Geld & Liquidität
02.02.17

Erster Super-Senior-Kreditfonds Deutschlands

Berenberg baut Private-Debt-Geschäft aus

Von Michael Hedtstück

Die Berenberg Bank lanciert erstmals in Deutschland einen Kreditfonds, der Super-Senior-Tranchen für Unitranche-Finanzierungen ausreicht. Die Private-Debt-Fonds haben eine solche Innovation dringend nötig.

Zentrale der Berenberg Bank in Hamburg: Die Privatbank baut ihr Geschäft mit Private Debt in Deutschland aus.

Berenberg Bank

Zentrale der Berenberg Bank in Hamburg: Die Privatbank baut ihr Geschäft mit Private Debt in Deutschland aus.

Deutschlandpremiere: Als erste Bank hierzulande hat die Berenberg Bank von einem institutionellen Investor aus Deutschland einen dreistelligen Millionenbetrag erhalten, um damit in einen speziellen Teil von Private-Debt-Finanzierungen zu investieren – die so genannten „Super-Senior Term Loans“. Dabei handelt es sich um die sichersten, vorrangigen Bestandteile einer Unitranche-Finanzierung. Unitranches stellen vor allem Fonds aus dem Bereich Private Debt zur Verfügung. Private-Equity-Häuser nutzen sie regelmäßig als Alternative zur klassischen Akquisitionsfinanzierung von Banken.

Unitranches kamen vor etwa vier Jahren auch auf dem deutschen Markt an und konnten sich hier zwischenzeitlich einen fast 30-prozentigen Anteil bei Private-Equity-Finanzierungen sichern – im Ausland sogar noch mehr. Aus Sicht der Kreditnehmer liegt ihr größter Vorteil in ihrer schnellen Verfügbarkeit und der stärker unternehmerischen Sichtweise der Kapitalgeber. Zudem ermöglichen Unitranches höhere Verschuldungsraten als klassisch-tranchierte Bankfinanzierungen. Die schnellen Finanzierungszusagen und die überdurchschnittlichen Risiken machen Unitranches aber auch teurer und ausfallgefährdeter. Der Preisnachteil gegenüber den Bankprodukten hat die Private-Debt-Fonds 2016 in Deutschland viele Deals gekostet.

Berenberg nimmt auch Unternehmensanteile als Sicherheit

„Wir können auch Asset-light-Unternehmen finanzieren“: Berenberg-Manager Lars Hagemann.

Berenberg Bank

„Wir können auch Asset-light-Unternehmen finanzieren“: Berenberg-Manager Lars Hagemann.

Hier will die Berenberg Bank ansetzen und Allianzen mit Debt-Fonds schließen, um den Preis für Unitranche-Finanzierungen zu drücken: „Unsere Super-Senior-Tranchen machen Unitranches für die Kreditnehmer günstiger und flexibler“, beschreiben Lars Hagemann, Berenberg Structured-Finance-Chef, und Henning Tietjen, Produktverantwortlicher bei Berenberg, gegenüber FINANCE das Grundprinzip des neuen Berenberg-Fonds.

Während eine Unitranche aktuell im Schnitt mit 6 bis 7 Prozent verzinst wird, liegen Super-Senior-Tranchen eher bei 3 Prozent. Zusammengenommen könnte ein Debt-Fonds einem Unternehmen so einen Zins von unter 6 Prozent anbieten, ohne dabei von seinen Renditeerwartungen abrücken zu müssen. Die CFOs der finanzierten Unternehmen wiederum müssen sich nicht mit einer zusätzlichen Kreditdokumentation vertraut machen, da die Super-Senior-Finanzierung Teil des Unitranche-Pakets ist.

Doch die Allianz hat auch Schattenseiten. Da das Ausfallrisiko des finanzierten Unternehmens durch die Hereinnahme einer Super-Senior-Tranche aber nicht nennenswert sinkt, bezahlen die Debt-Fonds ihre stärkere Schlagkraft mit einem höheren Verlustrisiko. Berenberg erhält als Super-Senior-Gläubiger den ersten Zugriff auf die Kreditsicherheiten. „Das heißt nicht, dass wir keine Asset-light-Unternehmen finanzieren können, die über wenige materielle Sicherheiten verfügen“, argumentiert Hagemann. „In solchen Fällen stellen wir bei entsprechender Cashflow-Stärke auch auf die Unternehmensanteile als Sicherheit ab.“

Schon sechs Deals im neuen Berenberg-Fonds

Setzt auf Co-Investments: Henning Tietjen aus dem Structured-Finance-Team der Berenberg Bank.

Berenberg Bank

Setzt auf Co-Investments: Henning Tietjen aus dem Structured-Finance-Team der Berenberg Bank.

Die Hamburger Privatbank ist nun die erste Bank, die ein Super-Senior-Produkt für Unitranches nach Deutschland bringt. In London gibt es dies schon länger. Dort haben schon 2015 die ersten Private-Debt-Fonds Allianzen mit Großbanken wie Barclays oder Royal Bank of Scotland geschlossen, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern.

Laut Investmentmanager Hagemann wird der Berenberg Super-Senior-Kreditfonds auch Transaktionen in Österreich und der Schweiz finanzieren. Obwohl der Fonds erst kurz vor dem Jahreswechsel geschlossen worden ist, befinden sich in ihm schon sechs Kredite. Das liegt daran, dass Berenberg schon seit 2014 Super-Senior-Tranchen ausreicht, diese bislang aber stets auf die eigene Bilanz genommen hat.

„Seit 2014 haben wir als Bank eine zweistellige Zahl an Super-Senior-Transaktionen mit Unitranche-Fonds arrangiert, zum Beispiel die Finanzierung des Erwerbs der schweizerischen SF Filter-Gruppe durch den Investor Ambienta“, berichtet Hagemann. Zu den Unitranche-Anbietern, an deren Seite Berenberg investiert hat, zählen Branchenführer wie Alcentra, Bluebay und der Private-Debt-Arm der US-Investmentbank Goldman Sachs.

„Fünf dieser Deals haben wir in Teilen in den Fonds transferiert, der sechste Deal ist ein Neu-Investment, das wir direkt mit dem Fonds getätigt haben.“ Damit ist der Fonds nach Aussage von Berenberg aber erst zu 30 Prozent ausinvestiert. Das Potenzial ist laut Tietjen zudem noch wesentlich höher als die bislang noch nicht investierten Fondsmittel: „Berenberg wird auch weiterhin Co-Investments tätigen und diese Kredite anteilig auf die eigenen Bücher nehmen.“

Das hat auch Folgen für das Spektrum, in dem der neue Kreditfonds handlungsfähig ist. Den „Sweet Spot“ sieht Hagemann zwar bei Transaktionen mit einem Unternehmenswert von 100 bis 300 Millionen Euro. „Aber mit der Unterstützung der Bank kann der Super-Senior-Fonds auch bei Large-Cap-Transaktionen aktiv werden.“

Ziehen die anderen Banken mit Super-Senior-Angeboten nach?

Möglicherweise würde die Berenberg Bank selbst damit ihre Grenze noch nicht erreichen, denn die Hamburger scheinen entschlossen zu sein, ihren Pioniervorsprung zu nutzen, um sich mit einer starken Marktposition in der Unitranche-Nische festzusetzen: „Wir wollen diese Anlageklasse mittelfristig auch noch für mehr institutionelle Investoren öffnen“, kündigt Hagemann an.

Dann könnte es auch zu einer Expansion aus dem Private-Equity-Markt heraus kommen. „Grundsätzlich ist eine Investitionsstruktur, wie wir sie haben, auch bei Corporate-Transaktionen oder in Restrukturierungssituationen möglich“, glaubt Hagemann. Dies wäre allerdings Neuland, da die Unitranches außerhalb des Private-Equity-Umfelds bislang noch nicht Fuß gefasst haben.

Dass auch viele andere Banken auf den Zug aufspringen, befürchtet Hagemann nicht: „Die klassischen LBO-Finanzierungsbanken halten Unitranche-Anbieter für Wettbewerber.“ Es gibt empirische Daten, die diese Meinung stützen: Eine aktuelle Umfrage des Beratungshauses Lincoln International unter in Deutschland aktiven LBO-Bankern und Debt-Fonds-Managern hat ergeben, dass jeder zweite befragte Debt-Fonds aktiv Partnerschaften mit Banken einzugehen plant. Die Antwort dürfte aber in vielen Fällen kühl ausfallen: Nur 32 Prozent der Banken stehen diesen Partnerschaften offen gegenüber, hat die Lincoln-Umfrage ergeben.  

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Neue Player, neue Finanzierungen, neue Deals: Viele Hintergründe zum neuen Finanzieurngstrend am deutschen Mid-Market gibt es auf unserer FINANCE-Themenseite zu Private Debt.