Geld & Liquidität
21.03.17

Verluste bei Konzernmutter

Solarworld verliert fast gesamtes Eigenkapital

Von Antonia Kögler

Neue schlechte Nachrichten vom Photovoltaikunternehmen Solarworld: Nach tiefroten Zahlen muss der Konzern einen drastischen Verlust beim Eigenkapital der Muttergesellschaft melden.

Der Photovoltaikhersteller Solarworld muss weiter kämpfen: Jetzt meldete das Unternehmen einen großen Eigenkapitalverlust bei der Konzernmutter.

Solarworld

Der Photovoltaikhersteller Solarworld muss weiter kämpfen: Jetzt meldete das Unternehmen einen großen Eigenkapitalverlust bei der Konzernmutter.

Der Mutterkonzern des Photovoltaikunternehmens Solarworld hat fast sein gesamtes Eigenkapital verloren. 2016 sank der Eigenkapitalanteil der Solarworld AG drastisch und liegt nur noch bei 2,6 Millionen Euro. Grund dafür war ein Verlust nach Steuern in Höhe von 28,2 Millionen Euro. Das Grundkapital der Gesellschaft reduziert sich damit um mehr als die Hälfte, was die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung zur Folge hat. Auf die neuen Schwierigkeiten reagierte der Aktienkurs des Unternehmens deutlich und brach um 33 Prozent ein, nachdem die Aktie laut Reuters für eine Stunde vom Handel ausgesetzt war.

Grund für den rapiden Schwund seien Rückstellungen und Wertberichtigungen im Zusammenhang mit dem umfassenden Restrukturierungsprogramm, das der Konzern derzeit durchführt. Solarworld hatte im Februar verkündet, sein Geschäft auf monokristalline Produkte zu fokussieren. Dies soll langfristig Kosten sparen, auch ein Stellenabbau ist damit verbunden. Andere Geschäftsfelder werden eingestellt.

„Die Kosten für die eingeleiteten Maßnahmen zur Fokussierung lasten maßgeblich auf der Muttergesellschaft des Konzerns“, zitiert die „Börsenzeitung“ Finanzvorstand Philipp Koecke. Deshalb sei dort das Kapital so stark zurückgegangen. Betrachtet man den Gesamtkonzern, so liegt  das Eigenkapital inklusive aller Einzelgesellschaften Ende 2016 bei 120,5 Millionen Euro, was nach Angaben von Solarworld einer Eigenkapitalquote von 18 Prozent entspricht.

Solarworld 2016 tief in die roten Zahlen gerutscht

Auf die am 10. Februar vorab vermeldeten Konzerngeschäftszahlen für 2016 hat die neue Mitteilung allerdings wohl keine Auswirkung, Solarworld bestätigt die Zahlen und Prognosen. Das Unternehmen ist im vergangenen Geschäftsjahr wieder deutlich in die roten Zahlen gerutscht und meldete einen Verlust vor Zinsen und Steuern von 99 Millionen Euro. Im Vorjahr lag dieses Ergebnis bei etwa minus 4 Millionen Euro.  Auch für 2017 erwartet der Konzern ein negatives Ergebnis, was aber besser als das des abgelaufenen Jahres sein soll.

Solarworld kämpft seit langem mit der großen Konkurrenz durch chinesische Produzenten und war 2013 bereits einmal in einer schweren Krise, wie FINANCE damals berichtet hat. Das Unternehmen konnte seine Schulden nicht zurückzahlen, die Gläubiger akzeptierten einen Schuldenschnitt. Einen Teil der noch aus dieser Zeit ausstehenden Anleiheschulden will das Unternehmen mit einer Sondertilgung begleichen.

Dafür will Solarworld eine Liquiditätsspritze nutzen, die eine neue Kooperation mit Bacanora Minerals bringt. Gänzlich ungewiss ist zudem noch der im Sommer erwartete Ausgang eines Rechtsstreits um eine Schadensersatzklage in den USA, die Solarworld potentiell bis zu 790 Millionen Dollar Kosten könnte. Ein solches Urteil wäre existenzbedrohend. Solarworld hofft jedoch, dass es in Deutschland so schnell nicht vollstreckt werden könnte.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Die gesamte Entwicklung der Solarikone in den vergangenen Jahren können sie auf unserer Themenseite Solarworld nachlesen.

Mehr über den Werdegang des Solarworld-CFOs gibt es im FINANCE-Köpfe-Profil von Philipp Koecke.