Geld & Liquidität
07.08.15

Diese Wackelkandidaten haben sich erholt

Mittelstandsanleihen: Die Rehabilitierten

Von Desirée Backhaus

Alno, Rickmers und Homann Holzwerkstoffe haben ihre Gläubiger viele Nerven gekostet, inzwischen haben sich die Kurse ihrer Mittelstandsanleihen aber wieder erholt. Wer wirklich auf dem Weg der Besserung ist und wer nur Zeit gewonnen hat – der FINANCE-Überblick.

Bald wieder in ruhige Gewässer? Die Reederei Rickmers macht wichtige Fortschritte auf der Finanzierungsseite.

Rickmers

Bald wieder in ruhige Gewässer? Die Reederei Rickmers macht wichtige Fortschritte auf der Finanzierungsseite.

Auch am Markt für Mittelstandsanleihen gibt es sie, die Lichtblicke. Während das gesamte Segment nach zahllosen Pleiten und Skandalen nach wie vor unter Druck steht, haben einzelne Unternehmen, die für die schlechte Stimmung mit verantwortlich waren, die Intensivstation inzwischen verlassen.

Einer davon ist Alno: Der seit vielen Jahren schwächelnde Küchenbauer – im vergangenen Herbst von FINANCE noch auf die Liste der Wackelkandidaten gesetzt – hat gerade ordentliche Zahlen für das erste Halbjahr 2015 vorgelegt, auch die finanzielle Situation hat sich nach einer Kapitalerhöhung im März entspannt. Das honorieren die Inhaber der 45-Millionen-Euro-Mittelstandsanleihe: Der Kurs notiert derzeit wieder bei über 90, im vergangenen Herbst war er zeitweise unter 50 gefallen.

Alno will sich gesund sparen

Über den Berg ist der Küchenbauer noch nicht, das Ebitda war mit minus 1,9 Mio. Euro auch im ersten Halbjahr weiter negativ, wenn man den Verkaufserlös für die Ende Mai veräußerte Tochter Impuls Küchen herausrechnet. Im Vorjahreszeitraum stand allerdings noch ein Minus von 14,1 Millionen Euro zu Buche.

Dank Preiserhöhungen, dem konsequenten Verzicht auf margenschwache Umsätze sowie Kostensenkungen in allen Bereichen soll das zweite Halbjahr noch einmal deutlich besser aussehen, verspricht CEO Max Müller: „Auch wenn wir immer noch ein gutes Stück Weg vor uns haben, bis wir Alno dauerhaft profitabel gemacht haben, sind wir mit der Entwicklung des Unternehmens insgesamt zufrieden.“ 

Rickmers-CFO Mark-Ken Erdmann will Eigenkapital stärken

Hat im Moment Rückenwind: Rickmers-CFO Mark-Ken Erdmann.

Hat im Moment Rückenwind: Rickmers-CFO Mark-Ken Erdmann.

Rickmers ist auf dem Weg der Genesung schon weiter: Die Hamburger Reederei, die unter den Überkapazitäten am globalen Schifffahrtsmarkt leidet, konnte im März einen Befreiungsschlag an der Finanzierungsfront feiern: Nach mehr als 18 Monaten Verhandlung verlängerten die Banken Kreditvereinbarungen über 1,28 Milliarden Euro um drei Jahre bis 2018.

Für CFO Mark-Ken Erdmann war das ein Durchbruch, der auch bei den Gläubigern der Mittelstandsanleihe gut ankam: Der 275 Millionen Euro schwere Rickmers-Bond notiert aktuell wieder leicht über par, Ende letzten Jahres war er zwischenzeitlich unter 70 gefallen, nachdem die Ratingagentur Creditreform die Bonität von B auf CCC herabgestuft hatte.

Nun nimmt Erdmann die Stärkung des Eigenkapitals in Angriff: Anfang Juni wurde die Umwandlung von Rickmers in eine Aktiengesellschaft vollzogen, die Suche nach Investoren läuft: Alleingesellschafter Bertram Rickmers sei bereit, das Unternehmen auch für Beteiligungen Dritter zu öffnen, erklärte der CFO kürzlich in einem Interview. So etwas kommt bei den Bondholdern immer gut an.Das besser laufende operative Geschäft – nach Angaben der Reederei lagen Umsatz und Ebitda im ersten Quartal über Plan – dürfte Rickmers bei der Investorensuche zupass kommen. 

PosterXXL gewinnt neuen Eigentümer

Auch PosterXXL– wie Alno im Herbst noch ein Wackelkandidat – erfreute seine leidgeplagten Gläubiger kürzlich mit guten Zahlen: Der Umsatz des Online-Fotodienstleisters im ersten Quartal 2015/2016  um 44 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 10,2 Millionen Euro zu, die Ebit-Marge hat sich von 7,2 auf 16,4 Prozent mehr als verdoppelt.

Nach den zwei schwarzen Jahren 2012 und 2013, in dem das Münchener Start-up tief in den roten Zahlen verharrte und sich das Grundkapital zwischenzeitlich halbierte, trägt die Umstrukturierung also endlich Früchte. Beim nun ins Auge gefassten europaweiten Wachstum dürfte die Ende Juli bekanntgegebene Übernahme durch die Londoner Photobox Gruppe helfen – die Hintergründe des Deals sind allerdings noch nicht bekannt.

Die Ratingagentur hat den Onlinefotodienstleister im Mai gleich um zwei Stufen von B+ auf BB hochgestuft, auch die Inhaber der Mittelstandsanleihe haben wieder Vertrauen gefasst: der Kurs notiert derzeit wieder bei par, der Tiefpunkt lag im April 2014 bei unter 40.

Homann: Werk in Polen lässt Gläubiger hoffen

Homann Holzwerkstoffe will dieses Jahr den Sprung aus den roten Zahlen schaffen.

Homann Holzwerkstoffe will dieses Jahr den Sprung aus den roten Zahlen schaffen.

Das Vertrauen scheint auch bei den Gläubigern von Homann Werkstoffe zurückgekehrt zu sein – mit 100 Millionen Euro eine der größten Mittelstandsanleihen am Markt: Der Kurs der Anleihe notiert derzeit nur noch leicht unter par. Anfang 2015 war er unter 75 gefallen, nachdem CEO Fritz Homann über das aus seiner Sicht unzutreffende Creditreform-Rating von B gewettert und CFO Jan-Peter Nissen das Unternehmen verlassen hatte.

Die finanziellen Probleme sind aber nach wie vor ungelöst: Die Eigenkapitalquote lag zum Jahresende 2014 bei mauen 7,4 Prozent. Die Nettofinanzverschuldung, die Homann in der Bilanz nicht ausweist, lag laut Creditreform zum 30. September 2014 bei 142 Millionen Euro, was dem 8,6fachen des Ebitda von 16,5 Millionen Euro entspricht. Insgesamt schlug 2014 ein Jahresfehlbetrag von 5,7 Millionen Euro zu Buche.

In diesem Jahr soll nun endlich der Schritt aus den roten Zahlen gelinden, Hoffnungsträger des Herstellers von Holzfaserplatten ist das kürzlich in Betrieb genommene neue Werk in Krosno in Polen. Von ihm verspricht sich der CEO eine deutliche Steigerung der Ertragskraft: „Mit dem Produktionsstart beginnt für uns ein neues Zeitalter“, so Homann. Mit der gleichen Anzahl an Mitarbeiter könne die fünffache Menge produziert werden. So soll das Unternehmen endlich profitabel werden.

Joh. Friedrich Behrens: Gelingt die Refinanzierung?

Auch der Hersteller von Werkzeugmaschinen, Nägeln und Schrauben,  Joh. Friedrich Behrens, wird vom Bondmarkt inzwischen wieder besser bewertet. Doch im Gegensatz etwa zu Rickmers und PosterXXL ist noch keine tiefgreifende Besserung erkennbar. Das Familienunternehmen hat vor allem Zeit gewonnen.

Im vergangenen Juli war der Emittent einer Mittelstandsanleihe über 30 Millionen Euro in Bedrängnis gekommen, weil ein Konsortialkredit aus dem Jahr 2013 Ende des Monats auslief. Tagelang schien die Refinanzierung des 10-Millionen-Euro-Kredites gefährdet, dessen Covenants das Unternehmen in den beiden vorangegangenen Quartalen gerissen hatte. Der Kurs der Mittelstandsanleihe brach auf zwischenzeitlich 56 Prozent ein. Im August erreichte Alleinvorstand Tobias Fischer-Zernin dann die Verlängerung des Konsortialkredites bis Ende 2015, zudem lockerten die Banken die Kreditklauseln.

Die Anleihegläubiger atmeten auf. Auch dank guter Zahlen für das Gesamtjahr 2014 und für das erste Quartal 2015 notiert die Anleihe inzwischen sogar wieder leicht über par.

Doch das finanzielle Risiko ist nur verschoben: In nicht mal fünf Monaten läuft der Kredit erneut aus, das Volumen verringert sich zum Laufzeitende bereits sukzessive auf 5 Millionen Euro. Zudem steht im kommenden März die Mittelstandsanleihe – nach Angaben von Joh. Friedrich Behrens das Hauptfinanzierungsinstrument – zur Refinanzierung an. Das Unternehmen wird schnell eine Antwort finden müssen, wenn es nicht will, dass sich die Wirren aus dem vergangenen Sommer wiederholen.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Mit PosterXXL, Alno und Rickmers sind viele angeschlagene Mittelständler wieder auf einem guten Weg. Dieser Genesungsprozess ist jedoch bei weitem nicht allen Wackelkandidaten der Mittelstandsanleihen gelungen. Vor allem die Mini-Bonds der Modebranche treiben den Investoren die Sorgenfalten ins Gesicht: More & More, Peine, Laurèl und Co. notieren weit unter Par. Wie es um die Wackelkandidaten steht und welche weiteren Anleihen außerhalb der Modebranche wanken, erfahren sie hier.