Geld & Liquidität
15.05.17

Cashflow reicht für Refinanzierung nicht aus

Mittelstandsanleihe von More & More gerät unter Druck

Von Sabine Reifenberger

Der Modehändler More & More hat im Jahr 2016 erneut einen Verlust eingefahren. Das hat Folgen für die Mittelstandsanleihe: Eine Rückzahlung aus dem Cashflow ist so gut wie ausgeschlossen.

Noch bis Juni 2018 läuft die Mittelstandsanleihe des Modehändlers More & More. Das kriselnde Unternehmen prüft nun auch eine vorzeitige Refinanzierung.

djedzura/iStock/Thinkstock/Getty Images

Noch bis Juni 2018 läuft die Mittelstandsanleihe des Modehändlers More & More. Das kriselnde Unternehmen prüft nun auch eine vorzeitige Refinanzierung.

Die nächste Mittelstandsanleihe aus der Modebranche gerät unter Druck: Ein schwaches Jahresergebnis macht die Refinanzierungspläne des Modehändlers More & More für seinen Mini-Bond zunichte. Eigentlich wollten die Starnberger im Geschäftsjahr 2016 wieder in die Gewinnzone zurückkehren, doch den Sprung in die Profitabilität hat das Modehaus deutlich verfehlt. Im Gegenteil: Nach einem negativen Ergebnis von minus 0,6 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2015 rechnet More & More für 2016 sogar mit einem vorläufigen Jahresergebnis von minus 2,6 Millionen Euro. Wann das vollständige Zahlenwerk für 2016 vorgestellt wird, teilte das Unternehmen nicht mit.

Das verlustreiche Jahr 2016 ist eine schlechte Nachricht für die Inhaber der Mittelstandsanleihe, die More & More 2013 unter Begleitung der Quirin Bank begeben hat. Bereits im Juni des kommenden Jahres wird der Mini-Bond fällig, ein Volumen von 9,5 Millionen Euro steht zur Rückzahlung an. More & More geht einer Ad-hoc-Mitteilung zufolge nun selbst davon aus, dass „eine Rückzahlung aus dem operativen Cashflow nicht gelingen wird“. 

More & More prüft Refinanzierung der Mittelstandsanleihe

Das kriselnde Modeunternehmen braucht damit nun einen Plan B für die Refinanzierung. Nach eigenen Angaben prüfe man derzeit „alle zur Verfügung stehenden Optionen“. Dazu zählt das Management auch eine vorzeitige Refinanzierung der Anleihe. Für den Mini-Bond zahlt More & More einen Kupon von stolzen 8,125 Prozent, der nächste Termin für die halbjährlichen Zinszahlungen ist der 11. Juni.

Dass sich die Situation bei More & More zuspitzt, kommt nicht überraschend. Das Modehaus kämpft schon seit längerem mit schwachen Zahlen. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen immer stärker einen Investor aus der Türkei eingebunden: Cemsel Tekstil übernahm 2014 zunächst 12 Prozent an More & More, später war von einer weiteren Aufstockung auf 25 Prozent bis Ende 2016 die Rede.

Doch diese Quote hat Cemsel Tekstil inzwischen weit überschritten: Bereits im Februar teilte More & More mit, dass der Investor seine Beteiligung auf 49 Prozent aufgestockt hat. Damit hält Unternehmensgründer Karl-Heinz Mohr nur noch eine knappe Mehrheit der Anteile. Die Option, über die Abgabe weiterer Anteile neue Mittel in das Unternehmen zu holen, würde automatisch zum Mehrheitsverlust des Gründers führen.

Anleihekurs von More & More fällt auf 35 Prozent

More & More zählt bereits seit Jahren zu den Wackelkandidaten am Markt für Mittelstandsanleihen. Bereits 2015 kritisierte die Ratingagentur Creditreform das Modeunternehmen mit deutlichen Worten: Es stünde kaum ausreichend Liquidität für den allgemeinen Geschäftsbetrieb zur Verfügung, hieß es damals. Das Rating senkte die Creditreform auf CC. Im November 2015 setzte die Agentur die Bewertung dann komplett aus. Grund ist offenbar eine intransparente Kommunikation des Unternehmens. Es lägen „für eine Ratingeinschätzung keine ausreichenden Informationen vor“, teilte die Creditreform mit.

Viele Marktteilnehmer haben die Hoffnung auf eine vollständige Rückzahlung der Mittelstandsanleihe anscheinend bereits aufgegeben: Seit Mitte 2015 notiert der Bond unter der 50-Prozent-Marke und bewegte sich zuletzt bei Werten um die 35 Prozent. Wenn das Unternehmen nicht bald einen Refinanzierungsplan vorlegt, könnte More & More sich einreihen in die Liste der Modefirmen, die am Mini-Bondmarkt Schiffbruch erlitten haben.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Welchen Unternehmen die Refinanzierung ihrer Mini-Bonds gelungen ist und welche Firmen in die Insolvenz gehen mussten, sehen Sie im Überblick auf unserer Themenseite über die Mittelstandsanleihen