Geld & Liquidität
02.06.16

Neufinanzierung zieht sich hin

SKW Stahl: Banken verlängern Covenant-Waiver erneut

Von Julia Schmitt und Michael Hedtstück

Beim angeschlagenen Stahlzulieferer SKW Stahl-Metallurgie ziehen sich die Bankgespräche nach dem Covenant-Bruch länger hin als geplant. Inzwischen geht es nicht mehr nur um neue Covenants.

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Der Stahlzulieferer SKW kann kurz durchatmen, die Banken haben einer Verlängerung des Covenant-Waivers zugestimmt.

Kurze Verschnaufpause für den angeschlagenen Stahlzulieferer SKW: Die Banken haben zugestimmt, den Verzicht auf ihre Sonderkündigungsrechte („Waiver“) noch einmal bis zum 29. September zu verlängern. Es handelt sich dabei um die Sonderkündigungsrechte für den Konsortialkredit in Höhe von 86 Millionen Euro, den SKW zu Beginn des Jahres 2015 abgeschlossen hatte. Im dritten Quartal 2015 kam es nach einer Gewinnwarnung von SKW –  ausgelöst durch die aktuelle Krise in der Stahlbranche – zu einem Covenant-Bruch. Mit der nun geschlossenen Vereinbarung verzichten die Banken bis Ende September darauf, den Kredit vorzeitig zu kündigen.

Seit dem Covenantbruch vor mehr als einem halben Jahr versucht SKW-Chef Kay Michel, der seit dem Weggang von CFO Sabine Kauper im Oktober 2015 auch die Finanzen managt, im Dialog mit den Banken die prekäre Finanzierungssituation zu lösen. Konsortialführer sind die NordLB und die Commerzbank. Zu Beginn dieses Jahres erst hatte Michel den Covenant-Waiver bis Ende Mai gesichert. Ursprünglich sollten die Bankengespräche auch bis Ende Mai abgeschlossen werden.

Der Konsortialkredit ist das Rückgrat der Konzernfinanzierung. Eine geplante Kapitalerhöhung, die dem Konzern wieder mehr Bewegungsfreiheit bringen sollte, wurde wegen der schwachen Geschäftsentwicklung abgebrochen.

Braucht SKW doch ein neues Finanzierungspaket?

FINANCE-Informationen zufolge hat sich der Umfang der Verhandlungen zwischen SKW und den Banken inzwischen ausgeweitet. Bisher ging es nicht um neue Kredite, sondern lediglich um neue Covenants sowie neue Kreditkonditionen, hatte SKW monatelang erklärt. Noch im April sagte der Stahlzulieferer, dass keine zusätzlichen Kreditlinien zur Abfederung der laufenden Restrukturierung benötigt würden. Wie FINANCE aus Marktkreisen erfahren hat, sind die Verhandlungen nun „ergebnisoffen“. Es würden auch strukturelle Lösungen diskutiert, um die Finanzierungsproblematik bei SKW grundlegend anzugehen.

Dies hat den Hintergrund, dass von Seiten der Absatzmärkte bis auf weiteres kein Rückenwind für SKW zu erwarten ist. Nach wie vor überschwemmen die Chinesen den Weltmarkt mit billigem Stahl, die Stahlproduktion in Europa und Nordamerika leidet, Neuinvestitionen werden aufgeschoben. Im ersten Quartal ging der Umsatz um 20 Prozent auf 64,2 Millionen Euro zurück, der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) halbierte sich auf 3 Millionen Euro.

SKW-Chef Michel hat bereits im Februar mit einer Verschärfung der laufenden Kostensparprogramme reagiert: Über die kommenden drei Jahre soll das Ergebnis um mindestens 20 Millionen Euro verbessert werden. Im Zuge dessen sollen auch die Working-Capital-Erfordernisse des Konzerns sinken. In Verbindung mit dem Umsatzverfall könnte dies dazu führen, dass SKW mittelfristig womöglich sogar weniger Kredite benötigen wird als früher.

SKW kommentiert die sich hinziehenden Finanzierungsverhandlungen zurückhaltend: „Die Gesellschaft ist unverändert zuversichtlich, im weiteren Jahresverlauf eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung zur weiteren Finanzierung der SKW Stahl-Metallurgie Holding und des SKW Metallurgie Konzerns zu erzielen“, schreibt das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung.

Finanzinvestor MCGM übernimmt die Macht bei SKW

Die Finanzierung endlich wieder zu stabilisieren, ist auch ein zentrales Anliegen des Münchener Finanzinvestors MCGM, der im Dezember 2015 mit einem größeren Aktienpaket bei SKW eingestiegen ist. MCGM hat mehrfach kritisiert, dass Michel nach dem Ausscheiden Kaupers keinen neuen CFO an Bord geholt hat. Auch die Sparbemühungen Michels kritisierte MCGM als unzureichend, lobte später dann aber die Verschärfung des Sparprogramms im Oktober. Seitdem hat sich die Gesprächsatmosphäre zwischen Michel und MCGM-Chef Olaf Marx verbessert, wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist.

Die sich hinziehenden Bemühungen um die Stabilisierung des Konzerns hat Marx genutzt, um seinen Einfluss bei SKW auszubauen. Bis zum April bröckelte der SKW-Aktienkurs immer weiter ab, MCGM nutzte dies, um seinen Anteil weiter aufzustocken. Kurz vor der Hauptversammlung verbündete sich MCGM dann mit zwei weiteren Hedgefonds. Dadurch sicherten sich die Hedgefonds einen Stimmenanteil von 21,5 Prozent und damit die Hauptversammlungsmehrheit. Dies hatte Folgen: Die Hauptversammlung wählte drei von MCGM vorgeschlagene Vertreter in den fünfköpfigen Aufsichtsrat. Den Posten des Aufsichtsratschefs übernimmt Olaf Marx selbst.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Alle Hintergründe zur Krise und zum Aktionärsstreit bei dem Stahlzulieferer liefert unsere FINANCE-Themenseite zu SKW Stahl.