Geld & Liquidität
13.06.17

Mehr Senior-, weniger Distressed-Debt

Private Debt konzentriert sich auf Direct Lending

Von Philipp Habdank

Die Investoren von Kreditfonds interessieren sich immer stärker für die direkte Darlehensvergabe an Unternehmen. Doch die Kredite sind teuer und kommen nur für bestimmte Firmen in Frage. So hat sich Private Debt seit 2010 verändert.

Die Private-Debt-Anbieter stemmen seit 2010 immer größere Fondsvolumina. Milliardenfonds sind keine Seltenheit mehr.

Peshkova/iStock/Thinkstock/GettyImages

Die Private-Debt-Anbieter stemmen seit 2010 immer größere Fondsvolumina. Milliardenfonds sind keine Seltenheit mehr.

Rund 50 Kreditfonds operieren nach Expertenschätzung hierzulande inzwischen und wollen mit Unternehmen ins Geschäft kommen. Laut dem auf alternative Assetklassen spezialisierten Datenlieferanten PEI Media interessieren sich die deutschen LPs (Limited Partners), das sind die Geldgeber der Kreditfonds, derzeit überwiegend für Fonds, die, unmittelbar Kredite an Unternehmen vergeben (Direct Lending). 79 Prozent würden Unternehmen adressieren, 12 Prozent zielten auf Immobilien- und die restlichen 9 Prozent auf Infrastrukturprojekte ab.

Das war in Deutschland nicht immer so, da der Immobilien- und Infrastruktursektor zu Beginn des Private-Debt-Booms eine dominierende Rolle eingenommen hatte. Das verdeutlichen auch die seit 2010 geschlossenen und auf Deutschland fokussierten Kreditfonds: 65 Prozent zielten dabei auf Infrastruktur ab, nur 29 Prozent fassten Unternehmen ins Auge.

Mehr als die Hälfte der Debt-Fonds stammen aus den USA

Für Unternehmen in besonderen Situationen kann der mit 7 bis 10 Prozent vergleichsweise hoch verzinste Kredit aus einem Private-Debt-Fonds dennoch interessant sein. Ein Beispiel ist der Quarzglashersteller Qusil, für den der Debt-Fonds Pemberton ein dreistufiges Finanzierungskonzept ausgearbeitet hat (mehr dazu in der Mai/Juni-Ausgabe des FINANCE-Magazins).

Wie Pemberton haben die meisten in Deutschland aktiven Private-Debt-Fonds ihren Hauptsitz im Ausland. Laut PEI-Daten stammen 56 Prozent der Fondsanbieter aus den USA. Deutsche Anbieter hätten einen Marktanteil von 19 Prozent. Der Rest teile sich zu gleichen Teilen zwischen Frankreich und UK auf.

Die dominierende Rolle der ausländischen Fonds spiegelt sich auch in der Höhe des Fundraisings wider. Gemessen am seit 2010 eingesammelten Kapital, sei die Intermediate Capital Group (ICG) aktuell mit über 15 Milliarden Dollar der größte Debt-Fonds-Manager Europas. Auf Platz zwei folgt Ares mit über 10 Milliarden Dollar. Komplettiert werden die Top-Drei von Hayfin mit rund 8 Milliarden. Hayfin ist in Deutschland unter anderem durch das Engagement bei der kriselnden Werkstattkette ATU bekannt.

Private Debt macht keine Distressed-Finanzierungen mehr

Die hohen Fondsvolumina sind keine Einzelfälle mehr. Lag die durchschnittliche Fondsgröße 2010 in Europa noch leicht unter 600 Millionen Euro, knackt sie dieses Jahr fast die Milliardenmarke. Vor allem Private-Equity-Investoren wie Permira oder Ardian hatten zuletzt ihre guten Investorenkontakte genutzt und auch milliardenschwere Kreditfonds aufgelegt.

Gegenüber 2010 hat sich auch der Investitionsfokus der Kreditfonds in Europa verschoben. Teilte sich dieser 2010 noch in etwa zu gleichen Teilen zwischen Senior-, Mezzanine- und Distressed-Debt auf, konzentrieren sich die Kreditfonds 2017 zu rund 70 Prozent auf Senior-Finanzierungen. Rund 20 Prozent nehmen weiterhin Mezzanine-Finanzierungen ein. Das restliche Kapital fließt in Form von CLOs (Collateralized Loan Obligations). Die Distressed-Engagements dagegen haben seit 2013 kontinuierlich an Bedeutung verloren und spielen aktuell überhaupt keine Rolle mehr.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Erfahren Sie mehr über den Wettbewerb zwischen den Kreditfonds auf der Themenseite Private Debt. Einen Überblick über den deutschen Private-Debt-Markt und seine wichtigsten Player finden Sie in der Mai/Juni-Ausgabe des FINANCE-Magazins, das sie hier bestellen oder hier als E-Paper beziehen können.