Geld & Liquidität
13.07.17

Herausgabe von Highlight-Aktien verweigert

Stella Finanz hält Constantin-Blockade aufrecht

Von Sabine Reifenberger und Michael Hedtstück

Der Machtkampf in der Unternehmensgruppe Highlight-Constantin eskaliert: Der Mutterkonzern Constantin ist erneut damit gescheitert, Zugriff auf seine verpfändeten Highlight-Aktien zu bekommen. Constantin-Chef Hahn droht die Lage zu entgleiten.

Das Medienunternehmen Constantin muss schnell die Refinanzierung angehen. Doch der Streit um die wichtigen Anteile an der Tochter Highlight Communications zieht sich.

Michael Blann/DigitalVision/Thinkstock/Getty Images

Das Medienunternehmen Constantin muss schnell die Refinanzierung angehen. Doch der Streit um die wichtigen Anteile an der Tochter Highlight Communications zieht sich.

Eine Finanzierungsentscheidung aus dem Jahr 2009 bedroht die Zukunft des Film- und Sportvermarktungskonzerns Constantin Medien. Für ein Darlehen verpfändete Constantin damals knapp 25 Millionen seiner 28,6 Millionen Highlight-Aktien an den Darlehensgeber Stella Finanz. Bei der Schweizer Constantin-Tochter Highlight liegt der Großteil der Konzernliquidität von 105 Millionen Euro, doch mit der Highlight-Führung hat sich das Constantin-Management überworfen. Auch das lukrative Filmgeschäft, das 2016 rund 62 Prozent des Konzernumsatzes beisteuerte, gehört zu Highlight Communications.

Die Constantin Medien AG, an der die Rückzahlung der im kommenden Jahr fälligen Mittelstandsanleihe im Volumen von 65 Millionen Euro hängt, hatte dagegen Ende 2016 nur rund 2 Millionen Euro in der Kasse. Für die Rückzahlung bräuchte Constantin-Chef Dieter Hahn Zugriff auf die Highlight-Kasse – oder auf das wertvolle Highlight-Filmgeschäft, das Hahn eigentlich verkaufen wollte. Highlight-Chef Bernhard Burgener blockiert beide Vorhaben. Stella Finanz trägt ganz entscheidend dazu bei, wie sich jetzt immer stärker herauskristallisiert.

Stella Finanz lehnt Treuhand-Lösung von Constantin Medien ab

Eigentlich hätte Hahn mit der Stimmrechtsmehrheit von 60,5 Prozent gute Aussichten, Burgener auf einer Generalversammlung auszuwechseln. Doch Stella Finanz verweigert immer noch die Herausgabe der verpfändeten Aktien, wie Constantin heute bekanntgab.

Das zu Grunde liegende Darlehen ist am 30. Juni dieses Jahres ausgelaufen und war Constantin Medien zufolge „bereits mehrfach“ gekündigt. Eine erste Schlichtung Ende Mai, in der geklärt werden sollte, bis wann Stella Finanz die verpfändeten Aktien freigeben muss, brachte keine Einigung. In einem erneuten Versuch hatte Constantin Medien die Züricher Kanzlei  Nater Dallafior als Treuhänder eingeschaltet. Den Rückzahlungsbetrag für das Darlehen hat Constantin Medien nach eigenen Angaben nebst Zinsen auf das Konto des Treuhänders eingezahlt.

Die strittigen 24,75 Millionen Highlight-Communications-Aktien liegen derzeit bei der Bank Julius Bär. Constantin Medien hat von der Schweizer Bank eine schriftliche Erklärung gefordert, diese Aktien innerhalb von zwei Bankarbeitstagen nach Eingang des geforderten Betrags an Constantin zu übergeben. Sobald Julius Bär dies zusagt, würde der Treuhänder den Darlehensbetrag nebst Zinsen an Stella Finanz überweisen – so der Plan. Doch Stella Finanz hat diese Initiative nun ins Leere laufen lassen.

Ohne klare Zusagen will Constantin nicht zahlen

Stella Finanz ließ per Anwalt mitteilen, dass sie auf einer „unbedingten Vorleistungspflicht“ der Constantin Medien bestünden. Und sie stellte eine ungewöhnliche Forderung: Eine Treuhänderlösung sei nur akzeptabel, wenn „nach Ansicht des Treuhänders auf der anstehenden Hauptversammlung der Constantin Medien AG keine rechtmäßig ausgewiesenen Aktionäre willkürlich von ihrem Stimmrecht ausgeschlossen werden“.

Constantin beklagt die Vermischung von zwei unterschiedlichen Sachverhalten, doch mit ihrer harten Haltung zieht Stella Finanz den Streit um die Herausgabe der Highlight-Aktien nun noch weiter in die Länge. Pikant: Während Constantin-Chef Hahn vergeblich darum kämpft, den Zugriff auf die Highlight-Anteile zurück zu erlangen, versucht die Highlight-Führung, mit Hilfe einer großen Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts die Constantin-Beteiligung an Highlight von 60 auf 45 Prozent zu verwässern. Aber auch Constantin wehrt sich nach Kräften und bemüht sich, die geplante Kapitalerhöhung bei Highlight zu blockieren.

Den Stella-Forderungen nachzukommen und den fälligen Darlehensbetrag ohne konkrete Zusagen seitens Stella an die Finanzgesellschaft zu überweisen, hält Hahn offenbar für zu riskant: „Eine Vorleistung ohne Sicherheit kommt nicht in Betracht“, heißt es in der Mitteilung von Constantin.

Bondholder von Constantin bekommen kalte Füße

Nun werden sich die streitenden Parteien wohl vor Gericht wieder treffen. Constantin Medien kündigte heute an, diesen Weg gehen zu wollen. Für einen langwierigen Prozess haben die Münchener aber eigentlich keine Zeit. Nach Ansicht des Abschlussprüfers PwC hängt der Fortbestand Constantins davon ab, dass eine Anschlussfinanzierung für die auslaufenden Finanzierungen gefunden wird. Andernfalls sei – so die Aussage im Geschäftsbericht – „der Fortbestand der Constantin Medien AG gefährdet“.

Inzwischen bekommen auch Constantins Anleihegläubiger langsam kalte Füße. Der Bond, der trotz des immer schärfer werden Konflikts seit Anfang 2015 stets über 100 Prozent notiert hatte, ist inzwischen unter seinen Nennwert abgerutscht. Aktuell zahlen Investoren nur noch 95 Prozent für das Papier, und der Kursverlauf zeigt steil nach unten. Beim Aktienkurs ist die Abwärtsbewegung noch prononcierter. 
 
sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de