Geld & Liquidität
29.05.15

Nächste Zinszahlung „aktuell“ gesichert

Gläubiger der Mittelstandsanleihe bangen um Modekette René Lezard

Von Michael Hedtstück

Nach einem miserablen Geschäftsjahr gesellt sich auch René Lezard zu den großen Wackelkandidaten am Markt für Mittelstandsanleihen. Die Investoren glauben nicht mehr an die Rückzahlung der Anleihe. Und auch bei zwei anderen Fashion-Bonds wächst die Gefahr.

Schluss mit High Fashion? Dem Modehaus René Lezard wachsen die Schulden über den Kopf, die Mittelstandsanleihe bricht ein.

René Lezard

Schluss mit High Fashion? Dem Modehaus René Lezard wachsen die Schulden über den Kopf, die Mittelstandsanleihe bricht ein.

Sehr schlechte Jahreszahlen von René Lezard schüren am Markt für Mittelstandsanleihen die Angst vor der nächsten Pleite. Die Modekette hat das Geschäftsjahr 2014/15, das am 30. März 2015 endete, mit einem deutlich höheren Verlust abgeschlossen als erwartet. Unter dem Strich wird wohl ein Konzernverlust von rund 3,5 Millionen Euro stehen, gab das Unternehmen gestern bekannt.

Der Umsatz ist vorläufigen Berechnungen zufolge um mehr als 10 Prozent zurückgegangen und liegt nur noch bei 47,2 Millionen Euro. René Lezard führt den Einbruch auf die Reduzierung von Verkaufsflächen, den milden Winter und die Ukraine-Krise zurück. Die Bondinvestoren reagierten mit umfangreichen Verkäufen: Der Kurs der Mittelstandsanleihe fiel von 41 auf 31 Prozent des Nennwerts. „Es war uns klar, dass dieses Jahr kein leichtes werden würde“, ließ sich Firmenchef Heinz Hackl zitieren. Trotzdem sei das Management „von der Entwicklung natürlich enttäuscht“.

René Lezard versucht Investoren der Mittelstandsanleihe zu beruhigen

Die Krise des Modehauses hat sich schon länger abgezeichnet. Ursprünglich wollte das Unternehmen sein Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr gegenüber 2013/14 verbessern. Im November musste Hackl diese Prognose einkassieren. Stattdessen wurde damals ein Ergebnis „auf Niveau des Vorjahres oder leicht darunter“ prognostiziert. Im Geschäftsjahr 2013/14 bilanzierte René Lezard einen Konzernverlust von 1,3 Millionen Euro und ein leicht positives Ebit von 0,4 Millionen Euro.

Doch trotz der nun noch schlechter als erwartet ausgefallenen Zahlen bemüht sich CEO Hackl um Beruhigung. „Die finanzierenden Banken gehen den Weg der Neuausrichtung mit und halten ihre Finanzierungszusage bis März 2017 weiterhin aufrecht“, heißt es in der Unternehmensmitteilung. Deshalb gehe das Management „aktuell“ auch davon aus, dass die im November fällige nächste Zinszahlung auf die Mittelstandsanleihe gesichert sei. Die Anleihe hat ein Volumen von 15 Millionen Euro und wurde im November 2012 begeben. Die Verzinsung liegt bei 7,25 Prozent, die Laufzeit beträgt fünf Jahre.

Auch More & More und Laurèl wackeln

Nur: Die Banken sind nicht der maßgebliche Geldgeber der Modekette. In der aktuellsten vorliegenden Bilanz – jener zum Halbjahresabschluss – weist René Lezard Bankschulden von 4 Millionen Euro aus. Demgegenüber stehen 15 Millionen Euro an Anleiheschulden sowie Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern in Höhe von 5,1 Millionen Euro. Als Eigenkapitalquote wies der Minibond-Emittent zu diesem Zeitpunkt 5,4 Prozent aus.

Da im zweiten Halbjahr zu den 1,6 Millionen aus dem ersten Semester noch einmal zusätzliche 1,9 Millionen Euro Fehlbetrag aufgelaufen sein dürften, wäre es eine Überraschung, wenn sich die Bilanzsituation verbessert hätte. Die genauen Bilanzdaten will René Lezard aber erst im September veröffentlichen. Die Ratingagentur Creditreform gibt dem Modehaus aktuell ein Unternehmensrating von B+. Das Rating dürfte in Kürze überarbeitet werden.

René Lezard ist nicht das erste Modehaus am umstrittenen Markt für Mittelstandsanleihen, das in Schwierigkeiten gerät. Im vergangenen Herbst musste Rena Lange Insolvenz anmelden, im Frühjahr vergangenen Jahres das Traditionshaus Strenesse. Aktuell verdichten sich bei der Modekette More & More die Anzeichen einer aufziehenden Unternehmenskrise, auch der Mitbewerber Laurèl gilt als Wackelkandidat. Wie bei René Lezard sind auch bei diesen beiden Unternehmen die Investoren bereits auf Distanz gegangen: Der Bond von More & More notiert bei rund 40 Prozent des Nennwerts, Laurèl bei 34 Prozent.

Besser lief es bei der Modekette Hallhuber. Dank der Übernahme durch das Familienunternehmen Gerry Weber kurz vor Weihnachten ist Hallhuber in der Lage, seine Mittelstandsanleihe vorzeitig zurückzuzahlen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Warum der René Lezard-Wettbewerber Strenesse insolvent ging, erfahren Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu Strenesse. Alle Hintergründe zur aktuell schwierigen Lage am Mini-Bondmarkt finden sich auf unserer Themenseite zu Mittelstandsanleihen.