Geld & Liquidität
08.08.17

Beate Uhse, Constantin Medien & Co.

Diese Mini-Bonds sind angezählt

Von Philipp Habdank

Der Sommer bringt einige Mini-Bondholder wieder gehörig ins Schwitzen. Mit Alno und Rickmers sind erneut zwei Schwergewichte pleite gegangen. Dazu balancieren Beate Uhse und Sanha am Abgrund, und ein Machtkampf bedroht Constantin Medien.

Banke Blicke werfen Anleihegläubiger derzeit vor allem auf die Mini-Bonds von Beate Uhse, Sanha und Constantin Medien.

Keith Brofsky/Photodisc/Thinkstock/Getty Images.

Banke Blicke werfen Anleihegläubiger derzeit vor allem auf die Mini-Bonds von Beate Uhse, Sanha und Constantin Medien.

Der Sommer fordert den ohnehin schon gebeutelten Mini-Bond-Gläubigern wieder einiges ab. Mit dem Küchenbauer Alno und der Hamburger Reederei Rickmers mussten erneut zwei wichtige Emittenten Insolvenz anmelden. Überraschend kamen die Pleiten zwar nicht. Beide Mittelstandsanleihen galten schon länger als Wackelkandidaten. Mit ihnen verabschieden sich allerdings wieder zwei wichtige und traditionsreiche Spieler vom Mini-Bond-Markt.

Die FINANCE-Watchlist der gefährdeten Papiere dünnt sich damit zusehends aus: Ob KTG Agrar, KTG Energie, Karlie Flamingo, Rene Lezard oder German Pellets – viele Mini-Bond-Patienten haben den Turnaround nicht geschafft und verließen die Watchlist über die Insolvenz. Aktuell sind vor allem die beiden Anleihen von Sanha und Beate Uhse mit Sorge zu betrachten. Sie notieren bei 65 beziehungsweise 35 Prozent.

Sanha streitet mit One Square Advisors

Der Zulieferer für Rohrleitungssysteme Sanha wirbt am Kapitalmarkt trotz schlechter Nachrichten um das Vertrauen seiner Investoren und will die im Juni nächsten Jahres fällige 37,5 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe verlängern. Das Management verspricht, den Bond stückweise zu tilgen und schließlich aus dem Cashflow zurückzuzahlen. Die Gläubiger sollen aber einer Zinssenkung von 7,75 auf 5,5 Prozent zustimmen.

Ein Konzept, an dem die Corporate-Finance-Beratung One Square Advisors scharfe Kritik übt. Das Beratungshaus kritisiert, dass die Cashflow-Planung viel zu optimistisch sei und zweifelt die Werthaltigkeit der von Sanha angebotenen Sicherheiten an. Sanha weist die Zweifel entschieden zurück. Auf einer ersten Gläubigerversammlung fand das Restrukturierungskonzept nach Sanha-Angaben zwar Zuspruch, mangels Teilnehmern war die Versammlung aber nicht beschlussfähig. Die Entscheidung fällt nun bei einer zweiten Versammlung am 15. September. Die Mittelstandsanleihe notiert aktuell bei 65 Prozent, was impliziert: Gelingt die Laufzeitverlängerung nicht, sieht der Markt großes Unheil auf Sanha zukommen. 

Beate Uhse verbrennt Eigenkapital

Noch gefährlicher ist die Lage bei Beate Uhse, die Anleihe notiert nur bei rund 35 Prozent ihres Ausgabekurses. Der Erotikkonzern konnte seine Anleihezinsen auch in diesem Jahr nicht pünktlich bezahlen und musste die sogenannte „Grace Period“ nutzen, die Emittenten eine Galgenfrist von 21 Tagen einräumt. Das Geld für die Anleihezinsen konnte der Erotikkonzern nur über die Notverkäufe von zwei niederländischen Geschäftsbereichen aufbringen.

Auf den Geschäftsbericht für das Jahr 2016 müssen die Investoren weiter warten. Dessen Veröffentlichung wurde nach einer Management-Rochade verschoben. Mit Finanzchef Cornelis Vlasblom musste Mitte Juni die letzte Konstante im Management ihren Hut nehmen. Seitdem wird Beate Uhse von Michael Specht als CEO und CFO in Personalunion geführt. Viel Handlungsspielraum hat der neue Chef nicht mehr, denn das Eigenkapital des Erotikkonzerns ist komplett verbrannt.

Constantin Medien wird durch Machtkampf gelähmt

Neu im Kreis der Wackelkandidaten ist der Sport- und Filmkonzern Constantin Medien. Die Anleihe notiert zwar nur leicht unter par, doch die Refinanzierung des im April nächsten Jahres fälligen 65 Millionen Euro schweren Bonds hängt im Wesentlichen von dem laufenden Notverkauf des Sportportals Sport1 ab, der – je nach Umfang des Deals – zwischen 30 und 120 Millionen Euro einbringen könnte.

Schuld an der misslichen Lage ist ein Machtkampf zwischen Constantin-Aufsichtsratschef Dieter Hahn und Bernhard Burgener, dem Chef der Schweizer Constantin-Tochter Highlight Communications. Die liquiden Mittel des Konzerns liegen laut Geschäftsberichten überwiegend bei Highlight, und Constantin hat darauf aktuell keinen Zugriff, da Constantin seine Highlight-Aktien als Sicherheit für ein Darlehen verpfändet hat. Dieses Darlehen wurde zum 30. Juni nach Constantin-Angaben zwar fristgerecht getilgt. Doch der Darlehensgeber Stella Finanz steht der Highlight nahe und weigert sich weiterhin, die verpfändeten Aktien an Constantin zurückzugeben. Dies gefährdet die finanzielle Stabilität des Münchener Medienkonzerns zusehends.

Dauerpatienten More&More, Sympatex und Travel24

Auch die Bonds der beiden Modeunternehmen More&More und Sympatex notieren immer wieder bei oder sogar deutlich unter 50 Prozent. Das More&More-Papier hat sich zuletzt wieder leicht auf 59 Prozent erholt, nachdem die Anleihe im Mai auf 25 Prozent abgerutscht war. Damals wurde bekannt, dass die Refinanzierungspläne der im Juni nächsten Jahres fälligen Anleihe gefährdet sind, da es das angeschlagene Modeunternehmen anders als geplant im Geschäftsjahr 2016 nicht zurück in die Gewinnzone geschafft hat

Die Anleihe von Sympatex wird im Dezember 2018 fällig und notiert aktuell bei rund 37 Prozent. Das Textilunternehmen hat sich in „Smart Solutions Holding“ umfirmiert und die Kapitalmarktkommunikation zurückgefahren. Vor rund einem Jahr kündigte das Unternehmen sein Listing im Börsensegment Entry Standard und hat seitdem nur noch eine Pressemitteilung veröffentlicht: Mit Rüdiger Fox tauschte das Unternehmen seinen CEO aus. Die aktuellsten veröffentlichten Zahlen stammen aus dem Geschäftsbericht 2015.

Spannend bis zur letzten Sekunde macht es auch das Tourismusunternehmen Travel24. Theoretisch müsste die Refinanzierung des in einem Monat fälligen Mini-Bonds bereits über eine Sale-and-Lease-Back-Lösung eines Leipziger Hotels gesichert sein, das Travel24 baut. Allerdings ist das Hotel nach mehrfacher Bauverzögerung noch immer nicht eröffnet. Auf FINANCE-Nachfrage rechnet Travel24 für die Eröffnung nun mit „Mitte August“. Das wird knapp, denn die Anleihe wird schon im September fällig. Mit einem Anleihekurs von 83 Prozent zeigen sich die Bondholder jedoch relativ zuversichtlich, dass die Eröffnung dieses Mal klappt und Travel 24 seinen Bond daraufhin zurückzahlen kann.

Noch mehr Pleiten, Pech und Pannen, aber auch positive Meldungen aus der Welt der Mini-Bonds finden Sie auf der FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen.