Der Windturbinenhersteller Nordex will mit einem Schuldschein bis zu 500 Millionen Euro einspielen und so den Acciona-Deal finanzieren.

Nordex

21.03.16
Finanzierungen

Nordex bringt Jumbo-Schuldschein auf den Markt

Der Windturbinenhersteller Nordex will per Schuldschein bis zu eine halbe Milliarde Euro einspielen. Um das Papier anzupreisen, greifen die Hamburger in die Trickkiste.

Der Windturbinenhersteller Nordex will in den kommenden Tagen einen Schuldschein platzieren. Das sagte Finanzvorstand Bernard Schäferbarthold am heutigen Montag auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt.

Der Schuldschein werde seit zwei Wochen vermarktet. „Wir können uns ein Volumen von bis zu 500 Millionen Euro vorstellen“, sagte der CFO. Das genaue Volumen konnte er nicht nennen, da Nordex sich noch in der Platzierungsphase befindet. Nordex will die Emission in den kommenden zwei Wochen abschließen.

Der Schuldschein soll in vier Tranchen unterteilt sein, die über drei, fünf, sieben und zehn Jahre laufen. Die Vermarktungsspanne liege über alle Tranchen hinweg zwischen 1,5 Prozent und bis zu 2,7 Prozent Zinsen.

Nordex plant ersten Green Schuldschein

Dass Nordex das Finanzierungsinstrument Schuldschein prüfen würde, hatte der CFO bereits im Herbst des vergangenen Jahres gegenüber FINANCE angekündigt. Bei der Vermarktung hat der CFO sich einen Kniff einfallen lassen: Der Schuldschein sei der weltweit erste sogenannte „Green Schuldschein“. Dabei hält sich Nordex an die Vorgaben des Nachhaltigkeitsstandards der Climate Bonds Initiative (CBI). Nordex muss dafür unter anderem regelmäßig vorweisen, dass die Erlöse aus dem Schuldschein für nachhaltige Projekte genutzt werden.

Nordex setzt sich mit dem Green Schuldschein von der Masse an Schuldscheinemittenten ab. In den vergangenen Wochen platzierte der Automobilkonzern Porsche einen Schuldschein über 1,1 Milliarden Euro. Das Telekommunikationsunternehmen Freenet nahm über einen Schuldschein 560 Millionen Euro ein.  Bereits im Jahr 2015 hat der Schuldscheinmarkt mit 19 Milliarden Euro ein Rekordvolumen erreicht.  „Das Orderbuch füllt sich gut“, gab Nordex-CFO Schäferbarthold als Zwischenstand bekannt.

Nordex kurz vor dem Abschluss der AWP-Übernahme

Das Geld will Schäferbarthold, der spätestens Ende dieses Jahres zum Automobilzulieferer Hella wechselt, nutzen, um die 785 Millionen Euro schwere Übernahme des spanischen Wettbewerbers Acciona Windpower zu finanzieren. Der M&A-Deal stehe kurz vor dem Abschluss. Man sei dabei die letzten vertraglichen Vereinbarungen umzusetzen. Das Closing erwarten die Hamburger für Anfang April.

Nordex gab auch die Geschäftszahlen für 2015 bekannt. Der Windturbinenbauer erwirtschaftete mit 2,4 Milliarden Euro 40 Prozent mehr Umsatz. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg um 62 Prozent auf 126 Millionen Euro. Die Nordex-Aktie brach im Tagesverlauf trotzdem um zwischenzeitlich über 7 Prozent ein, da der Ausblick vorsichtig ausgefallen ist und das Management auf die Zahlung einer Dividende verzichtet.

jakob.eich[at]finance-magazin.de