Geld & Liquidität
21.07.17

Banken steigen aus

US-Finanzinvestor kauft Bankschulden von SKW Stahl

Von Michael Hedtstück

Die Banken haben ihre Kreditforderungen gegen SKW Stahl an den Finanzinvestor Speyside Capital verkauft. Schon in Kürze dürften die Amerikaner die Macht bei dem Spezialchemiehersteller übernehmen.

Der Ausstieg der Banken könnte das Schuldenproblem von SKW Stahl lösen. Der Schlüssel zur Rettung liegt nun bei dem Finanzinvestor Speyside Capital.

mady70/iStock/Thinkstock/GettyImages

Der Ausstieg der Banken könnte das Schuldenproblem von SKW Stahl lösen. Der Schlüssel zur Rettung liegt nun bei dem Finanzinvestor Speyside Capital.

Die kreditgebenden Banken streichen bei dem Spezialchemiehersteller SKW Stahl die Segel. Die gesamten Forderungen aus einem Konsortialkredit über 74 Millionen Euro, den Anfang 2015 eine Gruppe um die Commerzbank und die NordLB an das kriselnde börsennotierte Unternehmen vergeben hatte, sollen an den Finanzinvestor Speyside Capital verkauft werden. Dies teilte SKW am gestrigen Donnerstagnachmittag in einer Pflichtmitteilung mit. Dies entspricht dem Großteil der Finanzschulden, die SKW Ende 2016 auf insgesamt knapp 86 Millionen Euro taxierte.

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SKW-Vorstand will schnell mit Speyside verhandeln

Speyside Capital gibt die Spezialchemie als einen von drei Schwerpunktsektoren an. Die Amerikaner sind aber kein Debt-, sondern ein Equity-Investor. Es ist also damit zu rechnen, dass nach Vollzug des Kreditverkaufs der Weg für eine umfassende Entschuldung von SKW Stahl frei wird.

Das Unternehmen teilte mit, „kurzfristig mit Speyside Capital eine Verständigung über das Konzept zur bilanziellen Restrukturierung erzielen“ zu wollen. Eine Umwandlung der Kredite in Eigenkapital („Debt-Equity-Swap“) wird explizit als Ziel der Verhandlungen genannt. „Der SKW-Vorstand ist zuversichtlich, dass diese Verhandlungen zeitnah abgeschlossen werden können“, heißt es weiter.

Eine schnelle Lösung bedeutet das aber nicht. SKW lädt seine Eigner zur ordentlichen Hauptversammlung zum spätestmöglichen Termin am 31. August ein, räumt aber ein, dass an diesem Tag wohl noch nicht über das neue Finanzierungskonzept abgestimmt werden kann. Dies wäre erst auf einer späteren, außerordentlichen Hauptversammlung möglich, voraussichtlich im September oder Oktober.

Nach Vollzug eines Debt-Equity-Swaps dürfte Speyside bei SKW das Kommando übernehmen. Der gesamte Konzern, der in diesem Jahr einen Umsatz von mindestens 230 Millionen Euro und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von über 9 Millionen Euro erwartet, wird an der Börse nur noch mit knapp 18 Millionen Euro bewertet – ein Viertel des Kreditvolumens, das nun den Besitzer wechselt.

SKW-Investor Olaf Marx hat zuletzt auf 15 Prozent aufgestockt

Selbst inklusive eines fälligen Abschlags auf den Nennwert des Konsortialkredits wird Speyside mit Hilfe eines Debt-Equity-Swaps wohl die Mehrheit an SKW übernehmen können. Zu welchem Abschlag die Banken sich von ihren Krediten trennen, wurde nicht bekannt. Seitdem SKW schon kurz nach Beginn der Laufzeit die Covenants gerissen hatte, befinden sich die Banken in einem Stand-Still-Agreement, das den Stahlzulieferer bislang vor der Insolvenz bewahrt hat.

Wichtigster Aktionär von SKW ist der Münchener Turnaround-Investor Olaf Marx über sein Investmentvehikel MCGM, der in den vergangenen Tagen weitere Aktien in seinen Stimmrechts-Pool geholt hat und inzwischen über 15 Prozent der SKW-Anteile kontrolliert. Andere Großinvestoren hingegen hatten in den zurückliegenden Wochen im großen Stil Aktien verkauft. Die SKW-Aktie reagierte zunächst mit einem Kurssprung auf die Nachricht vom Speyside-Einstieg, bis zum gestrigen Handelsschluss gab das Papier einen Großteil dieser Gewinne aber wieder ab.     

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Hintergründe zum Überlebenskampf des Stahlzulieferers gibt es auf unserer FINANCE-Themenseite zu SKW Stahl.