Geld & Liquidität
18.07.16

Nach Unister-Insolvenz

Travel24-Anleihe im freien Fall

Von Jakob Eich

Der Internetkonzern Unister hat Insolvenz angemeldet. Der Mini-Bond der Tochtergesellschaft Travel24 gerät jetzt massiv unter Druck.

Nach der Insolvenzmeldung des Mutter-Konzerns Unister befindet sich der Mini-Bond des Reiseportals Travel24 im freien Fall.

anyaberkut/iStock/Thinkstock/Getty Images

Nach der Insolvenzmeldung des Mutter-Konzerns Unister befindet sich der Mini-Bond des Reiseportals Travel24 im freien Fall.

Binnen kürzester Zeit ist die 25 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe von Travel24 erheblich unter Druck geraten. Der Grund: Die Travel24-Mutter Unister hat wenige Tage nach dem tödlichen Flugzeugunglück des Gründers und Konzern-Chefs Thomas Wagner Insolvenz angemeldet.

Unister nutzt ein vorläufiges Insolvenzverfahren, um „seine Handlungsfähigkeit zu sichern“, teilten die Leipziger mit. Als Insolvenzverwalter wurde Lucas Flöther von der Insolvenzkanzlei Flöther & Wissing eingesetzt.

Der Geschäftsbetrieb soll ohne Einschränkungen weiterlaufen, Löhne und Gehälter der Mitarbeiter seien über das Insolvenzgeld gesichert. Flöther habe zudem Kontakt mit Geldgebern, Lieferanten und Kunden von Unister aufgenommen, um sie zu informieren. „Die vorläufige Insolvenz bietet vor allem kurzfristige finanzielle Sicherheit“, wird Flöther zitiert. „Auf dieser Grundlage kann sich die Unister Holding dann langfristig wieder stabil aufstellen.“

Unister ist eines der größten deutschen Internet-Unternehmen. Der Konzern beschäftigt 1.100 Mitarbeiter. Zu Unister gehören neben dem Onlinereiseportal Travel24 auch „fluege.de“ und „ab-in-den-urlaub.de“.

Travel24 ist stark abhängig von Unister

Travel24 stand bei der Refinanzierung der mit 7,5 Prozent verzinsten Anleihe schon vor der Insolvenz der Mutter erheblich unter Druck – dieser hat mit der Insolvenzmeldung nun massiv zugenommen.

Zwar betont Unister in der Mitteilung, dass die „operativen Gesellschaften der Firmengruppe nicht von der Insolvenz betroffen sind“. Der Mini-Bond hat trotzdem mehr als 40 Prozent an Wert verloren und notiert nur noch bei 15,50 Prozent. Eine FINANCE-Anfrage, was die Unister-Pleite für Travel24 bedeutet, ließ die Tochtergesellschaft zunächst unbeantwortet. Am Dienstagmorgen notierte die Anleihe sogar nur noch bei 3 Prozent des Nennwerts.

Dennoch dürfte die Insolvenz der Muttergesellschaft schwerwiegende Folgen für die Gläubiger der Travel24-Anleihe haben. In den Anleihebedingungen schreibt Travel24, dass das Unternehmen einen „wesentlichen Teil ihrer Umsätze über die Unister GmbH“ erzielt. Stand Ende 2014 war Unister mit 74,5 Prozent der größte Aktionär von Travel24. Auch der Geschäftsbetrieb der Gesellschaft sei abhängig vom Mutter-Konzern.

Wie aus dem aktuellsten Geschäftsbericht von Travel24 aus dem Jahr 2014 hervorgeht, hat das Unternehmen an seine Mutter zudem ein Darlehen ausgegeben, das Unister bis Mitte 2017 tilgen muss. Die Raten betragen monatlich 200.000 Euro, der verbliebene Restbetrag dürfte also noch bei über 1 Million Euro liegen.

Es zeichnet sich damit eine weitere Krise am Mini-Bond-Markt ab: Die nächste Zinszahlung steht Mitte September an. Ein Sprecher hatte gegenüber FINANCE im April noch gesagt, das Travel24 über genügend Liquidität verfüge, um diese Zahlung zu leisten.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Bei Mini-Bond-Emittenten kommt es immer wieder zu Zahlungsausfällen. Bleiben Sie auf dem Laufenden mit der FINANCE-Themenseite Mittelstandsanleihen.