Geld & Liquidität
02.11.15

Ticker Unternehmensfinanzierung

Finanzierungen: 50Hertz, Steilmann, Hapag-Lloyd

Von Anna Wulf und Antonia Kögler

Der Stromnetzbetreiber 50Hertz hat die größte Finanztransaktion seiner Unternehmensgeschichte platziert, Steilmann musste den IPO weiter schrumpfen und auch die Containerreederei Hapag-Lloyd muss bei ihrem Börsengang Zugeständnisse machen. Diese und weitere Neuigkeiten aus der Welt der Unternehmensfinanzierung erwarten Sie im wöchentlichen FINANCE-Ticker.

Finanzierungen: 50Hertz hat Anleihen über fast 1 Milliarde Euro begeben.

50Hertz

50Hertz hat in der größten Finanztransaktion seiner Geschichte rund 890 Millionen Euro eingesammelt.

50Hertz begibt Anleihen über 890 Millionen Euro

Marco Nix hat als neuer CFO bei 50Hertz die größte Finanzierung der Unternehmensgeschichte gestemmt: Eurogrid, das Mutterunternehmen des Stromnetzbetreibers 50Hertz, hat zwei Unternehmensanleihen mit einem Volumen von insgesamt 890 Millionen Euro begeben. Die erste Anleihe über 750 Millionen Euro hat eine Laufzeit von acht Jahren und ist mit einem Kupon von 1,625 Prozent ausgestattet. Die zweite Anleihe mit einem Volumen von 140 Millionen Euro hat einen Kupon von 2,625 Prozent und läuft über 15 Jahre.

CFO Marco Nix hatte die Emission im Interview in der vergangen Ausgabe unseres Magazins FINANCE bereits angekündigt. Nach Angaben von 50Hertz war die Transaktion mit einem Orderbuch von 3,4 Milliarden Euro deutlich überzeichnet. Die Anleiheemission wurde von den Banken BNP Paribas, ING, MUFG und Unicredit begleitet.

Steilmann verkleinert geplanten Börsengang erneut

Der Textilkonzern Steilmann muss seine IPO-Pläne stark einschränken. Bereits zum zweiten Mal schrumpft der Konzern den Umfang des Börsengangs. Bei gleichbleibendem Angebotspreis von 3,50 Euro je Aktie will das Unternehmen nur noch 2,25 Millionen neue Aktien ausgeben. Dadurch verringert sich der zu erwartende Bruttoemissionserlös auf 8,8 Millionen Euro - ein Bruchteil dessen, was ursprünglich geplant war. Mit dem Erlös wollte das Unternehmen eigentlich weitere Anteile an den Adler Modemärkten vom PE-Investor Equinox erwerben. Dafür reicht der Erlös allerdings jetzt nicht mehr.

Hapag-Lloyd schrumpft den Börsengang

Die Hamburger Containerreederei Hapag-Lloyd muss Zugeständnisse beim Börsengang machen. Das Unternehmen hat die Angebotsfrist für den IPO bis zum 3. November verlängert. Die Preisspanne für den IPO wurde von 23 bis 29 Euro auf 20 bis 22 Euro je Aktie gesenkt. Damit der angestrebte Bruttoerlös von von rund 265 Millionen Euro (300 Millionen US-Dollar) weiterhin erreicht werden kann, sollen nunmehr bis zu 13,2 Millionen Aktien anstatt nur 11,5 Millionen angeboten werden.

Volkswagen platziert neue Auto-ABS-Transaktion

Volkswagen Financial Services hat eine ABS-Transaktion aus verbrieften Leasingverträgen mit einem Volumen von rund 857 Millionen Euro platziert. Die Tranche A über 800 Millionen Euro wird 62 Basispunkten über dem 1-Monats-Euribor verzinst. Die Tranche B wurde mit einem Zinssatz vom 1-Monats-Euribor plus 150 Basispunkten platziert. Joint Lead Manager der Transaktion waren die HSBC, Merrill Lynch International und SEB.

Weitere Finanzierungen

Wie angekündigt verwendet Scout24 den Nettoemissionserlös des Börsengangs in Höhe von 214 Millionen Euro vorwiegend zur Schuldentilgung. Damit verbessert das Unternehmen nach eigenen Angaben sowohl die Finanzierungskosten als auch seine Kapitalstruktur. Die jährliche Zinslast sinkt demnach um etwa 9,1 Millionen Euro.

Der digitale Versicherungsmanager GetSafe hat in einer Finanzierungsrunde einen „signifikanten Millionenbetrag“ eingeworben, wie das Unternehmen mitteilte. Zu den neu eingestiegenen Investoren zählen B-to-V, CommerzVentures, Acton Capital Partners, Capnamic Ventures, Iris Capital und Partech Ventures. Auch die bestehenden Investoren Rocket Internet und HW Capital haben weitere Finanzmittel beigesteuert.

Der Immobilieninvestor Peach Property Group will noch in diesem Jahr eine Anleihe mit einem Volumen zwischen 25 und 50 Millionen Euro begebe , sofern das Kapitalmarktumfeld es zulässt. Sole Lead Manager der Transaktion ist das Bankhaus Lampe. Mit der Anleihe sollen die im nächsten Jahr fällige Anleihe über 46 Millionen Euro refinanziert werden sowie das Bestandsportfolio erweitert werden.

Das Schweizer Fintech Knip, das online Versicherungen vertreibt, hat in einer Finanzierungsrunde etwa 14 Millionen Euro (15 Millionen Schweizer Franken) eingesammelt. Beteiligt haben sich als neue Geldgeber der US-Investor Route 66 Ventures, Creathor Venture sowie QED Investors.

Das auf Öl- und Gasförderung spezialisierte Unternehmen Activa Resources hat rund 1 Million Euro Kapital von einem neuen strategischen Investor eingeworben. Außerdem wurde die in zwei Jahren fällige Unternehmensanleihe auf 5 Millionen Euro aufgestockt.

InCity Immobilien plant, im Rahmen einer Barkapitalerhöhung mit Bezugsrecht rund 7,2 Millionen neue Aktien ausgeben. Der Bezugspreis je Aktie beträgt 1,05 Euro bei einem Bezugsverhältnis von 1:1,27. Die Bezugsfrist läuft bis zum 12. November.

Das Biotechnologieunternehmen Deutsche Biotech Innovativ will die aktuell laufende Kapitalerhöhung auch Privatanlegern zur Zeichnung anbieten. Angeboten werden bis zu 596.400 Aktien zu einem Preis von je 33,50 Euro. Das Unternehmen erwartet einen Emissionserlös von bis zu 20 Millionen Euro.

Ratingmeldungen

Die Ratingagentur Moody’s überprüft das A3-Rating des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen hinsichtlich einer möglichen Herabstufung. Grund ist die abgesagte Übernahme der LEG Immobilien. Den Ausblick für das Baa1-Rating von LEG setzt Moody’s auf stabil. Die Agentur hatte eine mögliche Hochstufung der Bonitätsbewertung geprüft, die mit dem Scheitern des M&A-Deals jedoch vorerst hinfällig ist.

Die Ratingagentur Fitch hat das Langfristrating des Energiekonzerns EnBW mit der Note A- bestätigt. Der Ratingausblick ist stabil. Damit bringt Fitch die Einschätzung zum Ausdruck, dass der Erwerb der Mehrheit des Unternehmens Verbundnetz Gas das Kreditprofil von EnBW nicht maßgeblich beeinflussen wird.

Moody’s hat das Unternehmensrating von Scout24 auf B1 eingestuft. Die gleiche Bonitätsnote hat die Ratingagentur zwei vorrangig besicherten langfristigen Krediten sowie einer revolvierenden Kreditlinie von Scout24 erteilt. Der Ratingausblick ist stabil.

Südzucker behält seine von der Ratingagentur Moody’s vergebene Bonitätsnote von Baa2 trotz gegenwärtig schwacher Kreditparameter, wie die Agentur verlauten ließ. Moody’s erwartet, dass sich das operative Ergebnis des Unternehmens im Geschäftsjahr 2015/2016 stabilisieren wird. Trotzdem bleibt der Ratingausblick negativ.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de