Geld & Liquidität
04.08.16

Gläubiger bangen um Refinanzierung

Sanha kann Zinsen noch nicht aus Gewinnen begleichen

Von Philipp Habdank

Der Bondkurs von Sanha ist abgestürzt. Einige Gläubiger zweifeln offenbar daran, dass der Sanitärspezialist seine Mittelstandsanleihe 2018 fristgemäß zurückzahlen kann – CFO Thomas Ziegelbauer hält dagegen.

Die Mini-Bond-Krise droht auch den Rohrsystemspezialisten Sanha zu packen. Doch CFO Thomas Ziegelbauer hält dagegen.

Sanha

Die Mini-Bond-Krise droht auch den Rohrsystemspezialisten Sanha zu packen. Doch CFO Thomas Ziegelbauer hält dagegen.

Der Markt für Mittelstandsanleihen ist bekannt für starke Kursschwankungen. Ende Juni erwischte es den Rohrleitungsspezialisten Sanha, dessen 37,5 Millionen Euro schwerer Bond von 70 auf fast 40 Prozent eingebrochen ist. CEO Bernd Kaimer begründete den Kursrutsch damals im Wesentlichen mit der unruhigen Marktlage und der trüben Stimmung am Markt angesichts der spektakulären Pleiten von German Pellets oder zuletzt KTG Agrar. Der Kurs hat sich seitdem zwar wieder etwas erholt – die Anleihe steht bei rund 60 Prozent. Das ist jedoch weit entfernt von den 100 Prozent zum Jahresbeginn.

Sanha ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen, das Sanitärsysteme wie Rohrleitungssysteme herstellt und vertreibt. Das Unternehmen beschäftigt rund 681 Mitarbeiter und setzte im Geschäftsjahr 2015 rund 105 Millionen Euro um. Ein Blick in die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahrs und in den aktuellsten Ratingbericht der Creditreform aus dem April dieses Jahres liefern einige Indizien für die wachsenden Zweifel der Investoren.

Laut Creditreform reicht das Betriebsergebnis aus dem vergangenen Jahr nicht aus, um auch das Zinsergebnis zu erwirtschaften. Sanha gelingt es also nicht, aus dem operativen Geschäft heraus genug Geld zu erwirtschaften, um damit seine Fremdkapitalzinsen zahlen zu können (Sanhas jährlicher Kapitaldienst liegt bei rund 4,4 Millionen Euro). Das wiederum ist essentiell für eine anstehende Refinanzierung der im Juni 2018 auslaufenden Anleihe.

Sanha will dieses Jahr sein Zinsergebnis operativ erwirtschaften

CFO Thomas Ziegelbauer gibt sich zuversichtlich, dass die Investitionen der vergangenen Jahre (Senkung der Personal- und Sachkosten) dieses Jahr zu einer deutlichen Verbesserung der Ertragskraft führen werden. „Ziel ist es, im Geschäftsjahr 2016 eine volle Zinsdeckung aus dem operativen Ergebnis zu erreichen, was uns im ersten Quartal bereits gelungen ist“, so Ziegelbauer im Gespräch mit FINANCE. Außerdem seien die intensiven Investitionszyklen abgeschlossen, so dass die Investitionen in den kommenden Jahren deutlich herunter gefahren würden. Ziegelbauer spricht von einer jährlichen Senkung von durchschnittlich 6 Millionen auf 2,5 Millionen Euro.

Die dadurch freiwerdende Liquidität will der Sanha-CFO zur Schuldentilgung verwenden. Das ist angesichts einer Verschuldung von 6x Ebitda auch nötig. „Unser Verschuldungsgrad – Net Debt in Relation zum Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – wird sich dadurch mittelfristig deutlich in Richtung Investment Grade bewegen“, sagt Ziegelbauer.

Im Geschäftsbericht 2015 wies Sanha Gesamtverbindlichkeiten über 91,3 Millionen Euro aus. Den Löwenanteil trägt die 37,5 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe. Bei Banken stand Sanha mit 21,1 Millionen Euro in der Kreide, wovon dieses Jahr 19,1 Millionen Euro fällig werden. „Wir haben die für das operative Geschäft nötigen Bankverbindlichkeiten (17,7 Millionen Euro) bereits zu 95 Prozent verlängert (16,7 Millionen Euro) und tilgen dieses Jahr planmäßig weitere 1,2 Millionen Euro“, sagt Ziegelbauer. Offen ist von den 19,1 Millionen Euro damit noch etwas mehr als 1 Million Euro. Darüber hinaus hat Sanha dieses Jahr weitere Kreditlinien aufgenommen, um die saisonalen Schwankungen zu decken.

Sanha-CFO Ziegelbauer will Bondholder beruhigen

Sanha-CFO Thomas Ziegelbauer stemmt sich gegen das schwindende Vertrauen einiger Bondholder.

Bis zur Fälligkeit der Anleihe hat Ziegelbauer noch Zeit. „Die konkrete Umsetzung der Bond-Refinanzierung ist aus wirtschaftlicher Sicht vor dem Jahr 2017 nicht sinnvoll“. Ziegelbauer sei sich allerdings seiner Verantwortung gegenüber den Bondholdern bewusst und verspricht, bei der Investor-Relations-Arbeit nicht wie andere Mini-Bond-Emittenten abzutauchen.

„Wir versenden neben unserem freiwilligen Quartalsreporting künftig auch regelmäßig einen Investorennewsletter, der die Bondholder über die operative Entwicklung von Sanha informiert“, erklärt Ziegelbauer. Sanha unternimmt also einiges, um seine nervösen Investoren zu beruhigen. Das beste Argument wäre allerdings eine signifikante Verbesserung des Betriebsergebnisses und ein Effizienzprogramm, das endlich zündet.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Der Mini-Bond-Markt ist derzeit wieder stark in Aufruhr. Mit der FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen behalten Sie den Überblick.