Geld & Liquidität
09.11.15

Zu wenige Gläubiger haben abgestimmt

Umschuldung von Sympatex vorerst gescheitert

Von Philipp Habdank

Sympatex wollte seine Mittelstandsanleihe vorzeitig zurückzahlen. Möglich machen sollte es eine Call-Option. Doch zu wenige Gläubiger tauchten zur Abstimmung auf – wie so oft, wenn es um Mini-Bonds geht.

Sympatex

Sympatex muss bei seinen Umschuldungsplänen einen Rückschlag hinnehmen. Die geplante Call-Option scheitert in der zweiten Gläubigerversammlung an der Beschlussfähigkeit - keine Seltenheit bei Mini-Bonds.

Eigentlich wollte sich Sympatex-CFO Haiko Stütingmehr finanziellen Handlungsspielraum schaffen und in seine bis 2018 laufenden Mittelstandsanleihe eine Call-Option einbauen, die eine vorzeitige Rückzahlung ermöglichen würde. Doch wie die erste Versammlung vor rund einem Monat war auch die zweite Gläubigerversammlung nicht beschlussfähig. Mit 21,6 Prozent verpasste Sympatex die Mindestanwesenheit von 25 Prozent des Anleihevolumens.

Zwar war noch nicht klar, woher Sympatex die liquiden Mittel für die vorzeitige Rückzahlung der 13 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe beschaffen will. Doch allein die Umschuldungspläne ließen den angeschlagenen Bond von rund 70 auf über 90 Prozent klettern. Heute brach das Papier dann wieder um rund 12 Prozent ein und steht bei 80 Prozent.

Ohne Call-Option wird Investorensuche für Sympatex schwerer

Sympatex befindet sich seit Längerem auf Investorensuche. Die Call-Option wäre ein wichtiges Argument in den Verhandlungen gewesen, denn ein großer deutscher oder internationaler Investor kann sich höchstwahrscheinlich günstiger refinanzieren als der Mittelständler Sympatex, der für seinen Bond jährlich 8 Prozent zahlen muss. Ohne das Kündigungsrecht läuft der Bond noch bis Dezember 2018 und ist für Investoren damit deutlich unattraktiver.

Der Sympatex-Fall offenbart ein großes Problem am deutschen Mini-Bond-Markt: Viele Mittelstandsanleihen sind angeschlagen und wackeln. Zwar bietet das seit 2009 gültige Schuldverschreibungsgesetz in Deutschland inzwischen die Möglichkeit, die Anleihe relativ einfach zu restrukturieren, zum Beispiel über die Wahl eines gemeinsamen Gläubigervertreters und einer einfachen Mehrheit für Änderungen der Anleihebedingungen. Doch damit das greift, müssen jedoch mindestens 25 Prozent des Anleihevolumens anwesend sein.

Unternehmen müssen um Mini-Bond-Gläubiger kämpfen

Da sich unter den Mini-Bond-Investoren viele private Anleger befinden, müssen die Mittelständler meistens um die Teilnehmer kämpfen. Die erste Versammlung ist deshalb oft nicht beschlussfähig, in der Regel können für die zweite jedoch 25 Prozent der Gläubiger-Stimmrechte aktiviert werden.

Bei Sympatex ist die Call-Option zunächst nicht entscheidend. Betrifft die Abstimmung dagegen existenzielle Abstimmungen wie etwa die Aussetzung und Reduzierung von Zinszahlungen oder Debt to Equity Swaps, führt die Beschlussunfähigkeit häufig in die Insolvenz.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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