Märkte & Wirtschaft
20.10.14

Bankhaus Oddo erklärt Deutschland zur „höchsten Priorität“

Close Brothers Seydler nach Frankreich verkauft

Von Michael Hedtstück

Der britische Close-Brothers-Konzern verkauft die Deutschlandtochter Close Brothers Seydler an das das französische Bankhaus Oddo. Die Franzosen wollen das Seydler-Geschäft jetzt kräftig ankurbeln.

Philippe Oddo und René Parmantier bilden künftig ein Gespann. Aus Close Brothers Seydler wird Oddo Seydler.

Close Brothers Seydler

Philippe Oddo und René Parmantier bilden künftig ein Gespann. Aus Close Brothers Seydler wird Oddo Seydler.

Der deutsche Small- und Mid-Cap-Broker Close Brothers Seydler bekommt einen neuen Eigentümer. Nachdem sich das britische Mutterhaus Close Brothers entschieden hat, sich voll auf sein Kerngeschäft in Großbritannien zu konzentrieren, schlüpft die deutsche Tochter unter das Dach des französischen Bankhauses Oddo. Die Franzosen bezahlen einen Kaufpreis von 46 Millionen Euro für das deutsche Unternehmen, das künftig unter Oddo Seydler firmieren wird. Für Oddo ist es einer der größten Zukäufe der Firmengeschichte.

Close Brothers Seydler ist einer der aktivsten Broker im deutschen Small- und Midcap-Geschäft und betreibt auch ein relevantes Research- und Corporate-Finance-Geschäft. Zuletzt erwirtschaftete Close Brothers Seydler Erlöse von 37,6 Millionen Euro bei hoher Profitabilität. FINANCE-Informationen zufolge entsprechen die von Oddo bezahlten 46 Millionen Euro rund dem 7-fachen Nachsteuerergebnis von Seydler. 

Der neue Eigentümer des deutschen Brokerhauses zählt zu den größten Privatbanken Frankreichs. Oddo erzielte zuletzt aus Gesamterlösen von 298 Millionen Euro ein Nettoergebnis von 71,1 Millionen Euro, ist im Gegensatz zu Seydler aber nicht in erster Linie ein Brokerage- und Research-Haus, sondern ein Asset-Manager mit einem verwalteten Vermögen von 30 Milliarden Euro (20 Milliarden davon in hauseigenen Produkten), der aber auch ein nennenswertes Investmentbanking betreibt. 60 Prozent der Firmenanteile gehören der Familie Oddo, die Mitarbeiter besitzen 30 Prozent.

Mit Oddos Kapital will Seydler im Corporate Finance wachsen

Kostensynergien gebe es kaum, bekannte Philippe Oddo, in fünfter Generation Chef des Bankhauses, bei einer Pressekonferenz heute Morgen in Frankfurt. Grund sei, dass Seydler kein Asset Management betreibe und Oddo damit seine IT- und Backoffice-Funktionen nicht auf die neue Frankfurter Tochter übertragen könne. „Bei der Transaktion geht es allein um Wachstum“, sagte Oddo. „Wir wollen gemeinsam eine deutsch-französische Privatbank bauen“. Anspruch sei es, in dieser Marktnische das eindeutig führende Haus im Euro-Raum zu werden. Das Geschäft mit dem deutschen Mittelstand habe künftig „höchste Priorität“.

Dem Corporate-Finance-Geschäft von Seydler könnte der Gesellschafterwechsel einen Schub bringen. Bankchef René Parmantier, der auch unter der Ägide von Oddo Seydler leiten soll, hofft, „dass wir mit Oddo einen Schritt höher gehen können“. Oddo selbst legt die Messlatte für sich und Parmantier hoch. Über die nächsten Jahre soll Seydler im Schnitt mit 30 Prozent pro Jahr wachsen, gab der Pariser Bankier als Devise aus.

Aktuell konzentriert sich Seydler in Deutschland auf Equity- und Debt-Capital-Markets-Transaktionen mit kleinen und mittelgroßen deutschen Mittelständlern. Die Frankfurter zählen zu den führenden Playern am Markt für Mittelstandsanleihen, wo unter anderem die Reederei Rickmers zu den Kunden zählt. Auch im Bereich Equity Capital Markets spielt Close Brothers Seydler eine wichtige Rolle für deutsche Small Cap-Unternehmen. 2013 brachte die Bank etwa den Verlag Bastei Lübbe an  die Börse.

Philippe Oddo will Seydler nun mit mehr Kapital ausstatten, um der neuen Tochter künftig auch den Zugang zu größeren Kunden zu ebnen.

Mit Oddo soll sich die Sales-Force von Seydler versechsfachen

Dabei setzt der Pariser Bankier vor allem auf die eigene Mannschaft im Bereich Institutional Sales, die deutlich größer ist als die der Frankfurter. Laut Oddo werde sich die Anzahl der Sales-Spezialisten, auf die Parmantier und sein Team künftig zugreifen können, nahezu versechsfachen. Vor allem international soll die Platzierungskraft deutlich zunehmen, versprach Oddo.

Wie genau der Schritt nach vorne im Corporate-Finance-Geschäft gelingen soll, steht allerdings noch nicht fest. Zunächst werde eine hochrangige gemeinsame Arbeitsgruppe gebildet, der auch Seydler-Chef Parmantier angehöre, erklärte Oddo. Diese soll die künftige gemeinsame Strategie erarbeiten. In rund zwei Monaten soll der neue Plan stehen.     
 
michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de