Geld & Liquidität
18.12.15

Streit um internes Gutachten

Schlammschlacht bei Travel24

Von Julia Schmitt

Neue Hiobsbotschaften aus dem Umfeld von Travel24: In einem Gutachten des Ex-Aufsichtsratschefs soll von „Kapitalanlagebetrug“ die Rede sein. Der Aufsichtsrat wehrt sich – und macht sein eigenes Gutachten.

Von wegen Entspannung: Das Reiseportal Travel24 verlangt den Investoren seiner Mittelstandsanleihe derzeit einiges ab.

anyaberkut/iStock/Thinkstock/Getty Images

Von wegen Entspannung: Das Reiseportal Travel24 verlangt den Investoren seiner Mittelstandsanleihe derzeit einiges ab.

Die Schlammschlacht beim Internetreiseportal Travel24 geht in die nächste Runde: Die „Mehrheit der Aufsichtsräte“ hat sich heute von den Ergebnissen einer Compliance-Prüfung distanziert, die der Anfang Dezember zurückgetretene Ex-Aufsichtsratschef Daniel Kirchhof in Auftrag gegeben hatte. Der Travel24-Aufsichtsrat zweifelt das Gutachten an und will  nun ein eigenes Gutachten in Auftrag geben, das im Lauf des ersten Quartals 2016 vorliegen soll.

Das von Kirchhof in Auftrag gegebene Compliance-Gutachten soll für das Unternehmen kritische Ergebnisse ans Licht gebracht haben, berichtet das Manager-Magazin. In dem Papier geht es um die Frage, wie Travel24 die eingesammelten 25 Millionen Euro aus seiner im Jahr 2012 emittierten Mittelstandsanleihe verwendet hat. Im Wertpapierprospekt dazu hieß es, der Emissionserlös solle unter anderem für das Betreiben von 25 Hotels im Segment „Budget Design Hotels“ sowie die Internationalisierung des Online-Geschäfts verwendet werden.

Nach Angaben des Manager-Magazins besagt das Gutachten, dass der Wertpapierprospekt in erheblicher Weise fehlerhaft sei. Es dränge sich sogar der Verdacht des Kapitalanlagebetruges auf, schreibt das Magazin.

Travel24-Aufsichtsrat: „Aussagen nicht nachvollziehbar“

Der Aufsichtsrat von Travel24 kontert. Das Kirchhof-Gutachten beurteilt er nach erster Prüfung „äußerst kritisch“: „Das Papier wirft eine Reihe von methodischen und inhaltlichen Fragen auf und kommt zu Aussagen, die nicht nachvollziehbar sind“, lässt sich der stellvertretende Aufsichtsratschef Oliver Schilling zitieren. Außerdem distanziert sich der Vorstand  von dem Vorwurf, der Emissionserlös sei nicht im Sinne des Anlageprospekts eingesetzt worden. Der Aufsichtsrat hält dies offenbar für glaubhaft und spricht dem Vorstand das Vertrauen aus.

Stattdessen greift der Aufsichtsrat Kirchhof an: Diesem werfe der Haupteigentümer Unister „verschiedene Pflichtverletzungen“ vor. Außerdem habe Kirchhof „durch kurzfristige Terminabsagen“ seine eigene Abberufung immer wieder verhindert. Das von ihm beauftragte Papier könne eigeninteressengeleitet sein. Kirchhof kommt in der Mitteilung des Aufsichtsrats nicht zu Wort und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Weitere Hiobsbotschaft für Travel24-Investoren

Die Schlammschlacht bei Travel24 kommt zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt: Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass sich die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO sich weigert, den Jahresabschluss von Travel24 zu testieren. Der Grund seien „wesentliche Prüfhemmnisse“, wie Travel24 in einer knappen Pressemitteilung erklärte.

Diese Botschaft ließ die ohnehin schon seit langem schwächelnde Anleihe von Travel24 auf 33 Prozent ihres Nennwerts und damit auf den niedrigsten Wert seit der Emission einbrechen. Die Zweifel der Investoren, dass Travel24 seine Anleihe im Herbst 2017 zurückzahlen kann, mehren sich. Aktuell notiert die Anleihe bei 37 Prozent. Auch der von Unister seit langem angestrebten Veräußerung der Reisesparte dürften die Organstreitigkeiten bei Travel24 keinen Rückenwind verleihen.


julia.schmitt[at]finance-magazin.de