Geld & Liquidität
16.02.17

Großer Ehrgeiz für 2017

Private-Equity-Manager stürzen sich auf neue Deals

Von Michael Hedtstück

Mit starkem Fokus auf Neu-Investments starten die deutschen Private-Equity-Manager ins neue Jahr – auch weil viele von ihnen bald neue Fonds einwerben wollen.

Wegen des Fundraising-Booms? Trotz der hohen Preise sind Private-Equity-Manager heiß auf neue Deals.

Michael Blann / Thinkstock / Getty Images

Wegen des Fundraising-Booms? Trotz der hohen Preise sind Private-Equity-Manager heiß auf neue Deals.

Ungeachtet der teils sehr hohen Unternehmensbewertungen nehmen die Manager von Private-Equity-Fonds mit größerer Vehemenz als im Vorjahr Kurs auf Neu-Investments. Dies ist das zentrale Ergebnis des aktuellen FINANCE Private Equity Panels, für das FINANCE gemeinsam mit der Kanzlei CMS dreimal im Jahr Partner von rund 50 in Deutschland tätigen Private-Equity-Fonds befragt.

53 Prozent der Befragten gaben an, dass sie planen, in den nächsten Monaten mehr Zeit mit der Prüfung von Neu-Investments zu verbringen als im Vorjahr. Bei der Befragung vor einem Jahr lag dieser Anteil nur bei 38 Prozent. Nicht einmal jeder zehnte Befragte plant, bei der Prüfung neuer Deals kürzer zu treten.

Nachfolgeboom: Private Equity setzt auf Familienunternehmen

Dabei ist die Dealtätigkeit schon jetzt sehr ausgeprägt: 2016 reichte der deutsche Mid-Market (Unternehmensbewertungen von 50 bis 250 Millionen Euro) bei Deal-Anzahl und Marktvolumen erstmals seit der Finanzkrise wieder fast an die früheren Rekordwerte heran. Ein attraktives Finanzierungsumfeld, geprägt von einem harten Wettbewerb zwischen Banken und Private-Debt-Fonds, lässt einen weiteren Anstieg durchaus möglich erscheinen.

Die Hoffnungen der Private-Equity-Manager ruhen dabei wie schon im Vorjahr vor allem auf neuen Investitionsgelegenheiten, die sich aus Exits ihrer Kollegen ergeben könnten. Von anderen Private-Equity-Häusern erwarten die von FINANCE befragten PE-Manager mit Abstand am meisten Verkaufsaktivität. Dahinter folgen erstmals seit dem Jahr 2012 nicht Großkonzerne, die Konzernteile abspalten („Spin-offs“), sondern Unternehmerfamilien.

In diese setzt Private Equity bei der Versorgung mit neuen Transaktionsgelegenheiten große Hoffnungen. Der Optimismus fußt auf einer erstaunlichen Entwicklung aus dem vergangenen Jahr: 2016 gab es im deutschen Mid-Market zehn Nachfolgeregelungen, bei denen Finanzinvestoren als neue Eigentümer zum Zug kamen. Das war fast ein Drittel des gesamten Marktvolumens und mehr als in den drei Jahren davor zusammen. 

Agic, OEP, DPE: Die Fundraising-Welle hat begonnen

Die hohe Kaufbereitschaft erklärt sich auch dadurch, dass viele Häuser das gute Marktumfeld nutzen wollen, um neue Fonds einzuwerben und sich damit für mindestens fünf weitere Jahre ihr Auskommen zu sichern: 36 Prozent der FINANCE-Panelisten wollen 2017 mehr Zeit für Fundraising und Investorenpflege reservieren, nur 22 Prozent weniger. Vor einem Jahr war dieses Verhältnis noch nahezu umgekehrt. „Wenn der Dealflow und das Marktumfeld stimmen, ist es nicht verwunderlich, dass die Private Equity-Häuser sich daran machen, frisches Geld von ihren Investoren für neue Deals einzusammeln“, meint Tobias Schneider, Partner der Kanzlei CMS.

Der Druck, bei den Investoren vorstellig zu werden, steigt auch dadurch, dass immer mehr Private-Equity-Häuser ihr Fundraising bereits abgeschlossen und dem Markt damit Kapital entzogen haben. Allein in den vergangenen Tagen schlossen zwei internationale PE-Häuser neue Fonds, die einen nennenswerten Teil dieser Gelder in Deutschland investieren wollen: Die frühere JP-Morgan-Tochter One Equity Partners sammelte 1,65 Milliarden US-Dollar ein, der auf Deutschland und Italien fokussierte, aber in China residierende Fonds Agic 1 Milliarde Dollar.

Schon im Herbst vergangenen Jahres schlugen der Münchener Mittelstandsinvestor DPE Deutsche Private Equity mit 575 Millionen Euro sowie der schwedischstämmige, europaweit  investierende PE-Investor IK Investment Partners mit 1,85 Milliarden Euro zu. Der Marktführer Deutsche Beteiligungs AG hat damit begonnen, den ersten Milliardenfonds seiner Geschichte zu investieren, und nach FINANCE-Informationen sind gerade zahlreiche weitere bekannte Mittelstandsinvestoren am Markt, um neue Fonds einzuwerben. Schon im Frühjahr könnten weitere Fundraisings abgeschlossen werden.
       
michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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