Geld & Liquidität
12.05.17

1.000 Prozent Wachstum seit 2013

Warum CFOs sich mit Green Bonds beschäftigen müssen

Von Wolfgang Köhler

Der Markt für Green Finance gewinnt gerade extrem an Dynamik. Trotzdem sind deutsche CFOs beim Einsatz von Green Bonds noch immer zu zögerlich. Das sollten sie schnellstens ändern.

Auf der ganzen Welt nimmt die Energiewende dramatisch an Fahrt auf, und mit ihr der Markt für Green Bonds. CFOs sollten diesen Trend nicht verschlafen, warnt Wolfgang Köhler, Kapitalmarktvorstand der DZ Bank.

imacoconut/Thinkstock/Getty Images

Auf der ganzen Welt nimmt die Energiewende dramatisch an Fahrt auf, und mit ihr der Markt für Green Bonds. CFOs sollten diesen Trend nicht verschlafen, warnt Wolfgang Köhler, Kapitalmarktvorstand der DZ Bank.

Auch wenn der neue US-Präsident Donald Trump gerade etwas andere Akzente setzt – es besteht weltweit Konsens, dass nachhaltiges Wirtschaften hilft, die Zukunft unseres Planeten zu sichern. Dies erfordert allerdings erhebliche Investitionen der Privatwirtschaft in eine „grünere“ Wirtschaft, die von der Politik auch aktiv gefördert und eingefordert werden. Die Finanzwirtschaft befindet sich in einer Schlüsselrolle als Finanzierer und Katalysator der gewünschten Entwicklung. 

Großinvestoren verlangen immer stärker nach Green Finance

„Green Finance“, die Finanzierung ökologischer Nachhaltigkeit, erscheint bereits in zahlreichen Facetten: So sind Förderkredite für umweltverbessernde Investitionen oder herkömmliche Darlehen zur Verbesserung der Energieeffizienz schon seit Jahrzehnten im Einsatz, ebenso Projektfinanzierungen für erneuerbare Energien. Auch große institutionelle Investoren messen Nachhaltigkeitskriterien bei ihren Anlagen einen immer höheren Stellenwert bei.

Noch relativ jung ist dagegen das Marktsegment der Green Bonds. Mit der Emission solcher Anleihen verpflichtet sich der Emittent in der Regel, die Emissionserlöse zur Finanzierung von Umwelt- und Klimaschutzprojekten oder anderer „grüner“ Zwecke zu verwenden. Den Grundstein des Marktsegments hat 2007 die Europäische Investitionsbank (Luxemburg) mit der Finanzierung eines Geothermie-Kraftwerks in Island gelegt.

Seitdem ist der Markt stark gewachsen. Allein die KfW hat im vergangenen Jahr Green Bonds mit einem Volumen von 2,8 Milliarden Euro emittiert und damit Projekte finanziert, mit denen 2,2 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden können. Auch andere Förderbanken wie die NRW.Bank profilieren sich verstärkt als Emittenten in diesem Segment. Das weltweit ausstehende Volumen von Green Bonds erreicht inzwischen schon über 170 Milliarden US-Dollar, was einer Steigerung von 1.000 Prozent seit 2013 entspricht. Dennoch machen Green Bonds immer noch erst weniger als 0,2 Prozent des weltweiten Anleihemarktes aus.

2017 kommen für über 100 Milliarden Dollar neue Green Bonds

Unser Research erwartet jedoch, dass allein in diesem Jahr neue grüne Anleihen mit einem Volumen von 105 Milliarden Dollar auf den Markt kommen – Tendenz weiter steigend. Das liegt vor allem daran, dass immer mehr Unternehmen auf den fahrenden Zug aufspringen. Seit dem ersten Corporate Green Bond, begeben vom französischen Energieversorger EDF im November 2013, ist der Anteil der Corporate-Deals an allen Green Bond-Neuemissionen bereits auf ein Drittel gewachsen. Erst vor wenigen Tagen emittierte der deutsche Windanlagenbauer Senvion einen Green Bond, voriges Jahr begab der Konkurrent Nordex sogar als erster Emittent einen Green Schuldschein.

Auf der ganzen Welt erkennen CFOs, dass sie mit Green Bonds eine wachsende Nachfrage von Investoren nach „grünen“ Investments bedienen können. Belege dafür gibt es viele. Beispielsweise schließen sich immer mehr Großanleger freiwillig Initiativen wie dem Carbon Disclosure Project oder den UN Principles for Responsible Investment an und lenken ihre Investitionen dementsprechend um. 

Apple stellt sich mit Hilfe von Green Bonds auf Öko um

CFOs sind beim Thema Green Bonds noch immer zu zögerlich, meint DZ-Bank-Kapitalmarktvorstand Wolfgang Köhler.

DZ Bank

CFOs sind beim Thema Green Bonds noch immer zu zögerlich, meint DZ-Bank-Kapitalmarktvorstand Wolfgang Köhler.

Damit wächst der Kreis an CFOs, für die die Emission eines Green Bonds interessant wird, enorm – und der Trend verstärkt sich sogar noch. Auch Indexanbieter und Fondsgesellschaften entwickeln Produkte, die bei ihren Investitionen nicht mehr auf die Nachhaltigkeit gesamter Unternehmen, sondern beispielsweise auf die „use of proceeds“ einer Anleiheemission abstellen. Damit werden auch Autobauer, Energieversorger und andere große Konzerne investierbar für Großanleger, deren Richtlinien auf Nachhaltigkeit setzen.

So kommt es, dass zum Beispiel Apple im vergangenen Jahr mit einem Green Bond 1,5 Milliarden US-Dollar eingesammelt hat, um damit die Umstellung des Unternehmens auf erneuerbare Energien zu finanzieren. Apple investiert Milliarden in energieeffiziente Heiz- und Kühlsysteme und die stärkere Nutzung von biologisch abbaubaren Materialien. Insgesamt flossen beispielsweise im Jahr 2015 rund 46 Prozent der Erlöse aus Green Bonds in die Erzeugung erneuerbarer Energien, 20 Prozent in die Steigerung von Energieeffizienz, 13 Prozent in die Senkung von CO2- Ausstoß beim Transport, 10 Prozent in die  Wasserversorgung und 6 Prozent in die Reduzierung von Abfall und Umweltverschmutzung.

Deutsche CFOs sind bei Green Bonds zu zögerlich

Doch bei aller Euphorie: Zu diesem boomenden Markt Zugang zu bekommen, ist für CFOs nicht trivial. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass die Mittelverwendung den Kriterien unabhängiger Zertifizierungsagenturen entspricht. Es zeichnet sich ab, dass sich das Zertifikat der Climate Bonds Initiative (CBI) am Markt als Standard durchsetzt. Es folgt den Green Bond Principles, die von der International Capital Market Association (ICMA) entwickelt und von 122 Investoren, Emittenten und Underwritern unterzeichnet wurden.

Leider sind deutsche Unternehmen bei der Emission von Green Bonds noch immer zögerlich – ganz anders als chinesische oder US-Unternehmen. Dabei täten deutsche CFOs gut daran, sich angesichts der Marktdynamik stärker mit Green Bonds zu befassen. Sicher, viele CFOs haben mit ihrer Kritik Recht: Die Transparenz der Mittelverwendung, der Ablauf der Projektauswahl, die Verwaltung des aufgenommen Kapitals und am Ende auch noch die laufende Berichterstattung bedeuten für eine Finanzabteilung einen signifikanten Mehraufwand. Doch gerade damit wird dieses hohe Maß an Identifikation geschaffen, das einen neuen Typus Investor erschließt und die Investorenbasis des Unternehmens verbreitert.

Die Dynamik bei Green Finance wird die Spreads einengen

Hinzu kommt: Der Aufschwung von Green Finance ist strukturell bedingt, er wird so bald nicht enden. Die politische Agenda wird den Kapitalsammelstellen immer stärkere Anreize geben, ihre Investments an Nachhaltigkeits-Kriterien auszurichten. Auch die öffentliche Hand wird für ihre Mittelaufnahme verstärkt Green Bonds nutzen. Dies wird die Dynamik noch weiter anfachen.

Schon bald wird der Green Bond zu einem vertrauten Refinanzierungsinstrument werden, dessen Besonderheiten von allen Marktteilnehmern geschätzt werden. Wenn dann noch eine steuerliche Förderung hinzukommt, kann dem höheren Aufwand bei der Strukturierung einer Emission schnell ein Kostenvorteil aus niedrigeren Spreads entgegenstehen. CFOs sollten das im Blick behalten.

redaktion[at]finance-magazin.de

Wolfgang Köhler ist Kapitalmarktvorstand der DZ Bank.