Geld & Liquidität
31.07.17

FINANCE-Finanzierungsticker

Finanzierungen: GFK, Heckler & Koch, Alfmeier Präzision

Von Jakob Eich, Julia Schmitt und Larissa Lippold

Der Marktforscher GFK plant sein Delisting, der Waffenhersteller Heckler & Koch refinanziert seine Anleihe ebenso wie der Kunststoffproduzent Alfmeier – der wöchentliche FINANCE-Ticker.

GFK, Heckler & Koch, Alfmeier Präzision– der wöchentliche FINANCE-Ticker.

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Der Marktforscher GFK soll von der Börse verschwinden. Die beiden Großaktionäre KKR und GFK Verein planen den Squeeze-out der restlichen Aktionäre, die noch weniger als 5 Prozent an dem Unternehmen halten.

GFK bereitet Rückzug von der Börse vor

Das Marktforschungsinstitut GFK will sich von der Börse zurückziehen. Der GFK-Verein, bestehend aus rund 600 Firmen, Kammern und Einzelpersonen, ist zusammen mit dem Finanzinvestor KKR Hauptaktionär, gemeinsam halten sie rund 96 Prozent der Anteile. Damit übertreffen sie den Schwellwert von 95 Prozent und konnten nach dpa-Informationen den Ausschluss der Kleinanleger (Squeeze-out) veranlassen. Deren Anteile werden in Form einer Barvergütung erstattet.

Mit dem Börsenausstieg will GFK seine Wettbewerbsfähigkeit durch erhöhte Planungssicherheit steigern. Zuletzt hatte GFK mit den niedrigeren Preisen der Konkurrenz zu kämpfen gehabt. KKR hatte im vergangenen Jahr die Übernahmepläne für GFK verkündet und den M&A-Deal weniger Monate danach abgeschlossen. Zwischendurch wackelte die Akquisition, da sich der US-Unternehmer Michael Dell eingekauft hatte.

Heckler & Koch refinanziert Anleihe

Der Waffenhersteller Heckler & Koch refinanziert seine 2018 auslaufende Unternehmensanleihe. Der Bond hat einen Zinskupon von 9,5 Prozent und aktuell ein Volumen von 220 Millionen Euro. Geplant ist, die Anleihe am 24. August vollständig zu tilgen und auch die Zinsen in Höhe von 5,8 Millionen Euro zu bezahlen, gab das Unternehmen in einer Pressemitteilung bekannt.

Die Refinanzierung erfolgt zum einen über eine Kapitalerhöhung von 50 Millionen Euro, die die langfristige Verschuldung des Unternehmens auf 170 Millionen Euro reduziert. Woher das restliche Geld kommt, kommunizierte der Waffenhersteller nicht. Laut der Ratingagentur Moody’s stammt der restliche Betrag der Refinanzierung von privaten Kreditgebern, die 130 Millionen Euro beisteuern, sowie aus einer Privatplatzierung im Wert von 40 Millionen Euro. Die genauen Konditionen der neuen Finanzierung sind unbekannt.

Moody’s verbesserte das Rating zudem von Heckler & Koch von Caa1 auf B3. Die Ratingagentur beurteilte den Ausblick als stabil. Grund für die Heraufstufung des Waffenherstellers war die Verminderung des kurzfristigen Liquiditätsrisikos.

Mini-Bond-Emittent Alfmeier Präzision verhandelt über Kredit

Der bayerische Kunststoffhersteller Alfmeier Präzision will seine 2018 auslaufende Mittelstandsanleihe frühzeitig refinanzieren, gab das Unternehmen bekannt. Die Anleihe mit einem Volumen von 30 Millionen Euro hat einen Zinskupon von 7,5 Prozent und läuft seit 2013. Zur Refinanzierung verhandelt Alfmeier mit Banken über ein Konsortialkredit in Höhe von 30 Millionen Euro.

Zuvor konnte Alfmeier Präzision ein Schuldscheindarlehen mit einem Volumen von 14 Millionen Euro abschließen. Verlaufen die Verhandlungen mit dem Bankenkonsortium erfolgreich, wird eine vorzeitige Kündigung der Anleihe in Erwägung gezogen.

Vapiano sichert sich neue Kreditlinie über 200 Millionen Euro

Der Restaurantbetreiber Vapiano hat sich einen neuen syndizierten Kredit über 200 Millionen Euro gesichert. 100 Millionen Euro macht eine revolvierende Fazilität aus, hinzu kommt ein Term Loan mit gleichem Volumen, der um 50 Millionen Euro aufgestockt werden kann. Die Laufzeit des Konsortialkredits beträgt 5 Jahre. Bookrunner der Transakion war die Unicredit, die neben der Commerzbank, DZ Bank und HSH Nordbank auch als Mandated Lead Arranger (MLA) agierte. Barclays und Crédit Lyonnais beteiligten sich als Lead Arranger. Vapiano möchte das Fremdkapital unter anderem dazu nutzen, einen bestehenden Kredit über 145 Millionen Euro zu refinanzieren.

Seit Ende Juni dieses Jahres ist Vapiano an der Börse notiert und konnte in dem Zuge eine Kapitalerhöhung von 85 Millionen durchführen. Mittlerweile steht auch fest, dass Vapiano die Greenshoe-Option in Höhe von über 120.000 Aktien ausgeübt hat, das entspricht rund 16 Prozent der gesamten Mehrzuteilung.

Beate Uhse bezahlt Zinsen durch Notverkäufe

Der Erotikkonzern Beate Uhse hat die rund 2,3 Millionen Euro Zinsen für die Mittelstandsanleihe mit drei Wochen Verspätung bezahlt. Leicht war es für das Unternehmen nicht: Um die nötigen Mittel für die Zinszahlung aufzutreiben, trennte sich Beate Uhse von zwei Geschäftsbereichen in den Niederlanden. Dadurch wird wohl ein nicht liquiditätswirksamer Verlust von rund 5 Millionen Euro bilanziert, der die letzten Eigenkapitalreserven des Unternehmens aufbraucht. Bereits 2016 hatten die Flensburger es versäumt, die Zinsen pünktlich zu bezahlen. Die Norddeutschen haben den Mini-Bond 2014 mit einem Volumen von 30 Millionen Euro begeben. Das Papier trägt einen Zinskupon von 7,75 Prozent und läuft noch bis 2019. 

Jost nimmt nach IPO Konsortialkredit in Anspruch

Der Börsenneuling Jost nimmt einen Konsortialkredit in Höhe von 260 Millionen Euro in Anspruch. Als Dokumentationsagent agierte die Commerzbank, die ihrerseits von der Anwaltskanzlei Clifford & Chance beraten wurde (Federführung: Bettina Steinhauer). Für den LKW-Zulieferer Jost ist es die zweite große Finanzierung binnen weniger Wochen: Der Privat-Equity-Investor Cinven brachte Jost vor wenigen Tagen erfolgreich an die Börse. Insgesamt sammelte Jost durch die Aktienemission 231 Millionen Euro ein.

One Square lehnt Sanhas Restrukturierungskonzept ab

Das Gezerre um die Bond-Restrukturierung bei Sanha geht weiter: Das Beratungshaus One Square Advisors hat einen Gegenantrag für das vom Dichtungshersteller vorgeschlagene Restrukturierungskonzept der Mittelstandsanleihe gestellt. Dieses steht zur Abstimmung ohne Versammlung, die Frist endet am heutigen Montag.

Die Berater von One Square, die sich bei den Sanha-Gläubigern als gemeinsamer Vertreter bewerben, fordern nun Klauseln, die eine Einhaltung der Planung über die Laufzeit der Anleihe gewährleisten. One Square schlägt eine bankübliche Besicherung der Anleihe, Strafzahlung bei Nicht-Einhalten der Planung, Beschränkung zur Aufnahme weiteren Fremdkapitals sowie eine Ausschüttungs- und Tilgungssperre für Gesellschafter vor.

Am vergangenen Freitag legte One Square noch einmal nach: Der Wert der Immobilien und Grundstücke, die Sanha als Besicherung anbietet und mit gut 12 Millionen Euro bewertet, sei nicht nachvollziehbar. Besonders kritisch sieht One Square die Bewertung einer Industrieimmobilie. Sanha habe den Sachwert herangezogen. Dieser werde aber bei der Verwertung in der Regel nicht erreicht, so One Square. Somit seien die veranschlagten 12 Millionen Euro zu hoch angesetzt. 

Weitere Finanzierungen

Der Küchenhersteller Alno und die Tochtergesellschaft Gustav Wellmann erhalten ein Massedarlehen in Höhe von bis zu 9 Millionen Euro. Der Gläubigerausschuss hat dem Darlehen zugestimmt. Am 12. Juli hatten Alno, Gustav Wellmann sowie Alno Logistik & Service Insolvenz angemeldet. Sie befinden sich in Eigenverwaltung. Alno-Tochter Pino Küchen hat ebenfalls den Antrag auf ein vorläufiges Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt und ein Massedarlehen in Höhe von bis zu 3 Millionen Euro erhalten.

Der Datenspeicherproduzent BDT Media Automation erneuert seine Finanzierung und begibt eine Unternehmensanleihe mit Emissionsvolumen von bis zu 5 Millionen Euro. Der Zinskupon ist auf 8 Prozent pro Jahr festgelegt. Mit dem Geld will BDT eine Alt-Anleihe refinanzieren, die im Oktober ausläuft.

Die Immobilienfirma Instone platziert erstmals einen Schuldschein im hohen zweistelligen Millionenbetrag. Die Tranchen sind sowohl fest als auch variabel verzinst und mit Laufzeiten von drei und fünf Jahren ausgestattet. Bookrunner und Sole Lead Arranger der Transaktion war die Deutsche Industriebank IKB, die Sparkasse Hannover war Selling Agent. Nach Angaben des Unternehmens war der Schuldschein signifikant überzeichnet.

Der Automobilzulieferer Baumot hat eine Kapitalerhöhung ohne Bezugsrecht in Höhe von 2,76 Millionen Aktien, was 10 Prozent des Stammkapitals entspricht, erfolgreich abgeschlossen. In einer Pressemitteilung gab das Unternehmen bekannt, das Angebot sei deutlich überzeichnet gewesen. Die neuen Stammaktien wurden zu einem Preis von 1,50 Euro pro Stück platziert, sodass sich der Erlös der Kapitalerhöhung auf rund 4,1 Millionen Euro beläuft. Die Aktien wurden in einer Privatplatzierung in Deutschland und der Schweiz ausgegeben, begleitet wurde die Transaktion von Lang & Schwarz.

Das Berliner Fintech Billie ist nun Mitglied im Deutschen Factoring Verband. Das Online-Factoring-Unternehmen ist auf kleine und mittelständische Unternehmen, sowie auf Freiberufler spezialisiert. Der Deutsche Factoring Verband vertritt insgesamt 37 Factoringinstitute.

Der Londoner Investor Bluebay Asset Management konnte 3 Milliarden Euro für einen neuen Private-Debt-Fonds einsammeln, der vor allem zur Finanzierung von Leveraged Buy-outs, M&A-Deals sowie zur allgemeinen Unternehmens- und Wachstumsfinanzierung dienen soll. Nach eigenen Angaben hat Bluebay bereits sechs Investments vorgenommen. Seit 2011 agiert Bluebay in der Private-Debt-Sparte und finanziert mit dem Fonds Investments von 100 Millionen Euro und mehr. In Deutschland hatte sich der Investor vor allem auf Distressed-Debt-Investments fokussiert.

Der Düsseldorfer Digitalberater Mvise ist seit dem 26. Juli im Scale -Segment der Deutschen Börse gelistet. Zuvor war das Unternehmen im Entry Standard notiert, beantragte aber nun den Umzug. Diesen begründete Mvise in einer Pressemitteilung mit der erhöhten Transparenz in diesem Segment, die die künftige Unternehmensfinanzierung erleichtert. 

Ratingmeldungen

Der Kreditversicherer Euler Hermes hat das Rating der Warenhauskette Galeria Kaufhof nach dpa-Informationen deutlich gesenkt. Damit sind ein Teil der Forderungen von Lieferanten nicht mehr durch Euler Hermes besichert, sodass es für diese riskanter wird, Kaufhof zu beliefern. Kaufhof hatte in den vergangenen Monaten mit Umsatzrückgängen zu kämpfen, der kanadische Mutterkonzern HBC verwies jedoch auf eine Kreditlinie in Höhe von 1,9 Milliarden Euro, die die Lieferantenforderungen zusätzlich absichern soll. Wie das „Manager Magazin“ berichtete, kann Kaufhof jedoch nur auf rund 300 Millionen Euro aus der Linie zurückgreifen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Einen Überblick über die Finanzierungen der vergangenen Wochen und Monate finden Sie auf unserer Themenseite Unternehmensfinanzierung.