Geld & Liquidität
29.05.15

Neuer Investor kann Stimmung nicht drehen

More & More: Der nächste Mini-Bond ist angezählt

Von Philipp Habdank

Der Damenmodenhersteller More & More ist angeknockt. Schwache Geschäftszahlen, mehrere Rating-Downgrades und ein schwaches Liquiditätspolster schüren bei den Investoren Zweifel, die Mittelstandsanleihe ist auf Talfahrt. Die Hoffnung ruht nun auf einem weißen Ritter aus Istanbul.

Mit More & More wackelt der nächste Mini-Bond: Die Creditreform benotet die Bonität nur noch mit CC.

More & More AG

Mit More & More wackelt der nächste Mini-Bond: Die Creditreform benotet die Bonität nur noch mit CC.

Nach dem Debt-to-Equity-Swap bei Ekotechnika und dem anstehenden Hair-Cut beim Maschinenbauer Singulus drohen dem Markt für Mittelstandsanleihen  nun die nächsten Unternehmenskrisen: So steht der Hersteller von Damenmode, More & More, durch seinen im Juni 2013 begebenen Bond derzeit gehörig unter Druck, wie der aktuelle Kurs von 41 Prozent verdeutlicht. Auch der Branchennachbar René Lezard wackelt bedenklich.

Schuld für den Vertrauensentzug der Investoren bei More & More dürften in erster Linie die Liquiditätssituation des Unternehmens sowie die Tatsache sein, dass sich angestoßene Restrukturierungsmaßnahmen bisher nicht in der Profitabilität niederschlagen. Zu diesem Ergebnis kommt die Creditreform in ihrem vor wenigen Wochen veröffentlichten Rating-Report zu den vorläufigen Jahresabschlusszahlen 2014. Der Gesellschaft sei es im abgelaufenen Geschäftsjahr nicht gelungen, den geplanten Turnaround im Ergebnis  zu bestätigen, bemängelt Creditreform.

Zwar sind sowohl der Umsatz (von 44,5 Millionen Euro auf rund 49 Millionen Euro) und das Ebit (von minus 848.000 auf plus 981.000 Euro) gestiegen. Dies war jedoch nur durch den Verzicht  auf Pensionsrückstellungen in Höhe von 924.000 Euro und weitere nicht liquiditätswirksame sonstige betriebliche Erträge möglich. Ohne diese Sondereffekte würde das Ergebnis auf dem schwachen Vorjahresniveau liegen. Zudem ist die Bilanz schwach: Zum Halbjahr 2014 wies More & More einen Bilanzverlust von rund 5,8 Millionen Euro aus, als Eigenkapital standen nur noch gut 300.000 Euro zu Buche, bei einer Bilanzsumme von 23,4 Millionen Euro.

Weißer Ritter eilt More & More zu Hilfe

In der Folge ist das Rating der More & More AG auf CC abgerutscht, nachdem das Unternehmen bei der Emission im Juni 2013 noch mit einem B- gestartet war. Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte die Creditreform den Rating-Daumen gesenkt und die Bonitätsnote um zwei Stufen auf CCC herabgesetzt. Die finanziellen Spielräume des Unternehmens seien wegen der schwachen Ergebnis- und Liquiditätsentwicklung im Jahr 2014 „stark begrenzt“, in Bezug auf das Risikomanagement bei der Liquiditäts- und Finanzplanung sieht die Creditreform bei More & More „Verbesserungsbedarf“. Oberstes Ziel müsse es demnach sein, dauerhaft profitabel zu werden und die Liquidität zu sichern, um den Fortbestand des Unternehmens zu gewährleisten.

Kurzfristig hat sich Alleinvorstand und Mehrheitsaktionär Karl-Heinz Mohr jedoch Luft verschafft: So konnte im vergangenen Jahr ein langjähriger Geschäftspartner aus Istanbul, Cem-Sel Tekstil Sanayi Ve Ticaret As, als strategischer Investor gewonnen werden. Im Zuge einer Kapitalerhöhung pumpte dieser liquide Mittel in Höhe von 2,6 Millionen Euro in das Unternehmen und sicherte damit zumindest die im nächsten Monat fällige Zinszahlung von rund 400.000 Euro – More & More bedient den 8,125-Prozent-Kupon seiner 9,5 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe halbjährlich. Bis Ende 2016 will der Türke seine Beteiligung auf 25 Prozent aufstocken, wodurch More & More weitere Gelder zufließen sollen. Genaue Details stehen laut Mohr auf Nachfrage von FINANCE jedoch noch nicht fest.

More & More: Anleihe macht 40 Prozent der Bilanzsumme aus

Die insgesamt 9,5 Millionen Euro schwere Anleihe macht laut der Creditreform 40 Prozent der Bilanzsumme aus und ist damit die größte Fremdkapitalposition des Unternehmens. Die zunächst mit 8 Millionen Euro platzierte Anleihe wurde im vergangenen Jahr im Zuge einer Darlehensumwandlung um weitere 1,5 Millionen Euro aufgestockt. Das zweite Finanzierungsstandbein ist laut Mohr die „langfristige Beziehung mit zwei Banken“.

Laut Creditreform betrugen die kurzfristigen Bankverbindlichkeiten auf Basis der vorläufigen Jahresabschlusszahlen  rund 4,6 Millionen Euro. Dazu kommen von den Banken gestellte Kredit- und Avallinien von insgesamt 6,4 Millionen Euro. Bedenklich sei jedoch, dass 2,4 Millionen Euro dieser Linien lediglich bis Ende Januar 2016 bereitgestellt sind.

Creditreform warnt vor Liquiditätslage von More & More

Die finanzielle Situation bei More & More ist ernst: Dem Unternehmen steht laut Creditreform „kaum ausreichende Liquidität für den allgemeinen Geschäftsbetrieb zur Verfügung“. Unternehmenschef Karl-Heinz Mohr muss also noch weitere frische Mittel auftreiben, die erste Geldspritze aus Istanbul dürfte kaum reichen.

Auf Nachfrage von FINANCE hieß es von Unternehmensseite lediglich, dass bei der Frage nach der Refinanzierung „verschiedene Optionen geprüft werden“. Zu genauen Plänen könnten jedoch keine Angaben gemacht werden. Für die Restrukturierung des Vertriebs und neues Führungspersonal hat More & More laut der Creditreform insgesamt 840.000 Euro in die Hand genommen. Um Mohr zu entlasten  wurden dazu zwei neue Top-Manager eingestellt.

Zudem will sich More & More auf profitable Geschäftsfelder wie den Großhandel fokussieren. Für dieses Jahr plant das Unternehmen laut der Creditreform dadurch einen Umsatzanstieg auf 53,8 Millionen Euro, woraus ein operativer Gewinn (Ebit) von rund 2,5 Millionen Euro generiert werden soll. Doch das  2013 bei der Bondemission ausgerufene Umsatzziel  von über 68 Millionen Euro  für das Jahr 2018 wäre selbst dann noch in weiter Ferne. Immerhin tickt die Uhr noch nicht besonders laut: Die Mittelstandsanleihe muss erst 2018 zurückgezahlt werden.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Das Mini-Bondsegment wird derzeit wieder ordentlich durchgerüttelt. Mehr zur  aktuellen Lage bei den deutschen Mittelstandsanleihen finden Sie auf unserer FINANCE-Themenseite.