nicht die höchste Priorität, im Vordergrund steht eher ein strategisches Kalkül. „Als Familienunternehmen wollen wir uns nicht von wenigen Banken abhängig machen“, sagt beispielsweise Hoyer-CFO Gerd Peters. Ihm sei es wichtig, den Investorenkreis zu erweitern und sich bei den Banken alle Möglichkeiten für Akquisitions- und  Projektfinanzierungen freizuhalten. Somit ist der Schuldschein häufig kein Kreditersatz, sondern ergänzt meist kurzfristiger laufende bilaterale oder syndizierte Darlehen.

Den Ausschlag für den Schuldschein gibt in der überwiegenden Mehrzahl die schlanke und einfache Dokumentation, zeigt die Befragung unter Emittenten. Im Gegensatz zu einer Anleihe ist zudem kein externes Rating nötig. Wie sich bei der Investorenbefragung zeigt, kann eine externe Bonitätseinschätzung – bevorzugt von einer der großen Ratingagenturen – aber nicht schaden.

Qualitätssegment Schuldschein

Stehen mittelständische Emittenten derzeit vor der Wahl Mittelstandsanleihe oder Schuldschein, dann schlägt das Pendel häufig zugunsten des Schuldscheins aus. Durch viee Insolvenzen ist die Mittelstandsanleihe bei vielen potentiellen Emittenten in Misskredit geraten. Besonders im vergangenen Jahr ist es dem Schuldscheinmarkt gelungen, sich gegenüber den Mini-Bonds als Qualitätssegment zu positionieren.

Ein wichtiger Grund: Wie sich in der FINANCE-Studie zeigt, bevorzugen die Investoren Investmentgrade-Unternehmen. Mehr als die Hälfte der befragten Emittenten verfügt über eine hochklassige Bonität und pochen häufig auch auf strenge Covenants. Ein schwächeres  Rating ist allerdings kein komplettes Ausschlusskriterium. „Der starke Wettbewerb drückt sich in einem Kampf um Konditionen aus“, erklärt Tilo Kraus, Head of Financial Markets bei der IKB. „Dabei machen Anleger auch Kompromisse in der Kreditqualität im Vergleich zur Historie des Schuldscheinmarktes.“

Immerhin mehr als jeder fünfte befragte Investor würde auch Papiere aus den bonitätsschwächeren Sektoren zeichnen. „Momentan beobachten wir keinen Verfall der Dokumentationsstandards“, fügt IKB-Experte Kraus hinzu. Allerdings sei nicht auszuschließen, dass die Risikomechanismen weniger werden – und es könnte darüber hinaus zu Problemen kommen, wenn die Konjunktur einmal deutlich nachgibt. Doch das ist momentan Zukunftmusik, zumindest solange die EZB die Märkte mit Liquidität flutet.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Die neue Studie

Die neue Studie „Der Schuldschein im Aufwind“ können Sie hier bestellen. Einen ausführlichen Artikel zur neuen Studie finden Sie in der neuen März-/April-Ausgabe von FINANCE.