Geld & Liquidität
26.05.14

„Technische Gründe“ seit drei Wochen

MBB Clean Energy: Zinskupon immer noch nicht gezahlt

Von Michael Hedtstück

Die „technischen Gründe“, die laut MBB Clean Energy für die Nichtzahlung des Anleihekupons verantwortlich sein sollen, dauern nun schon drei Wochen. Die Hintergründe des Zahlungsverzugs bei MBB Clean Energy sind undurchsichtig. Anlegerschutzanwälte bringen sich in Stellung.

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Die Anleihegläubiger des Cleantech-Investors MBB Clean Energy warten nach wie vor auf die eigentlich schon am 5. Mai fällig gewesene Zinszahlung. Der Kupon ist noch immer nicht bezahlt, die Mittelstandsanleihe vom Handel ausgesetzt.

MBB Clean Energy beharrt in einem Statement gegenüber FINANCE darauf, dass die Zinszahlung durch die Einzahlung auf ein Treuhandkonto „gesichert“ sei, nennt aber keinen Termin, an dem die Zinsen ausbezahlt werden sollen. Bei dem neuen Investor, dessen bevorstehender Einstieg im Volumen von 500 Millionen Euro für den Zahlungsverzug verantwortlich sein soll, handelt es sich laut Angaben von MBB Clean Energy um eine „führende westeuropäische Bank“.

Mit der anhaltenden Verzögerung spielt MBB Clean Energy ein riskantes Spiel, das juristisch und finanziell heikel enden könnte. Denn ist der Kupon nach 30 Tagen – am 5. Juni um Mitternacht – noch immer nicht bezahlt, können Anleihegläubiger nach einem aktuellen – aber noch nicht rechtskräftigen – Urteil des Landgerichts Bonn (Aktenzeichen: 10 O 299/13) nicht nur die sofortige Rückzahlung der Anleihe zum Nennwert zuzüglich der aufgelaufenen Zinsen verlangen, sondern auch noch Schadensersatzansprüche gegen den Emittenten stellen.

Der Rechtsanwalt Bernd Jochem von der Kanzlei Rotter hat bereits damit begonnen, sich mit dem Fall vertraut zu machen und betroffene Anleger anzusprechen. Nach der Systematik der Ratingagentur Creditreform, die MBB Clean Energy beurteilt, liegt hingegen erst nach einem Zahlungsverzug von 90 Tagen ein Default vor. Noch unklar ist, wie die am Freitag lancierte Meldung in dieses Gesamtbild passt, wonach MBB Clean Energy das Listing der Anleihe im Entry Standard der Frankfurter Börse beenden will.  

Rückforderungen von Gläubigern in größerem Umfang könnten eine Restrukturierung der Mittelstandsanleihe auslösen. Das Management von MBB Clean Energy um CEO Eckhart Misera wird genau prüfen müssen, ob es die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens auch im Lichte dieser Entwicklung noch als gegeben ansieht.

MBB Clean Energy: Investoren werden unruhig

MBB Clean Energy fällt nicht nur beim Zinstermin durch verzögerte Zahlungen auf. FINANCE-Recherchen haben ergeben, dass auch die im vergangenen September und Oktober angekündigten Käufe von zwei Wind- und Solarenergieparks in Italien nicht vollzogen worden sind.

MBB Clean Energy erklärt: „Vom Closing der italienischen Projekte hat die MBB CE bis dato abgesehen, da immer noch letzte Details in der finalen Due Diligence fehlen.“ Das Unternehmen behauptet, „die Deals könnten auch heute jederzeit geclosed werden.“ Aber die Verkäufer haben schon längst Gespräche mit anderen potentiellen Käufern aufgenommen.

Die bisher nicht erfolgte Zahlung des Kupons, der ebenfalls noch nicht vollzogene Kauf der Projekte in Italien sowie die Tatsache, dass seit der Emission der Mittelstandsanleihe vor einem Jahr noch kein einziger Zwischenbericht vorgelegt worden ist (der Halbjahresbericht wäre eigentlich im Januar/Februar fällig gewesen) führen inzwischen auch zu Unruhe in Kapitalmarktkreisen. Selbst investierten Anlegern gegenüber gibt sich das Unternehmen, das auf dem gut gesicherten Firmengelände des Rüstungskonzerns EADS in Ottobrunn seinen Sitz hat, ausgesprochen zugeknöpft.

Marktspekulationen, denen zufolge mehr als die Hälfte der eingeworbenen Anleihegelder von – offiziell – 72 Millionen Euro aus Kroatien oder anderen Ländern Osteuropas stammen sollen, werden durch die Besetzung der Führungsgremien genährt. Zum Management des Unternehmens gehört unter anderem der kroatische Geschäftsmann Zdravko Podvorec. Im Aufsichtsrat sitzt dessen Sohn Mitja. MBB Clean Energy tritt diesen Spekulationen entgegen und bezeichnet sie als „nicht zutreffend“.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de