Geld & Liquidität
18.02.16

Banken sitzen am längeren Hebel

PE-Investor Perusa droht Karlie zu verlieren

Von Philipp Habdank

Der Onlinehändler Karlie bereitet Perusa Kopfzerbrechen: Das Eigenkapital ist fast aufgebraucht, die Anleihe eingebrochen, und fällige Bankkredite konnten nicht zurückgezahlt werden. Während Perusa die Hände gebunden sind, sitzen die Banken am längeren Hebel.

Karlie liefert dem Münchner PE-Investor Perusa derzeit wenig Grund zur Freude, denn Covenants wurden gebrochen, Kredite nicht bezahlt und das Eigenkapital ist fast aufgebraucht.

Karlie

Karlie liefert dem Münchner PE-Investor Perusa derzeit wenig Grund zur Freude, denn Covenants wurden gebrochen, Kredite nicht bezahlt und das Eigenkapital ist fast aufgebraucht.

Dem Münchner Private-Equity-Investor Perusa bereitet sein Engagement bei Karlie ernste Sorgen. Der Produzent und Händler von Haustierprodukten muss sich „aufgrund der bei der deutschen Tochter Ende des Jahres 2015 ausgelaufenen Kredite neu finanzieren“, wie Perusa-Mitgründer Christian Hollenberg gegenüber FINANCE bestätigte. Da Karlie derzeit eine Restrukturierung durchläuft, sei dies eine besondere Herausforderung.

Weil Karlie laut eigenen Angaben mit dem Jahresabschluss 2014 gegen Kreditvorgaben verstoßen hat, befindet man sich derzeit in einem Schwebezustand, den ein Unternehmenssprecher als „Gentleman Agreement“ bezeichnet. Dabei verzichten die Banken bis auf weiteres auf eine Rückzahlung der Kredite, über deren genaue Höhe das Unternehmen jedoch keine Angaben machte.

Wie wichtig eine Einigung mit den Banken für Karlie ist, zeigt ein Blick in die Halbjahreszahlen für das Geschäftsjahr 2015. Die Bankverbindlichkeiten betrugen zum Halbjahr 17,1 Millionen Euro. Zwar ist wahrscheinlich nicht die komplette Summe fällig geworden, die Bankverbindlichkeiten machen jedoch rund 32 Prozent der Bilanzsumme aus, was den Einfluss der Banken bei Karlie verdeutlicht. Hinzu kommen noch Verbindlichkeiten in Höhe von rund 10 Millionen Euro aus einer im Juni 2013 begebenen Mittelstandsanleihe. 

Perusas Investment in Karlie ist unter Wasser

Perusa, dem Eigentümer von Karlie, sind die Hände gebunden. Das Investment ist „unter Wasser“, wie es im Finanzjargon heißt. Schon dem nachrangigen Fremdkapital spricht der Markt keinen nennenswerten Wert mehr zu – der Anleihekurs notiert bei 10 Prozent. Ein signifikanter Teil der Anleiheschulden befindet sich offenbar auf den Büchern von Perusa selbst. Laut Hollenberg hat sich Perusa bisher noch nicht von Karlie-Bonds getrennt.

Die Anleihe ist zwar erst im Juni 2018 fällig, und die nächste Zinszahlung steht erst im Juni an. Sollten die Verhandlungen mit den Banken um eine tragfähige Lösung jedoch scheitern, droht Karlie schon vorher die Zahlungsunfähigkeit. Das würde auch den Bond treffen. Da Mittelstandsanleihen in der Regel unbesichert sind, stünden die Ansprüche der Bondholder hinter den Interessen der anderen Fremdkapitalgeber, also den Banken, zurück.

Für Perusa zusätzlich brisant: Da der PE-Investor der Eigentümer von Karlie ist, wäre Perusas Anleihevolumen bei einer Gläubigerversammlung nicht stimmberechtigt. Dies dürfte nicht nur die Durchsetzung der eigenen Interessen erschweren, sondern außerdem auch noch die Mobilisierung des für eine Bondrestrukturierung nötigen Mindestquorums von 25 Prozent der Anleiheschulden. Andererseits könnte Perusa die selbst gehaltenen Bonds an einen Investor weiterreichen und sich mit diesem auf eine gemeinsame Strategie verständigen, so wie es kürzlich beispielsweise das Management des angeschlagenen Maschinenbauers Singulus getan hat. 

Perusa steht bei Karlie vor einem Dilemma

Unumstritten ist: Perusa dürfte großes Interesse an einer Verlängerung der Bankkredite haben. Nur dies würde einstweilen das Überleben des Onlinehändlers garantieren und Perusa damit vor dem Reputationsschaden schützen, den eine Insolvenz des vielleicht bekanntesten Portfoliounternehmens nach sich ziehen könnte. Auch für eine Stabilisierung Karlies durch eine zusätzliche Eigenkapitalspritze bräuchte Perusa eine stabile Finanzierungsbasis. Und frisches Eigenkapital dürfte nötig sein, denn die Verluste und Restrukturierungskosten haben das Eigenkapital von Karlie nahezu komplett aufgezehrt: Zum Halbjahr 2015 betrug es nur noch rund 3 Millionen Euro, was einer Eigenkapitalquote von 5,4 Prozent entspricht.

Bei Karlie hat Perusa eine gewagte Buy-and-Build-Strategie verfolgt: Nach dem Kauf der Karlie-Deutschland-Gruppe kaufte der PE-Investor den belgischen Karlie-Konkurrenten Flamingo, die englische Sharples & Grant Gruppe und den chinesischen Fabrikanten Best Quality. Die Zukäufe brachten dem Unternehmen nicht nur eine internationale Aufstellung, sondern auch eine Rückwärtsintegration der Wertschöpfungskette. Finanziert werden sollte dieser Kurs über den Kapitalmarkt. Doch weil schon bei der Emission der Anleihe den Investoren die Risiken sehr hoch erschienen, konnte von den geplanten 30 Millionen Euro nur ein Bruchteil am Mini-Bond-Markt platziert werden.

Ein Exit – ob über die Börse oder durch Verkauf – ist laut Hollenberg derzeit ohnehin kein Thema: „Perusa wird einen Verkauf von Karlie erst nach erfolgreicher operativer Sanierung in Erwägung ziehen“, so Hollenberg. Perusa halte an dem im Jahr 2014 beschlossenen Restrukturierungskonzept fest, genaueres könne aber erst kommuniziert werden, wenn Perusa, die Banken und „weitere Finanzierungsinstitute“ eine Lösung erreicht hätten.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Verfolgen Sie die Krise und Restrukturierungspläne von Perusa mit dem Hersteller von Haustierprodukten auf der FINANCE-Themenseite zu Karlie.

 

Hier finden Sie zudem eine Übersicht über den angeschlagenen Markt für Mittelstandsanleihen