Geld & Liquidität
10.02.16

Holzverarbeiter ist insolvent

German Pellets will sich Zeit kaufen

Von Philipp Habdank

German Pellets ist pleite. Die erhoffte Insolvenz in Eigenverwaltung hat das Gericht offenbar abgelehnt. Damit rücken gleich mehrere mögliche Rettungsszenarien in weite Ferne.

Ursprünglich sollte heute eine Gläubigerversammlung stattfinden, doch stattdessen meldete German Pellets Insolvenz an und kassierte vor Gericht eine Schlappe.

German Pellets

Ursprünglich sollte heute eine Gläubigerversammlung stattfinden, doch stattdessen meldete German Pellets Insolvenz an und kassierte vor Gericht eine Schlappe.

Die Krise bei German Pellets ist eskaliert. Der deutsche Produzent von Holzpellets hat am Mittwoch Nachmittag einen Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen wollte sich in Eigenverwaltung sanieren. Der Antrag wurde aber laut dem Handelsblatt abgelehnt.

Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung wäre das Unternehmen zunächst nicht liquidiert worden, sondern restrukturiert und unter dem Gründer und Geschäftsführer Peter Leibold weitergeführt worden. An die Stelle eines sogenannten starken Insolvenzverwalters wäre ein Sachwalter getreten.

Doch das Amtsgericht hat dies abgelehnt. Nun tritt mit Bettina Schmudde von der internationalen Kanzlei White & Case eine externe Insolvenzverwalterin auf den Plan.

Frank Günther will Restrukturierung bei German Pellets begleiten

Damit hat die Münchner Finanzierungsberatung One Square Advisory um Geschäftsführer Frank Günther bei der geplanten Restrukturierung nicht mehr ganz freie Hand. Günther soll nach wie vor vorübergehend als Chief Restructuring Officer (CRO) neben Leibold in die Geschäftsleitung einziehen, muss sich nun jedoch mit Schmudde abstimmen. Günther hat sich in der Vergangenheit den Ruf eines Mini-Bond-Sanierers aufgebaut und verfügt im Gegensatz zu Leibold über Krisenerfahrung.

Ein Blick auf Günthers jüngste Sanierungsprojekte zeigt, wo es mit German Pellets hätte hingehen können. Der Maschinenbauer Singulus kann seinen Bond nicht bedienen, Günther forciert den Tausch des alten Papiers in eine geringer dotierte neue Anleihe mit längerer Laufzeit sowie in 95 Prozent des Eigenkapitals von Singulus. Ähnliches fädelte er bei dem Landmaschinenhändler Ekotechnika ein. Der Unterschied zu German Pellets: Beide Unternehmen werden außergerichtlich saniert, da sie die Restrukturierung frühzeitig angegangen sind und nicht wie German Pellets unmittelbar vor der Fälligkeit.

German Pellets: Insolvenz macht Alternativszenarien unwahrscheinlich

Mit einer Verlängerung der Laufzeit der 2016er-Anleihe, um die auch German Pellets die Anleger bereits gebeten hatte, hätte sich das Unternehmen Zeit kaufen können. Zeit, die das hochverschuldete German Pellets und Günther hätten nutzen können, um dann nicht nur den jetzt fällig werdenden, sondern alle drei ausstehenden Bonds zu restrukturieren. Zum Halbjahr 2015 betrugen die Gesamtverbindlichkeiten insgesamt rund 422 Millionen Euro. Als Eigenkapital wurden 82 Millionen Euro ausgewiesen, doch dieser Wert dürfte inzwischen erheblich niedriger liegen.

Neben dem Debt-to-Equity-Swap hätte auch die Möglichkeit bestanden, alle drei Anleihen durch eine neue abzulösen. Angesichts der bisherigen Kapitalmarktgeschichte und dem von German Pellets betriebenen Kommunikationsversteckspiel war diese Option jedoch nur eine theoretische. Bliebe zu guter Letzt noch die Möglichkeit des Einstiegs eines neuen Investors, um das angegriffene Eigenkapital aufzupolstern.

Eine Ablösung der Anleihen über einen Bankenkredit hätte dagegen das Verschuldungsproblem nicht gelöst. Hinzu kommt, dass German Pellets nicht genügend Sicherheiten dafür hat. Ein nicht beauftragtes Gutachten einer Kanzlei und einer Investmentbank zeigt, dass die bislang engagierten Banken gute Aussichten haben, über die Verwertung von Sicherheiten ihre Kredite in Höhe von 64,5 Millionen Euro zu guten Teilen zurückzubekommen. Den übrigen Fremdkapitalgebern rechnen die beiden Häuser dagegen wenig Chancen aus.

Diese Interessenlage könnte auch eine Rolle gespielt haben bei der Entscheidung des Gerichts, die beantragte Eigenverwaltung zurückzuweisen. Dadurch ist eine Verwertung des Firmenkonglomerats zur wahrscheinlichsten Variante geworden.

Bei Liquidierung gingen Bondholder von German Pellets quasi leer aus

Die Liquidierung des Unternehmens wäre für die Bondholder das ungünstigste Szenario. Denn wie die meisten Mittelstandsanleihen sind auch die Pellet-Bonds unbesichert. Es droht der Totalausfall – auch weil das Finanzgeflecht German Pellets deutlich komplexer und riskanter ist, als es lange Zeit den Anschein hatte.

Aus dem Geschäftsbericht 2014 und Anleiheprospekten geht hervor, dass German Pellets verschiedene Töchter, Holdings und Produktionsstätten besitzt, unter anderem auch in den USA. Von den mit German Pellets eng verbundenen US-Unternehmen wurden insgesamt acht sogenannte „Municipal-Bonds“ (Kommunal-Anleihen) im Gesamtvolumen von rund 550 Millionen Dollar aufgenommen. Bei zwei Bonds ist ein „Event of Default“ eingetreten, weil der Kapitaldienst nicht erbracht wurde. Aufgrund diverser Inter-Company-Darlehen und ausgestellter Garantien durch German Pellets stünden im Falle einer Liquidierung die Ansprüche der US-Gläubiger wohl neben denen der deutschen Bondholder.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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