Geld & Liquidität
21.07.17

Gerangel um Restrukturierungskonzept geht weiter

Sanha: One Square fordert Covenants für Bondholder

Von Sabine Reifenberger

One Square Advisors erhöht den Druck im Streit um das Restrukturierungskonzept von Sanha: FINANCE-Informationen zufolge fordern die Münchener Covenants sowie empfindliche Folgen für Sanha, wenn das Unternehmen seinen Businessplan nicht einhält.

One Square erhöht den Druck auf Sanha und fordert Covenants, Ausschüttungssperren und millionenschwere Nachzahlungen.

Monkey Business Images/Monkey Business/Thinkstock/Getty Images

One Square erhöht den Druck auf Sanha und fordert Covenants, Ausschüttungssperren und millionenschwere Nachzahlungen.

Das Ringen des Dichtungsherstellers Sanha mit dem Beratungshaus One Square um ein Restrukturierungskonzept für die 37,5 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe geht in die nächste Runde. FINANCE-Informationen zufolge plant One Square, das sich zum Gemeinsamen Vertreter der Anleihegläubiger wählen lassen möchte, der Gläubigerversammlung einen Gegenentwurf zu dem von Sanha vorgeschlagenen Restrukturierungskonzept vorzulegen. Bereits zwischen dem 25. und 31. Juli könnte in einer Abstimmung ohne Präsenzpflicht über den Gegenantrag abgestimmt werden.

Der Forderungskatalog hat es in sich: Unter anderem möchte One Square das Sanha-Management demnach auf Financial Covenants verpflichten. One Square hatte das Sanha-Konzept in den vergangenen Tagen bereits scharf kritisiert. Die Berater haben Zweifel, ob der Cashflow des Dichtungsherstellers ausreicht, um die Schulden wie geplant zurückzuzahlen. Sanha selbst bezeichnet seine Planung dagegen als konservativ

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One Square will Sanha auf Covenants verpflichten

Auf dieses Signal will One Square die Sanha-Führung nun offenbar festnageln und Abweichungen von dem angeblich „konservativen“ Businessplan streng ahnden. So soll es – geht es nach dem Corporate-Finance-Haus – im Falle eines Covenant-Bruchs für Sanha künftig teuer werden: In einem solchen Fall soll am Ende der Anleihelaufzeit eine Strafzahlung von 3,5 Millionen Euro fällig werden, zudem soll der Kupon wieder auf die bislang geltende Verzinsung von 7,5 Prozent steigen, die Sanha auf 5,5 Prozent senken möchte. Dies zeigen Unterlagen, die FINANCE vorliegen.

Damit wäre die von Sanha angestrebte Zinsersparnis bei einem Covenant-Bruch für das Unternehmen komplett wieder verloren. Dies hätte gleich mehrere Konsequenzen: Der Schritt brächte den Gläubigern zwar höhere Zinsen, er würde aber auch die von One Square als angespannt betrachteten Sanha-Finanzen zusätzlich belasten.

One Square fordert für die Anleihegläubiger zudem einen besseren Zugriff auf die Sicherheiten des Unternehmens und eine Sicherheitensperre für alle weiteren Fremdkapitalverbindlichkeiten. Sanha schlägt eine solche bislang nur für Kapitalmarktverbindlichkeiten vor. Auch Gewinnausschüttungen und Tilgungen von Gesellschafterdarlehen sollen nach den Vorstellungen One Squares bis auf weiteres untersagt werden.

One Square bewirbt sich um die Sanha-Mandate

Der harte Kurs, den One Square gegen Sanha fährt, folgt auch einem gewichtigen Eigeninteresse. Das Münchener Beratungshaus unter Führung von Frank Günther will sich von den Bondholdern nicht nur zum Gemeinsamen Vertreter wählen lassen. Darüber hinaus soll auch der One Square Trust als Sicherheitentreuhänder bestimmt werden. Unklar ist, ob die Gläubiger über all diese Forderungen gebündelt abstimmen müssten oder ob die Aspekte einzeln zur Diskussion stünden.

Die Auseinandersetzung um die Ausgestaltung der Bondrestrukturierung dürfte sich noch eine Weile hinziehen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass schon bei der ersten Versammlung der Anleihegläubiger die für eine Beschlussfassung notwendige Beteiligung von 50 Prozent der ausstehenden Anleihen erreicht wird. Bei einer zweiten Versammlung sänke das notwendige Quorum auf 25 Prozent, was bei Emittenten anderer restrukturierungsbedürftiger Mittelstandsanleihen meistens erreicht wurde. Zu einer zweiten Runde dürfte es aber frühestens in der zweiten Augusthälfte kommen.

Sanha äußerte sich auf FINANCE-Anfrage im Verlauf des Freitags zunächst nicht zu dem anstehenden Gegenantrag, wies aber am folgenden Montag die Forderungen von One Square nach Strafzahlungen und der Wahl eines Gemeinsamen Vertreters als „wirtschaftlich überzogen“, „völlig unangemessen“ und „nicht notwendig“ in scharfen Worten zurück. Nach Darstellung von Sanha sähen die Anleihegläubiger, mit denen das Unternehmen spreche, keinen Bedarf, das vom Management vorgeschlagene Restrukturierungskonzept zu verändern. 


sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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